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Roma in Kiel-Gaarden : Skrupellose Vermieter zocken Zuwanderer ab

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Die Stadtverwaltung in Kiel spricht schon vom „Brennpunkt im Brennpunkt“: Die Zuwanderer aus Rumänien und Bulgarien leben unter erbärmlichen Umständen im Stadtteil Gaarden.

shz.de von
erstellt am 01.Feb.2014 | 11:15 Uhr

Kiel | Die Lage in Gaarden spitzt sich dramatisch zu. Selbst die Stadtverwaltung spricht mittlerweile von einem „Brennpunkt im Brennpunkt“. Gemeint sind die Wohn- und Lebensverhältnisse der rund 800 offiziell gemeldeten Rumänen und Bulgaren, die sich in in dem Stadtteil niedergelassen haben – unter prekären finanziellen Bedingungen und oft nur mit mangelhafter Bildung. Die meisten von ihnen sind Roma. Insider gehen jedoch von einer ebenso großen Zahl von Zuwanderern aus, die sich inoffiziell dort aufhalten. Unter welchen erbärmlichen Umständen die Roma hausen, wurde bei einer Begehung eines Hauses im Kirchenweg 34 deutlich, über die jetzt im Sozialausschuss berichtet wurde.

Die Haustür hat keinen Griff. Fünf Klingeln, 30 Briefkästen, wahrscheinlich einer pro Wohnung. In einem Zimmer leben meist mehr als vier Erwachsene, pro Wohnung meist mehr als 20 Menschen zusammen, im ganzen Haus mehr als 120 Personen. „Der Zahl der Bewohner nach müsste dieses Haus mindestens 56 Stockwerke haben“, sagte Silke Jürgensen von der FDP. Mehrere Kontrollen durch das Bauordnungsamt führten zu Auflagen an den Vermieter, etwa was den Brandschutz und Fluchtwege angeht. Zu allem Überfluss hatte ein Hausmeister sogar noch zehn Personen gegen Gebühr das Übernachten auf dem Trockenboden erlaubt. „Problematisch, weil rechtlich kaum anzugehen, ist es, dass Profiteure auf dem Wohnungsmarkt die Situation ausnutzen, teilweise Zimmer an bis zu vier Erwachsene gleichzeitig vermieten und damit bis zu 600 Euro an Miete für ein Zimmer einnehmen“, heißt es in einem Rathauspapier.

Dicht an dicht, alle nutzen eine Toilette und eine Küche. Das stört den 17-jährigen Muri* (Name geändert) ebenso wie viele andere Hausbewohner. Muri ist eines der wenigen Roma-Kinder, die laut Sozialdezernent Adolf-Martin Möller zur Schule gehen. Muris Antrieb: „Ich will, weil deutsch lernen.“ Sein Problem: Die Wohnsituation ist für ihn und seine Familie so bescheiden, dass er keinen Platz und keine Ruhe für Hausaufgaben habe. Stattdessen sitzt er Freitagnachmittag im Dachgeschoss auf dem Flur mit sechs Männern und spielt Karten. Einige wenige arbeiten, erzählt ein 28-Jähriger. Zwischen 150 und 300 Euro pro Person müssen die Bewohner regelmäßig an den Hausmeister abdrücken, der komme jeden Morgen. Damit sei er immer noch besser dran als in Bulgarien, sagt der junge Mann. „In Bulgarien auch keine Arbeit, hier mal zwei Tage.“ Das reiche für die Miete. Was er arbeitet, kann er nicht sagen.

Nachbarn fühlen sich durch die anderen Lebensgewohnheiten der Bulgaren und Rumänen subjektiv bedroht, heißt es im Bericht. Die Anwohner bestätigen das vor Ort. Besonders schlimm sei es im Sommer, da stehen die Bewohner jeden Tag – auch abends und nachts– draußen, basteln an Autos, essen dort und lassen Reste liegen, kaputte Möbel stehen auf der Straße. Die Anrufe bei der Polizei lösen immer dieselben Reaktionen aus: „Die kommen schon gar nicht mehr jedes Mal, nur wenn die sich wirklich die Köpfe einschlagen“, sagt eine Anwohnerin.

Die Sorge wächst bei den Stadtoberen, dass eine weitere überproportionale Zunahme der Zuwanderung nach Gaarden sich negativ auf den Wohnstandort auswirkt. Erste Hinweise auf eine solche Entwicklung ließen sich schon feststellen, räumt das Amt für Soziales ein.

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