Prozess : Sechseinhalb Jahre Haft für brutalen Überfall auf Gaardener Juwelier – für das Opfer zu wenig

Das Kieler Landgericht verurteilte gestern einen Angeklagten wegen  besonders schweren Raubes in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung zu sechseinhalb Jahren Haft verurteilt.
Das Kieler Landgericht verurteilte gestern einen Angeklagten wegen besonders schweren Raubes in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung zu sechseinhalb Jahren Haft verurteilt.

Elmir N. wurde gestern wegen besonders schweren Raubes in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung zu sechseinhalb Jahren Haft verurteilt. Für das Opfer ist diese Strafe „zu niedrig“. Er musste seine komplette Existenz aufgeben, leidet noch heute psychisch.

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18. März 2014, 05:01 Uhr

Der 27. April 2013 veränderte sein Leben: Turan Koç (53), angesehener Geschäftsmann, wurde in seinem Juwelierladen überfallen, mit einer Pistole mehrfach schwer auf seinen Kopf eingeschlagen (wir berichteten).

Das Kieler Landgericht verurteilte Elmir N. (25) gestern dafür wegen besonders schweren Raubes in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung zu sechseinhalb Jahren Haft und einer Zahlung von weiteren 9000 Euro Schmerzensgeld, 3000 Euro wurden kurz vor Verhandlungsende überwiesen. Für Koç und seinen Anwalt Atilla Aykaç ist die Strafe „zu niedrig“. Aykaç: „Laut Gericht liege eine schwere Misshandlung hier nicht vor. Da frage ich mich, was muss denn noch schwereres passieren, als es ihm passiert ist?“ Nach Angaben von Prozessbeteiligten hat Turan Koç Glück, dass er überhaupt noch lebt. Mit 30 Stichen wurden die zahlreichen Wunden an seinem Kopf genäht. Noch heute ist er in therapeutischer Behandlung. Arbeiten gehen kann er nicht. Seinen Laden, die wirtschaftliche Existenz der Familie, musste er aufgeben. Koç : „Ich bin heute nicht mehr der Mensch, der ich einmal war.“ Er war sozial engagiert, auf vielen Veranstaltungen, auch im Aufsichtsrat des Türkischen Arbeitgeberbundes Kiel aktiv. „Aber momentan habe ich dazu einfach leider keine Kraft mehr“, erzählt der Familienvater. Seine Befürchtung: „Das Signal an ihn und alle, die so etwas schlimmes vorhaben – ‚Ihr kriegt nur sechseinhalb Jahre‘.“ Das sei nicht einmal die Hälfte, bei einem Strafmaß zwischen fünf und 15 Jahren.

Das Gericht hielt dem angeklagten Albaner zugute, dass er geständig war und Reue gezeigt habe. Letzteres geschah allerdings erst in den letzten Verhandlungstagen. Koç: „Ich hätte mir gewünscht, dass er am ersten Tag aufsteht, sich zu seinen Taten bekennt, mir in die Augen schaut und sich entschuldigt und nicht erst, wenn es ihm sein Anwalt sagt.“

Auch wich das Geständnis von den Schilderungen des Opfers ab. Der Angeklagte gab sogar an, dass nicht er das Opfer so zugerichtet habe, sondern sein noch flüchtiger Kompagnon, nach dem derzeit gefahndet wird. Er habe die Hände schützend über ihn gehalten. Ebenfalls zu seinen Gunsten nahm das Gericht an, dass es sich bei der Tatwaffe um eine Attrappe gehandelt habe, da ihm das Gegenteil nicht bewiesen werden konnte. Der Richter abschließend: „Es ist kein Prozess, der die Beteiligten geschäftsmäßig kühl gelassen hat. Ich wünsche Ihnen beiden, dass sie die Folgen der Tat überwinden werden

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