Ausstellung im Rathaus : Sexismus-Vorwurf in Heikendorf: Künstler Kai Piepgras muss Gemälde verhüllen

Politikerinnen fühlen sich von Piepgras-Werken belästigt. Jetzt hängen während der Sitzungen Bettlaken an den Wänden.

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09. März 2018, 15:32 Uhr

Heikendorf | Sexismus-Debatte in Heikendorf: Anlass ist eine Ausstellung des Künstlers Kai Piepgras in den Fluren und vor allem im Ratssaal des Rathauses. Insgesamt 13 Gemälde hängen dort seit Mitte Februar, darauf zu sehen: Ansichten von Frauen. Mal ein nackter Rücken, mal ein Hals oder auch ein Schuh. Der Name der Ausstellung: passenderweise Inkognito. Denn seit der Beschwerde von zwei Gemeindemitgliedern muss der Künstler vor den Sitzungen im Ratssaal seine Bilder verhüllen.

Piepgras selbst sei sehr überrascht gewesen, als der Bürgermeister ihm von der Aufregung berichtet habe. „Ich stelle seit 25 Jahren aus, europaweit, habe 5000 Bilder gemalt, aber so einem Vorwurf bin ich noch nie begegnet. Es sind doch keine primären oder sekundären Geschlechtsmerkmale zu sehen. Dann hätte ich es noch nachvollziehen können.“

 

Auch von den Besuchern sei überwiegend positives Feedback gekommen. Einer Aussage eines Besuchers könne Piepgras nur beipflichten: „Die Bilder sind eine Hommage an die Schönheit der Weiblichkeit.“ Besucherin Hanna Groß aus Heikendorf finde es empörend, dass die Bilder abgehängt werden müssen. „Dann müsste man auch alle Werke von Rubens verbergen“, sagt die 76-Jährige. „Die Metoo-Debatte ist sicher richtig, aber doch nicht für solche Bilder. Das finde ich kleinbürgerlich.“

Das sehen aber eben nicht alle so. Die SPD-Gemeindevertreterin Karla Schmerfeld sagte den „Kieler Nachrichten“, die Motivlage der Bilder „mit Frauen, die portionsweise abgebildet werden“, sei für einen Ratssaal unpassend. „Als Frau stoßen diese Bilder mich ab.“ Auch eine weitere Frau habe sich in der Sitzung dieser Meinung angeschlossen, so Bürgermeister Alexander Orth.

„Ich nehme das mit Heiterkeit“

Der sah sich deshalb gezwungen, zu handeln – auch wenn er selbst die Gemälde schön finde und die Aufregung nicht verstehe. „Das ist hier kein frei zugänglicher, öffentlicher Raum, sondern ein verbindlicher Arbeitsplatz der Gemeindevertreter. Wenn sich jemand belästigt fühlt, muss ich das respektieren, da kann es nicht nach der Mehrheitsmeinung gehen.“

Der Vorschlag des Künstlers eine öffentliche Podiumsdiskussion zu dem Thema durchzuführen und demokratisch zu entscheiden, sei abgelehnt wurden, so Piepgras. „Ebenso die Option, einzelne Bilder auszutauschen, weil man nicht klären konnte, welches denn am meisten für Aufregung sorgt.“

Die Bilder während der Sitzungen abzunehmen, sei für ihn nicht in Frage gekommen. „Das ist Kunstzensur, dann hätte ich zusammen mit meinen beiden Kollegen Jörg Klinner und Gertrud Buller-Schunck die Ausstellung abgebrochen.“ Dass am Ende ausgerechnet sein Vorschlag der Verhüllung angenommen wurde, habe ihn schon verwundert. „Ich hatte zuerst wirklich kein gutes Wochenende, jetzt aber nehme ich das mit Heiterkeit. Es geht ja auch nur um insgesamt drei Sitzungen.“

Einmal noch muss Piepgras seine alten Bettlaken – die er eigentlich für den Transport von Bildern nutze – einpacken und die Werke damit verhüllen. Am 21. März tagt der Wirtschaftsausschuss. Das sei für ihn auch eine Protestaktion. „Die Verhüllung macht das Ganze richtig schön absurd. Das ist besser als leere Wände.“

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