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Borowski und die Kinder von Kiel Gaarden : So reagiert das Netz auf den Kiel-„Tatort“

vom
Aus der Onlineredaktion

Der Kiel-Tatort zeigte das trostlose Milieu in Kiel-Gaarden. Viele Zuschauer ließ der Krimi bedrückt zurück.

shz.de von
erstellt am 30.Mär.2015 | 08:30 Uhr

Kiel | Der Kiel-„Tatort“ ließ viele Zuschauer mit bedrückter Stimmung zurück: „Borowski und die Kinder von Gaarden“ legt den Finger in eine offene Wunde. Im Kieler Problemviertel geht es um Hoffnungslosigkeit und Verwahrlosung, um einen Pädophilen, der vor aller Augen Kinder zu Partys einlädt. Und so sucht man den Mörder des Kinderschänders Onno Steinhaus auch unter den Jungs, die regelmäßig bei ihm herumhängen.

sh:z-Kritiker Frank Kobel lobt den „Tatort“ als gut recherchiert. „Eva und Volker A. Zahn (Drehbuch, hier im shz.de-Interview) haben mit Regisseur Florian Gärtner penibel recherchiert, um das Milieu so realistisch wie möglich nachzuzeichnen. Dieser ,Tatort' berührt allein durch seine trostlosen Bilder und die hoffnungslosen jungen Gesichter. Auch wenn Milberg und Kekilli gewohnt kühl und souverän dagegen anspielen. Erwischt uns doch dieser Fall in seiner sozialen Düsternis an einer heiklen Stelle – an der Grenze zwischen Mitleid und Unverständnis. “

Holger Gertz, Kritiker der Süddeutschen-Zeitung, lobt die schauspielerische Leistung der Kinder: „Es sind gerade die Kinder von Gaarden, die den Film über die Kinder von Gaarden sehenswert machen. Sie spielen das nicht einfach runter. Sie berühren.“

Der Stern-Kritiker Carsten Heidböhmer bemängelt lediglich, das er sich am Ende der Schreckens-Woche einen heitereren „Tatort“ gewünscht hätte. Dennoch sei der düstere Krimi gelungen. „So trist ist die Welt, in die ,Borowski und die Kinder von Gaarden' die Zuschauer einführt. Der Film geht dabei sehr behutsam vor. Er beschönigt nichts. Verrät seine Charaktere aber auch zu keiner Zeit, selbst wenn es sich dabei um miese, sadistische Jungs handelt.“

Unter den Jungen in Gaarden herrscht ein derber Ton. Es wird erpresst, gemobbt und auch mal zugeschlagen.

Und so zeigt der Krimi die triste Seite des Stadtviertels – und vertieft die bestehenden Vorurteile. Auch der Verdächtige Timo weiß: Wenn Gaarden auf dem Lebenslauf steht, bekommt man keinen Job.

Doch neben der Geschichte um die Kinder von Gaarden wird auch ein wenig aus der Vergangenheit der Kommissarin Sarah Brandt erzählt. Sie trifft im Gaardener Revier-Polizisten ihren Jugendschwarm „Rauschi“ wieder. 

„Rauschi“ lässt nichts anbrennen und genehmigt sich auch gern mal einen. Seine zwielichtige Art macht ihn denn auch gleich zum Verdächtigen.

Kennt man „Rauschi“ nicht aus einer anderen Serie?

Am Ende wird klar: Nicht die Pädophilie des Onno Steinhaus wurde zum Mordmotiv, sondern er trat auf seinen Hund ein. Für einen der unausgeglichenen Jungen war das der Grund, mit dem Hammer auf den Mann loszugehen. Denn der Hund war sein einziger Freund.

Für den TV-Kritiker der Kieler Nachrichten, Bastian Modrow, steckt hier das große Manko des Films. „Obwohl Spurensicherer der Polizei durchs TV-Bild toben und Sarah Brandt sogar noch eine naheliegende Motiv-Theorie anstellt, so wird die Tatwaffe offenkundig bis zu Borowskis plötzlicher Eingebung, um wen es sich beim Täter handeln könnte, nicht untersucht. Andernfalls hätte nach spätestens fünf Fernsehminuten anhand der Fingerabdrücke auf der Tatwaffe nämlich festgestanden, wer der Mörder ist.“

Zum Schluss den Krimis rennt der Hund davon. Die Kinder müssen in Gaarden bleiben. Das Schicksal des Hundes interessierte so manchen Zuschauer denn auch am meisten.

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