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Schwimmende Bühne : Schwierige Planung für Theaterschiff in Kiel

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ein Bremer Theatermann will eine schwimmende Bühne für Kiel anbieten – und kommt nicht weiter. Schwierigkeiten gibt es bei der Suche nach einem passenden Liegeplatz. Er findet: „Die Stadt tut sich schwer“.

shz.de von
erstellt am 17.Nov.2014 | 05:57 Uhr

Kiel | Knut Schakinnis ist ein Macher. Ein Theatermacher, um genau zu sein. Aber auch einer, der die Dinge gern in die Hand nimmt. Wenn so ein Mann auf eine zögernde Verwaltung trifft, dann passiert erst einmal: Nicht viel. Es wird geredet. Viel geredet. Es werden Fragen gestellt. Viele Fragen. Die sind durchaus berechtigt. Doch das bedeutet auch: Das Theaterschiff, das Schakinnis in Kiel plant, seit mehr als einem Jahr, das gibt es vorerst nur in seinen Plänen.

Darum geht’s: An der Hörn möchte der Bremer Kultur- und Geschäftsmann gern einen Ponton mit einem Glasbau errichten oder ein Schiff verankern. Dafür will er 1,2 Millionen Euro in die Hand nehmen. Er hat einen Bezug zur Stadt – sein Bruder lebt dort, er selbst hat in jungen Jahren auf einer Werft gejobbt. Ab der Spielsaison 2016/2017 könnten im Hafen auf einer schwimmenden Bühne Stücke aus dem Unterhaltungstheater aufgeführt werden. Kein Shakespeare, kein Schiller: „Ich bin der Gaukler und Trommler“, beschreibt sich der Mann selbst – „aber auf hohem Niveau.“ Schakinnis denkt für sein Zielpublikum, junge bis reife Erwachsene, an moderne Produktionen. Eine Bühnenadaption der Schweighöfer-Komödie „Rubbeldiekatz“ beispielsweise oder des Kinoerfolgs „Ziemlich beste Freunde“. Es könnte eine Wechseljahresrevue geben, ein Stück über Migranten: „Themen, die frisch sind“. Gäste will er anlocken, die sonst nicht ins Theater gehen.

Es ist nicht so, dass der Bremer so eine schwimmende Bühne zum ersten Mal aufziehen will. Er betreibt sechs private Theater in Deutschland, etwa das Theaterschiff in Lübeck. Dort hatte Schakinnis, ausgebildeter Schauspieler, ein zweijähriges Engagement am Stadttheater. Lange her. Schakinnis ist 59 Jahre alt, noch immer steht er auch gern auf einer seiner eigenen Bühnen. Aber er fungiert nun stärker als Geschäftsmann. Die Nordsee-Zeitung beschreibt den Sohn eines Schlossers als „Selfmade-Millionär mit einem kleinen Theaterimperium“.

Es begann 2002 mit dem Theaterschiff Bremen. Dazu kamen die Alte Molkerei Worpswede, die Komödie Bielefeld, die Komödie Kassel, das Lübecker Theaterschiff und das Bremer Packhaustheater. Die Produktionen samt Schauspielern, das ist sein Erfolgs- und Sparmodell, rotieren. Die Bühnen kaufen sich die Stücke gegenseitig ab. Schakinnis’ Ansatz: Je mehr Häuser, desto geringer das finanzielle Risiko für die einzelnen Betriebe. Deren Erfolg soll die neuen, noch defizitären Betriebe in der Anfangsphase über Wasser halten soll. Einen Schönheitsfehler gibt es: Knapp ein Jahr nach der Eröffnung eines kleinen Theaters in Oststeinbek bei Hamburg erlitt Schakinnis 2009 damit finanziell Schiffbruch, meldete Insolvenz an.

In Kiel stagniert sein Projekt. Das liegt auch an den Behörden. „Grundsätzlich begleiten wir den Plan positiv und wohlwollend“, beteuert der städtische Kulturreferent Rainer Pasternak. Die Fragen, die die Stadtverwaltung hat, drehen sich um lösbare Herausforderungen wie Abwasser- und Stromanschlüsse, aber auch den Überschwemmungsschutz, ganz besonders aber den Liegeplatz, erklärt Pasternak. Es gebe wenig Raum. Das Ostufer falle wegen der Gewerbeflächen weg, und die angepeilte Länge des Schiffs – fast 100 Meter – passt auf dem Westufer nur an wenige Stellen. Dort, wo Knut Schakinnis hin will, da will ihn die Stadt nicht haben. An der Hörn in Bahnhofsnähe. Die Nutzung dort stehe noch nicht ganz fest, so das Argument. Es gibt alternative Angebote, aber Schakinnis ist unsicher, ob es sich dort rentiert. Gegenüber vom Schloss etwa, am Ostseekai. Mehrmals kam der Bremer an die Förde, um zu beobachten, wie belebt es dort ist.

In Lübeck hatte Schakinnis Glück. Da wollte ihm die Stadt auch erst nicht seinen Wunschplatz Holstenhafen geben. Er erhielt eine andere Fläche. Mit mäßigem Erfolg, nach Auskunft seines Pressesprechers. Dann tat sich am Holstenhafen eine Lücke auf, und seitdem ankert dort das Schiff. Die Vorstellungen seien oft ausverkauft, betont der Sprecher.

Schakinnis selbst meint: „Wenn eine Kommune will, dann gibt es den Entschluss, man setzt sich zusammen und es läuft.“ Schleppend läuft es aus Sicht des Investors an der Förde. „Die Stadt tut sich schon schwer“, findet Schakinnis, „da traut sich keiner aus der Reserve raus.“ Von „Pontius bis Pilatus“ sei er bereits gelaufen, „sehr ermüdend“, zuletzt traf er sich mit dem Hafenkapitän. Er habe durchaus auch behördlichen Gegenwind gespürt, erzählt der 59-Jährige. Motto: So ein Schiff nimmt die Sicht aufs Wasser.

Der Bremer bleibt indes optimistisch. Gute Berater hat er im Team des Kieler Lore & Lay Theaters gefunden. Es hat jahrelang im Wasserturm gespielt. Doch dort entstehen Luxuswohnungen. Nun weicht das Theater auf die „Pumpe“ und eine Schule aus. „Ich habe gute Gespräche geführt“, sagt Schakinnis, „wir denken über eine gemeinsame Nutzung des Schiffs nach“. Es gebe Synergien und ähnliche Zielgruppen. Knut Schakinnis sucht jetzt passende Objekte: „Ich gucke in alle Richtungen.“

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