Polizei : Sicherheitsberater für Senioren – eine Idee aus Kiel wird Landesprojekt

Helge Borchert ist der Leiter der Präventionsstelle für Kiel und Plön. Er freut sich über die zwölf Freiwilligen, die sein Team künftig unterstützen.
Helge Borchert ist der Leiter der Präventionsstelle für Kiel und Plön. Er freut sich über die zwölf Freiwilligen, die sein Team künftig unterstützen.

Immer häufiger werden Senioren Opfer von Enkeltricks, Einbrüchen oder verursachen selbst mit zunehmenden Alter immer mehr Verkehrsunfälle. Um sie fach- und sachgerecht aufzuklären, bildete die Polizei Ehrenamtler aus, die – selbst Rentner – Senioren beraten.

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25. Juli 2014, 05:19 Uhr

Überfall, Enkeltrick, Hauseinbruch – hoffentlich trifft mich das nicht. „Das subjektive Sicherheitsempfinden von Senioren weicht sehr stark von der Statistik ab. Sie fühlen sich wesentlich unsicherer, als sie tatsächlich Opfer von Straftaten werden“, erklärt Helge Borchert, Leiter des Präventionsbereiches bei der Polizei.

Um Menschen im Alter von 60 Jahren plus aufzuklären, vor möglichen Straftaten zu schützen und auf Gefahren im Straßenverkehr mit zunehmendem Alter hinzuweisen, gibt es die frisch ausgebildeten Sicherheitsberater für Senioren (SfS). 50 Männer und Frauen haben sich landesweit im April zu sogenannten SfS ehrenamtlich fortbilden lassen, zwölf davon sind ab sofort in Kiel und dem Kreis Plön im Einsatz. Ihre Aufgabe: Senioren in Infoveranstaltungen, Sicherheitstagen oder Einzelberatungen über neue Betrugsmaschen, Gewalt in der Pflege, Verhalten als Opfer/Zeuge oder zum Thema Internetkriminalität sowie die Verkehrstüchtigkeit hinzuweisen. „Damit das authentisch wirkt und die Hemmschwellen des Ansprechens niedrig sind, sind auch die Berater im Rentenalter“, erklärt der Polizeihauptkommissar. Borchert betont aber, dass es keine Hilfspolizisten sind, sondern ein zusätzliches Angebot an eine immer bedeutendere Zielgruppe.

Ganz neu ist das Programm, das nun landesweit in Zusammenarbeit mit dem Rat für Kriminalitätsverhütung und der Polizei auf die Beine gestellt wurde, für Kiel und Plön nicht. Hier liegen sozusagen die Wurzeln: Denn seit 2006 gab es hier schon ein spezielles Beratungsangebot unter dem Namen „Senioren für Senioren“ – aus der Taufe gehoben von den beiden ehemaligen Polizisten Hans-Dieter Schwarz und Klaus Lietzau. Auf deren Erfahrungen beruhend, wurde das landesweite Konzept aufgebaut, so Borchert.

Lietzau, heute 72, ist noch immer als SfS unterwegs. „Die Nachfrage nach uns ist gerade nach Fällen wie in Schilksee wieder gestiegen“, sagt er. Der Überfall auf ein Rentnerehepaar, bei dem die Frau durch einen Asthmaanfall starb, sorgte bundesweit für Schlagzeilen (wir berichteten). „Solche tragischen Fälle sind sehr, sehr selten, wirken aber stark bei dieser Altersgruppe nach“, bestätigt Borchert. Statistisch gesehen, sind rund 24 Prozent der Kieler über 60 Jahre, doch nur vier Prozent werden Opfer von Straftaten, sechs Prozent sind Täter. Die Gruppe der 21- bis 40-Jährigen scheint deutlich gefährdeter: Von insgesamt 4500 Opfern im vergangenen Jahr gehörten rund 2300 Menschen dieser Altersgruppe an. „Werden Jüngere einmal Opfer von Einbrüchen, stecken sie das in der Regel einfacher und schneller weg als Senioren“, weiß Lietzau auch aus seiner über 40-jährigen Dienstzeit bei der Polizei. Eine der dringendsten Fragen der Senioren sei über all die Jahre deshalb: „Wie krieg’ ich mein Zuhause sicher?“. Bei diesen und anderen Problemen informieren die SfS in Zusammenarbeit mit der Polizei. Borchert: „Wir sind neun Präventionsbeamte für den Bereich. Ohne die Arbeit der Freiwilligen könnten wir das spezielle Angebot für Senioren so gar nicht anbieten.“


Infos www.polizei.schleswig-holstein.de, Suchwort: Sicherheitsberater für Senioren

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