Ehrung im Rathaus : Sein Mini-Schalter hilft den Kranken

Feierstunde im Ratssaal: Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (l.) und Vize-Stadtpräsident Robert Vollborn (r.) ehrten den Chemiker Rainer Herges.
Feierstunde im Ratssaal: Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (l.) und Vize-Stadtpräsident Robert Vollborn (r.) ehrten den Chemiker Rainer Herges.

Der Chemiker Professor Dr. Rainer Herges erhielt gestern im Rathaus den mit 10 000 Euro dotierten Wissenschaftspreis der Stadt Kiel. Seine Forschungen zum sogenannten „Möbius-Molekül“ eröffnen der Medizin und speziell der Krebsbehandlung ganz neue Möglichkeiten.

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28. Juni 2015, 11:43 Uhr

Oberbürgermeister Ulf Kämpfer musste sich sputen. Kaum war er zurück vom Start des Staffellaufes in Kiels polnische Partnerstadt Gdynia, musste er schnell duschen und in den feinen Anzug schlüpfen. Im Rathaus stand nämlich gestern Vormittag die Verleihung des Wissenschaftspreises auf dem Programm. Ihn vergibt die Stadt im jährlichen Wechsel mit dem Kulturpreis, er ist mit 10  000 Euro dotiert. Neuer Preisträger ist der Chemiker Prof. Dr. Rainer Herges von der von der Christian-Albrechts-Universität (CAU).

Den Preis für hervorragende wissenschaftliche Leistungen überreichte Kämpfer gemeinsam mit dem stellvertretenden Stadtpräsidenten Robert Vollborn im Rahmen einer Sondersitzung der Ratsversammlung. Chemiker Herges (60) gilt als einer der kreativsten und einflussreichsten deutschen Chemiker und Nanowissenschaftler.

Professor Stefan Hecht von der Berliner Humboldt-Universität sagte in der von ihm gehaltenen Laudatio, dass die Stadt Kiel mit Professor Herges, der seit 2001 an der Kieler CAU lehrt und forscht, „ohne Frage einen großen Fang gemacht hat“. Hecht wies auf Herges’ Leistungen für die Universität als auch für die Wissenschaft hin.

Mit der erstmaligen Synthese eines sogenannten „Möbius-Moleküls“ gelang ihm eine Entdeckung mit weitreichenden technologischen und praxisnahen Folgen. Mit dieser Arbeit, die eine Grundannahme in der Chemie widerlegte, fand er Eingang in die Lehr- und Schulbücher. Das Schalter-Molekül kann beim Bau winziger elektromagnetischer Speicher zum Einsatz kommen, etwa in der Medizin bei Operationen oder bei der Erkennung von Tumoren und Metastasen. Deshalb soll künftig im Forschungsbereich „Funktion durch Schalten“ die Zusammenarbeit zwischen Chemikern, Physikern, Medizinern und Materialwissenschaftlern verstärkt werden.  

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