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Preiswerte Busfahrten : Seniorenticket in der Warteschleife

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Seniorenbeiräte in Kiel und den beiden Nachbarkreisen Plön und Rendsburg-Eckernförde haben die Diskussion angeschoben. Doch die Aussichten auf einen Fahrpreis-Rabatt für ältere Kieler sind gedämpft. Das Rathaus hat ausgerechnet, dass das Seniorenticket der Stadt ein Minus von 200 000 Euro in die Kasse spülen würde. Angestrebt wird deshalb eine landesweite Regelung

shz.de von
erstellt am 22.Okt.2014 | 21:01 Uhr

München hat es und Hannover auch, ebenso Aachen oder die Hansestadt Hamburg. Und jetzt diskutiert auch Kiel über die Einführung eines Seniorentickets für Personen über 65 Jahren im Bus- und Bahnverkehr. Doch es gibt Widerstände und Vorbehalte, in erster Linie die klamme Haushaltslage der Landeshauptstadt. Denn die erwarteten Defizite bewegen sich im sechsstelligen Bereich. Die Verwaltung im Rathaus sieht eigentlich nur eine Chance fürs Seniorenticket: eine landesweite Lösung „möglichst ohne Mehrkosten für die Kieler Verkehrsunternehmen“.

Die Debatte angestoßen hatten die Seniorenbeiräte in Kiel und den Nachbarkreisen Rendsburg-Eckernförde und Plön. „Wenn man die Autos aus der Innenstadt fernhalten möchte, muss man für einen attraktiven öffentlichen Nahverkehr sorgen“, erklärt etwa der Kieler Rainer Glüsing. Der Sprecher der Fachgruppe Ältere Menschen im öffentlichen Verkehrsraum verweist auf Ärzte oder Einkaufsmöglichkeiten, die Senioren zu Fuß kaum erreichen könnten. Und mehr noch: Es geht Glüsing um die Teilnahme der Senioren am öffentlichen Leben. Er versteht die Forderung nach dem Rentner-Rabatt im ÖPNV als als politischen Anreiz, für lebenswerte Städte zu sorgen. Glüsing fügt hinzu: „Überall in der Bundesrepublik funktioniert das Seniorenticket wunderbar.“

Auch die Stadt Kiel muss in ihrer von Oberbürgermeister Ulf Kämpfer unterzeichneten Vorlage einräumen, dass kein deutscher Verkehrsverbund „die Einführung eines Seniorentickets als nachteilig bewertet oder es gar wieder abgeschafft hat“. In ihrer Modellrechnung gehen die Planer von einem 25-Prozent-Rabatt auf das feste Monatsabo aus. Der Tarif würde von bislang 47,92 (siehe Extra-Kasten) auf 35,94 Euro fallen. Dafür dürften die älteren Bus- und Bahn-Nutzer jedoch nicht in den werktäglichen Stoßzeiten unterwegs sein. Die Zeiten von 6 bis 9 Uhr morgens sowie von 16 bis 19 Uhr abends wären tabu.

Diese knapp 12 Euro an Differenz summieren sich rein rechnerisch bei gegenwärtig gut 500 Abo-Kunden über 65 Jahren zu einem Jahres-Fehlbetrag von 381 000 Euro auf. Da aber gleichzeitig mit den attraktiven Preisen neue Kunden hinzukommen dürften, halten die Experten einen Minusbetrag von 200 000 Euro für realistisch. Das jährliche ÖPNV-Defizit würde von 4,1 auf 4,3 Millionen Euro klettern.

Hinzu kommt, dass jede Fahrkarte in Kiel nach einem komplizierten Schlüssel zwischen der KVG, der Schlepp- und Fährgesellschaft Kiel (SFK), der Autokraft, den Verkehrsbetrieben Kreis Plön (VKP) und der Bahn aufgeteilt wird. Diese Tatsache mache eine „Insellösung“ allein für die Stadt Kiel schwierig. Deshalb will man „mit Nachdruck“ dafür sorgen, dass das Thema Seniorenticket auf Landesebene weiter verfolgt wird. Negative Auswirkungen allein für Kieler Betriebe will man ausschließen. Ebenso Signalwirkungen für Schüler und Azubis, denen ÖPNV-Tickets mit nur 17,9 Prozent Abschlag gewährt werden. „Es muss vermieden werden, dass mit dem Seniorenticket der Ruf nach höherer Rabattierung von Schüler-Abos einhergeht.“

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