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Stadtgeschichte : „Schwimmendes Bügeleisen“ wird 80 Jahre alt

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ein Stück Kieler Stadtgeschichte feiert morgen Geburtstag: Das Salonmotorschiff MS „Stadt Kiel“ wird 80 Jahre. Dank des Fördervereins kutschiert das Schiff und technische Kulturdenkmal jedes Jahr Touristen über die Förde – ab Liegeplatz Schifffahrtsmuseum.

Das vielen Kielern bekannte Salonmotorschiff „Stadt Kiel“ verkörpert als schwimmendes technisches Kulturdenkmal ein Stück maritimer Kieler Stadtgeschichte und ist eines der wenigen noch fahrenden Wahrzeichen für Kiels Schiffbautradition. Wenn das „schwimmende Bügeleisen“, wie spitze Zungen es auch nennen, nicht gerade unterwegs ist, liegt es direkt gegenüber des Schifffahrtsmuseums.

Es ist ein Schiff mit vielen Leben, wie der Förderverein schreibt: Es entstand unter der Baunummer 532 auf der damaligen Germaniawerft gegenüber dem Bahnhofskai. Ab 1934 wurde das Schiff zunächst als Fördedampfer im Linienverkehr zwischen den Orten an der Kieler Förde eingesetzt, lag dann 1943 nach einem Bombentreffer als Wrack auf dem Grund des Kieler Hafens, von wo es umgehend gehoben und in Svendborg (Dänemark) nach langwierigen Arbeiten wieder zu einem ordentlichen Schiff zurecht gebogen wurde. Nach Kriegsende gelang es den Engländern die „Stadt Kiel“ zurückzuholen, um sie erneut im Linienverkehr auf der Kieler Förde und für Jugenderholungsfahrten zum Falckensteiner Strand einzusetzen. 30 Jahre lang fuhr sie zuverlässig im Personenverkehr und in der allseits beliebten Butterfahrt der KVAG, bis sie 1976 außer Dienst gestellt wurde.

Sie begann ein neues Leben als Taucherplattform für ein bekanntes Taucherunternehmen in Schleswig-Holstein. Dann diente sie als Hausboot für Marianne Bachmeier in Lübeck. Dort sollte das Schiff endgültig verschrottet werden, wie Heinrich Möller erzählt. Aber enthusiastische Schiffsliebhaber, wie Werner von Unruh und andere Kieler haben sich für die Rettung eines Stückes Kieler Stadtgeschichte zusammengetan und sie vom Verschrotter für einen Euro überlassen bekommen. Der Förderverein verhalf der „alten Lady“, wie sie von den jetzt rund 50 aktiven Ehrenamtlern liebevoll genannt wird, unter Mithilfe des Vereins „Jugend in Arbeit“ in Hamburg zu einer Auffrischungskur und zu einem glanzvollen Comeback als Museumsschiff auf der Kieler Förde. Und, das betont Möller: „Die ‚Stadt Kiel‘ ist als Denkmal in die Denkmalrolle eingetragen.“

Der Förderverein MS „Stadt Kiel“ erhält und betreibt dieses einmalige Kieler Kulturdenkmal seit nunmehr 30 Jahren in aktiver Fahrt mit Empfängen, Incentivfahrten zu allen Anlässen für Firmen, Verbänden und Vereine, Hochzeiten, Familienfeiern, Lesungen, Musikabende, Vorträge, Weihnachtsfeiern, Regattabegleitfahrten zur Kieler Woche und zur Ostseewoche vor Rostock, Fahrten nach Flensburg und zur Travemünder Woche. Von diesen Chartern lebt das Schiff – und natürlich von den aktiven Vereinsmitgliedern, die ihrer Arbeit an Bord ehrenamtlich nachkommen; das gilt für die Kapitäne im Ruderhaus bis hinunter zu den Maschinisten, die selbstverständlich alle über das jeweils erforderliche Patent verfügen.

Jedes Jahr zu Winterbeginn verlässt das Museumsschiff die Kieler Förde, um in einer Rendsburger Werft aus dem Wasser geholt, inspiziert und in jeder Hinsicht „auf Vordermann“ gebracht zu werden. Für die dabei mithelfenden Vereinsmitglieder kommen jedes Mal rund 1200 Arbeitsstunden zusammen. General überholt und vom Germanischen Lloyd (dem Schiffs-TÜV) abgenommen kommt die MS Stadt Kiel dann im Frühjahr wieder an ihren angestammten Platz zurück – bereit, den Namen und das Wappen der Landeshauptstadt mit Stolz über die Ostsee zu tragen. Gefeiert wird morgen ab 10 Uhr am Anleger.


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erstellt am 15.Mai.2014 | 04:55 Uhr

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