Zu Teuer : Ski-Projekt für Blinde vor dem Aus

Die Nachfrage an der Teilnahme ist gestiegen - doch das treibt die Kosten in die Höhe.
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Die Nachfrage an der Teilnahme ist gestiegen - doch das treibt die Kosten in die Höhe.

Uni Kiel und Skischule Kiel kooperieren seit zwei Jahren. Die dritte Reise soll im März wieder nach Norwegen führen. Die bundesweite Nachfrage ist groß, doch es fehlt das Geld.

shz.de von
08. Januar 2015, 06:22 Uhr

Es ist eine ehrgeizige Initiative: „Snow & Eyes“ heißt das Projekt der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) und der Skischule Kiel, die Blinden und Sehbehinderten eine Reise in den Schnee ermöglicht. Die Teilnehmer lernen dabei, sich mit der Hilfe eines Trainers auf eigenen Skibrettern über die Piste zu bewegen (wir berichteten). Die Initiative kam von der Skischule Gerd Wrobels. Das Institut für Sportwissenschaften griff sie gerne auf. 2013 brach zum ersten Mal eine kleine Gruppe Sehgeschädigter zur einwöchigen Skireise nach Hemsedal (Norwegen) auf. Im vergangenen Jahr waren bereits drei Mal so viele Teilnehmer dabei. Doch nun steht die dritte Fahrt, die für das Frühjahr geplant ist, auf der Kippe. Es fehlt am Geld. Nicht an Interessierten.

Aus der gesamten Republik sind bereits Jugendliche und Erwachsene auf dieses Projekt aufmerksam geworden und wollen Skifahren lernen. „Die Nachfrage ist groß“, sagen Gerd Wrobel und der Sportwissenschaftler Andreas Märzhäuser (CAU). „Nun sind wir in der Situation, dass wegen dieser großen Nachfrage die Weiterführung des Projektes gefährdet ist, wenn es uns nicht gelingt, Spenden oder andere Möglichkeiten der finanziellen Unterstützung zu bekommen“, berichten Wrobel und Märzhäuser. Durch die angestiegene Teilnehmerzahl seien die Kosten explodiert. Im Klartext: Von rund 25  000 Euro veranschlagten Kosten für den einwöchigen Trip ist die Rede, basierend auf einer Gruppe von 40 Personen, darunter 16 Blinde. Die Reederei Color Line übernimmt die Fährtickets in Höhe von etwa 3000 Euro. Die übrigen Ausgaben verteilen sich auf Unterbringung, Honorare für Skilehrer, Trainer, Reiseleiter und Betreuer, Skipässe, Skiausrüstung sowie Transfer von Oslo nach Hemsedal und zurück. Um Spendenbescheinigungen ausstellen zu können, hat das Duo eigens den Verein Sportsgeist gegründet. Denn sie möchten möglichst vielen Blinden die Erfahrung ermöglichen, wollen Absagen vermeiden.

„Nur durch Hilfe von außen wird es möglich sein, dass weiterhin Blinde und Menschen mit Sehbehinderung die Sportart Ski und die Faszination Winter erleben können“, betont Wrobel. Er und Märzhäuser möchten den Teilnehmern den geringen, quasi subventionierten Beitrag von 200 Euro pro Person weiterhin ermöglichen. Ohne zusätzliche finanzielle Mittel koste die Reise bei 16 Teilnehmern für jeden einzelnen etwa 1000 Euro mehr. „Einige Blinde sind finanziell nicht gut aufgestellt. Wir kämpfen deshalb mit allen verfügbaren Kräften, das Projekt weiter am Leben zu halten“, sagt Gerd Wrobel, der mit seiner Skischule früher das Honorar sowie Unterbringung und Material übernommen hat. „Doch irgendwann ist der Topf leer“, sagt Wrobel. Er will allerdings weiterhin die Ski-Ausrüstung stellen.

Um zu verdeutlichen, was „Snow & Eyes“ den blinden Skifahrern bieten kann, nennt Wrobel Ziele, die das Team bereits umsetzen konnte: „Die Teilnehmer erfahren die Natur mit den Sinnen: Kälte, Berge, Schnee, Wind und Sonne. Sie erlernen gemeinsam eine bisher unbekannte Sportart in der Gruppe. Und sie verbessern die allgemeine Motorik und Bewegungsfähigkeit durch den Schneesport.“

Begleitet wurden die Ski-Neulinge in Norwegen von erfahrenen Skilehrern, darunter neun CAU-Sportstudenten. Gemeinsam unterrichtete dieses Team in einer Eins-zu-Eins-Betreuung die Pisten-Anfänger, erforschte mit ihnen auch neue Inklusionskonzepte. Das praxisnahe Arbeiten im Bereich Inklusion ist noch rar, könnte jedoch zukünftig in der Lehrerausbildung der Kieler Uni weiter an Bedeutung gewinnen. „Das Projekt ist somit auch ein großer Benefit für unsere Studenten“, beteuert Diplom-Sportlehrer Märzhäuser. Wenn alles klappt, so die Hoffnung der beiden, möchten sie 2016 auch speziell für Jugendliche unter 18 Jahren einen Skikurs organisieren.
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Kontakt: Tel. 0431/ 99 69 783 (Gerd Wrobel, Skischule Kiel); E-Mail: info@skischule-kiel.de


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