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So funktioniert das Erstaufnahme-Dorf

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

shz.de von
erstellt am 03.Sep.2015 | 14:40 Uhr

Das neue Container-Dorf bietet seit gestern gut 500 Flüchtlingen – vielen von ihnen aus Syrien – ein Bett, ein Dach über dem Kopf und Verpflegung. Durch den vorverlegten Start improvisieren die Helfer überall. Gestern fehlten etwa noch einige Matratzen. Büromöbel müssen noch geliefert werden. Die Polizeistation hat noch keinen Telefonanschluss, und das Landesamt für Ausländerangelegenheiten aus Neumünster wird erst in den kommenden Tagen mit der Bearbeitung der Asylanträge beginnen – sobald die IT-Infrastuktur eingerichtet ist.

Bis dahin übernimmt das Deutsche Rote Kreuz (DRK) in zwei Zelten eine Kurz-Registrierung der Flüchtlinge. „Wir nehmen Namen, Alter und Herkunft auf, um die Gäste auf die Container zu verteilen“, erklärt Einrichtungsleiterin Ilka Hübner (61) vom DRK. Familien und Paare beziehen nach Möglichkeit gemeinsam ein Zuhause auf Zeit, einzelne Personen werden nach Geschlechtern getrennt untergebracht. Nach Religionszugehörigkeit wird nicht unterschieden. Wenn möglich, kommen aber Landsleute gemeinsam unter. Alle erhalten ein Starterpaket mit Hygieneartikeln. An Wochenenden und nachts übernehmen Sicherheitskräfte neben der Zugangskontrolle die Aufnahme – auch dann kommen einzelne Flüchtlinge an.

Das DRK ist montags bis freitags von 7 bis 20 Uhr im Einsatz – und in einer 24-Stunden-Rufbereitschaft. Ein Team aus Dutzenden Kräften trägt die unterschiedlichsten Aufgaben, wie Ilka Hübner erklärt. Hausbetreuer kümmern sich um Fragen zu Reinigung und Unterbringung. Sozialpädagogen helfen bei Konflikten, aber auch Gästen mit Problemen, Alleinreisenden, Schwangeren. Verfahrensberater klären die Asylbewerber über Perspektiven auf – auch im Falle einer Ablehnung des Antrags.

Erzieher und Freizeitpädagogen sorgen für die Kinderbetreuung, auch in der Kinderstube. Die allerdings gibt es noch nicht. Im noch unmöblierten Container werden derzeit Kleider ausgegeben. In Kürze sollen Kinder im Schulalter täglich 90 Minuten lang Deutschunterricht erhalten. Erwachsene erfahren zügig, wie sie in die Innenstadt kommen. „Wir wollen ihnen so schnell wie möglich erste Integrationsschritte ermöglichen“, so Ilka Hübner.

Bei medizinischen Problemen helfen Rettungssanitäter direkt nach der Ankunft und zwei Ärzte mit bis zu vier Helferinnen in einem Praxis-Container. Kinder mit Fieber und Durchfall, Erwachsene mit Hautausschlägen, drei Schwangere, aber auch ein syrischer Patient mit einer älteren Kriegsverletzung – durch eine Kugel in der Brust fällt ihm das Atmen schwer – wurden bereits betreut.

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