Kultursommer in Kiel : Singen, swingen und lesen lassen

Linda Stach (l.) sowie Markus und Ivan Dentler vom Theater Die Komödianten zeigen ihre Schauspielkunst bei der Aufführung des „Kleinen Prinzen“ im Rathaushinnenhof. Für das Foto fuhren sie auf den Rathausturm mit Blick über ganz Kiel.
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Linda Stach (l.) sowie Markus und Ivan Dentler vom Theater Die Komödianten zeigen ihre Schauspielkunst bei der Aufführung des „Kleinen Prinzen“ im Rathaushinnenhof. Für das Foto fuhren sie auf den Rathausturm mit Blick über ganz Kiel.

130 Veranstaltungen voller Musik, Tanz, Theater und Literatur in all ihren Spielarten warten in den kommenden Wochen auf Kieler und Kiel-Besucher.

shz.de von
02. Juli 2015, 19:50 Uhr

Was kann nach der Kieler Woche eigentlich noch kommen – Katerstimmung und Sommerstarre? Von wegen, dachten sich die Kieler Ratsleute im Jahr 2000. Wir müssen dagegenhalten. Vor 15 Jahren also gaben sie den „Kieler Kultursommer“ in Auftrag: mehr Werbung für die vielen kleinen und größeren Events im Juli und August in der Landeshauptstadt, vor allem gebündelt. Dazu die Anregung zu neuen Veranstaltungen – und das Etablieren eigener Programmpunkte. Nun geht der Kultursommer in die 16. Runde. Mit noch mehr Events, originellen neuen Ideen und Kultur in all ihren Spielarten.

Es gilt viel zu entdecken, vor allem an der frischen Luft, aber auch auf dem Wasser oder an der Waterkant. Musik, Tanz, Literatur, Theater, Film und Kunst. So viel, dass die 130 unterschiedlichen Programmpunkte von 55 Veranstaltern ein Heft mit 80 Seiten füllen, das im Rathaus, der Tourist-Info, in den Fährterminals und in Hotels ausliegt, kostenlos. Eine „Rekord-Fülle“, wie Angelika Stargardt vom Kulturamt der Stadt wirbt.

Im Detail: Mit der Sommeroper „Nabucco“ (ab 22. August, siehe Text unten) geht es in diesem Jahr wieder auf den Rathausplatz. Neu daran: „Umsonst & draußen“ kann jeder die Übertragung auf einer Leinwand an erstmals vier Orten in Kiel miterleben. Auch das Märchen vom „Kleinen Prinzen“ darf nicht fehlen – es geht im Rathaus-Innenhof über die Bühne (siehe Text oben). Vormerken kann man sich bereits jetzt die Museumsnacht (28. August). Nicht zu vergessen: Auch beim Schleswig-Holstein-Musik-Festival ist Kiel mit von der Partie. Al Jarreau und seine Band treten    schon am 8. Juli im Schloss auf, und das Abschlusskonzert am 30. August wird sicher für ein klanggewaltiges Festival-Finale sorgen.

Immer größer wird das Nachwuchs-Festival „Bootshafensommer“ (24. Juli bis 29. August), das im vergangenen Jahr an zehn Tagen nach Angaben von Kiel-Marketing 60  000 Besucher zu Live-Musik, Disco und kostenlosem Schnuppersegeln anlockte. In diesem Jahr findet es an zwölf Tagen jeweils an den Wochenenden statt.

Stichwort Lesungen: Da ist für jeden Leseratten-Geschmack etwas dabei. Die Schauspielerin Hannelore Hoger („Bella Block“) wird am 27. August (20 Uhr) im Kulturforum in der Stadtgalerie aus Tania Blixens Erzählung „Der Ring“ sowie aus Märchen von Hans Christian Andersen lesen. Ein jüngeres Publikum zieht sicher der dänische „Beat-Poet“ Claus Høxbroe an – am 18. August (18 Uhr) präsentiert er gemeinsam mit dem Pianisten Oscar Gilbert in der Festung Friedrichsort seine Gedichte. „Das muss man sich aber eher wie ein Poetry-Slam vorstellen“, erklärt Angelika Stargardt. Kinder kommen mittwochs (15 Uhr) im Juli und August in den Genuss echter Seeräubergeschichten – und zwar in einem alten Holzboot am Falckensteiner Strand neben dem Minigolfplatz. Die Teilnahme ist frei für Kids ab fünf Jahren.

Die Freunde des Kultursommers dürfen aber auch selbst aktiv werden – beim Tanzen. Zum Sound der 30er-Jahre gibt es einen Swing-und Lindy-Hop-Tag im Kieler Maschinenmuseum (5. Juli, 11 bis 15 Uhr). Neugierige dürfen mittanzen (Eintritt 6 Euro). Unter freiem Himmel bittet bei gutem Wetter sonntags ab 20.30 Uhr das Café „Blauer Engel“ am Hafen zum „Milonga del Angel“, also Tango. Der Eintritt ist frei.

Besondere Aktionen: Am 29. August wird der Film „Vaya con dios“ (Komödie) in der Nikolai-Kirche am Alten Markt gezeigt. In dem Film wandern drei singende Mönche nach Italien – als sie sich zu verlieren drohen, führt ein Choral sie wieder zusammen. Und dieser Gesang ist 1640 in Kiel entstanden.

Auf Anregung der Hospiz-Initiative Kiel startet am 11. Juli eine spezielle Kunstaktion an der Kiellinie neben dem Segelcamp. „Bevor ich sterbe, möchte ich  .  .  .“ heißt die Frage, die Spaziergänger einlädt, im Wissen um ihre Endlichkeit ihre Hoffnungen und Träume an eine aufgestellte Tafel mit Kreide zu schreiben. Die Tafel ist bereits um die halbe Welt gereist – und in diesem Sommer in Kiel.

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