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Seehafen: Schluss mit dicker Luft

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Seehafen investiert zwei Millionen Euro in ein neues Abwassersystem / die Geruchsbelästigung im Schloss hat damit ein Ende

shz.de von
erstellt am 27.Apr.2017 | 18:38 Uhr

Beethoven genießen, ohne sich die Nase zuzuhalten – in Kiel ist das künftig wieder möglich. Knapp zwei Millionen Euro investierte der Seehafen in ein neues Abwassersystem, über das Kreuzfahrtschiffe ihre stinkende Wasserlast entsorgen können. In der Vergangenheit hatte es mehrfach Klagen über Geruchsbelästigungen während der Veranstaltungen gegeben, weil durch den Druck in alten Rohrleitungen ungewollte „Entlüftungen“ ausgerechnet im Konzertsaal aufstiegen.

Pro Kopf fallen auf einem Kreuzfahrtschiff bis zu 200 Liter Abwasser an, bei mehreren tausend Passagieren und entsprechender Besatzung kommen so pro Tag bis zu 700 Kubikmeter Abwasser in den Schiffstanks zusammen. Weil ab dem Jahr 2021 kein Abwasser mehr in die Ostsee entsorgt werden darf, auch nicht nach entsprechender Aufarbeitung in den bordeigenen Kläranlagen, fragen immer öfter Reedereien nach, ob sie die braune Wasserlast in Kiel abgeben können. Bisher konnten nur 30 bis 35 Kubikmeter pro Stunde übernommen werden – zu wenig bei den kurzen Liegezeiten der weißen Riesen. Den ganzen Winter über wurde deshalb am Ostseekai gebuddelt und eine neue Druckwasserleitung zur Abwasser
abgabe verlegt. Zudem wurden unterirdische Tanks als Puffer eingebaut. „Am 16. Juni wird erstmals ein Kreuzfahrtschiff über dieses neue Leitungssystem entsorgt“, kündigte gestern der Sprecher des Seehafen Ulf Jahnke an.

Auch ein anderes Projekt ist inzwischen weit fortgeschritten: die Integration des ehemaligen Orthopädia-Geländes in den Ostuferhafen. Gestern übergab Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) einen Förderbescheid des Landes über 9,9 Millionen Euro. „Wenn es dem Hafen gut geht, geht es Kiel gut, wenn es Kiel gut geht, geht es auch dem Land gut“, wisse er noch aus seiner Zeit als Kieler Oberbürgermeister. Insgesamt hat der Seehafen über 16 Millionen Euro in die Sanierung des vier Hektar großen Areals gesteckt. Deutlich mehr als ursprünglich erwartet. Vor allem die Kriegslasten – es wurden mehr als 8000 Objekte gefunden von der Granate bis zur Bombe – haben die Hafenvorfeld-Erweiterung deutlich verteuert. „Dafür haben wir jetzt den wohl am besten gesiebten Sand in ganz Schleswig-Holstein“, scherzte Hafenchef Dirk Claus. Die zusätzlich erschlossenen Flächen werden inzwischen längst genutzt, vorwiegend für die Lagerung und den Umschlag von Papierprodukten die von SCA-Frachtschiffen zweimal wöchentlich aus Nordschweden angeliefert werden. Von Kiel aus geht es dann bei Bahn oder LKW weiter zu Verarbeitern im gesamten Bundesgebiet.

Der Ostuferhafen wurde seit Mitte der 80er-Jahre bisher in fünf Ausbaustufen erweitert. Jahnke und Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer haben bereits das nächste Projekt im Blick. In unmittelbarer Nachbarschaft des inzwischen auf 42 Hektar gewachsenen Seehafens befindet sich das Gemeinschaftskraftwerk. Das wird im Frühjahr 2018 heruntergefahren und stillgelegt, weil dann das neue Gasturbinenkraftwerk seinen Betrieb aufnimmt.

Seehafenchef und Stadt haben längst ein Auge auf dieses frei werdende Grundstück geworfen. „Das ist für Jahre die letzte Chance den Hafen strategisch weiterzuentwickeln“, erklärte Oberbürgermeister Ulf Kämpfer. Auch dieses Vorhaben werde sicher teuer wegen der Sonderlasten durch Kampfmittel, „wir sind aber guten Mutes, auch diese ganz dicke Nummer wuppen zu können“, sagte Kämpfer. Laut Albig ist es ein gutes Zeichen, wenn die vorhandenen Kapazitäten nicht mehr reichen. Das bedeute, dass es dem Hafen blendend gehe – sowohl als Kreuzfahrthafen, aber vor allem als Umschlaghafen für Waren aus Skandinavien und dem Baltikum.

Der Kauf des Orthopädia-Geländes im Jahre 2006, auf dem Höhepunkt der Finanzkrise, sei der richtige Schritt in die Zukunft gewesen. Durch die Erweiterung des Ostuferhafens wurden 75 zusätzliche Arbeitsplätze am Standort geschaffen. Insgesamt sind damit 425 Personen dort beschäftigt.

Und wenn es nach dem Willen der Stadt geht, ist das noch nicht das Ende.




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