zur Navigation springen
Kiel

17. Oktober 2017 | 12:20 Uhr

Schweißtreibende Blüten-Show

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Kieler Titanenwurz blüht zum dritten Mal nach 2012 und 2014 auf / Leiter des Botanischen Gartens: „Die Blume ist die größte, die wir je hatten“

shz.de von
erstellt am 02.Jun.2016 | 05:51 Uhr

Sind es nun die vielen Fragen der Besucher oder das tropische Klima im Victoria-Haus des Botanischen Gartens, die Kustos Martin Nickol (kl. Foto) die Schweißperlen auf die Stirn treiben? Vermutlich eher letzteres. Bei 25 Grad Celsius und 95 Prozent Luftfeuchtigkeit wird die große Kieler Blüten-Show von Amorphophallus titanum zum Dampfsauna-Erlebnis, das Brillengläser und Kameralinsen beschlagen lässt. Auch der Geruchssinn wird stark in Anspruch genommen: Wer in die Nähe der imposanten, mindestens 2,20 Meter hohen Titanenwurz kommt, der nimmt auch ihren süßlich-fauligen, schweren Gestank mit jedem Atemzug in sich auf.

Nickol jedenfalls, Bewunderer der größten Blume der Welt, blüht parallel zur prallen Titanenwurz an diesem Tag ebenfalls richtig auf. Zusammen mit einem Team von Gärtnern erläutert er geduldig die seltene und nur drei Tage anhaltende Blüte. Die Pflanze ist eigentlich in den Regenwäldern Sumatras heimisch, wird aber durch Kaffeeplantagen bedroht. „Die kann ich doch nicht einfach kaputt gehen lassen!“, sagt Nickol, der das Gewächs zusammen mit einem Gärtner-Team hegt und pflegt.

Immer wieder klicken Kameras, als Biologie-Studentinnen aus dem 2. Semester sich der Riesen-Blume nähern und Proben nehmen. Mit Hilfe von Silikonmasse fertigen sie „Abdrücke“ von der Oberfläche des spargelartigen, gelbgrünen Kolbens und von Innen- und Außenseite des ausladenden Hochblatts. Diese wollen sie später per Elektronenmikroskop untersuchen. Damit versuchen Sophie Schindler (20) und Kristin Möding (21) der beeindruckenden, 20 Jahre alten Erscheinung auch wissenschaftlich näher zu kommen. Sie überprüfen auch die Duftmoleküle in der Luft und messen „Fieber“ im Kolben – er kann bis zu 15 Grad Celsius heißer werden als die Umgebung. Am Vormittag messen die beiden Studentinnen 37,5 Grad Celsius.

Den meisten Besuchern reicht es, schlicht die Pracht der Titanenwurz zu erleben. Dietlinde Dorau aus Kiel hat von der bevorstehenden Blüte in der Zeitung gelesen. Nun steht sie direkt davor: „Ist schon gigantisch und überwältigend, wenn man so etwas in natura sieht. Der Besuch hat sich gelohnt.“



Öffnungszeiten: Am heutigen Donnerstag hat der Botanische Garten der Uni Kiel (Am Botanischen Garten 1-9, Tel: 0431/ 880 42 76) ab 9 Uhr und mindestens bis 17.30 Uhr geöffnet. Eintritt kostet für Erwachsene 3 Euro, Schüler und Studenten zahlen 2    Euro, Kinder bis 14 Jahren haben freien Eintritt. Eine Webcam für die Titanenwurz gibt es im Internet auch:
http://www.uni-kiel.de/nickol/Garten/titancam.html.


Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen