OstuferhaFEN : Schwedische Papierstrategen

Wertvolle Fracht aus Schweden: Aus dem Bauch der „SCA Östrand“ heraus werden die Papierballen in die Lagerhallen am Ostuferhafen transportiert.  Carstens (2)
Wertvolle Fracht aus Schweden: Aus dem Bauch der „SCA Östrand“ heraus werden die Papierballen in die Lagerhallen am Ostuferhafen transportiert. Carstens (2)

Der Konzern SCA, mit seiner Logistiktochter seit 2016 in Kiel ansässig, begrüßte den 500. Frachter am Kanal und im Ostuferhafen. Jährlich schlägt SCA Logistics rund 800 000 Tonnen Papier an der Förde um, nicht umsonst ist SCA der größte Waldbesitzer in Europa.

shz.de von
07. Januar 2019, 19:06 Uhr



Der Umzug hat sich bewährt. Die Logistik-Tochter des schwedischen Konzerns SCA (Schwedische Zellulose Aktiengesellschaft) hatte ihr deutsches Auslandsbüro zunächst in Hamburg eröffnet und war später nach Lübeck gewechselt. Vor gut zwei Jahren verlegte SCA Logistics seinen Standort dann zum Ostuferhafen an der Kieler Förde. Das Geschäft mit dem Rohstoff Papier läuft seitdem so gut, dass mittlerweile das 500. Schiff an den Kanalschleusen in Holtenau oder am Ostuferhafen abgefertigt wurde. Seit gestern hängt das eigene SCA-Logo am Kaikran. „Damit ist es weithin für alle Menschen sichtbar“, freute sich SCA-Logistics-Chef Jörn Grage.

Kiel hat sich neben den Großhäfen in Rotterdam und London als dritte Niederlassung außerhalb Schwedens einen Namen gemacht. Zweimal in der Woche, sonnabends und montags, machen die SCA-Schiffe für ein paar Stunden am Kai des Ostuferhafens fest, um ihre Ladung zu löschen. Rund 800 000 Tonnen Papier werden auf dem Ostufer jährlich umgeschlagen, das schwedische Zellulose-Produkt wird benötigt für Tageszeitungen und Magazine, für Verpackungen und Hygieneprodukte. SCA Logistics beschäftigt am Kieler Standort heute 70 Mitarbeiter und hat damit die Belegschaft seit 2016 verdoppelt.

SCA gilt als der größte Waldeigentümer in ganz Europa. Die Forste in Nordschweden erstrecken sich über 2,6 Millionen Hektar, was 26 000 Quadratkilometern entspricht. Exportiert werden vor allem Holzprodukte, Zellstoffe sowie Papier für Druck und Verpackung. Angesichts dieser großen Menge legt SCA großen Wert auf den zügigen (Weiter-)Transport. Mit Erleichterung hat das Unternehmen deshalb auf die dreispurige Freigabe der A 7 bis Hamburg reagiert, wird doch der größte Teil der schwedischen Papierberge weiterhin auf Lastwagen gesetzt.

Doch die Debatte um hohe Stickoxid-Werte und drohende Diesel-Fahrverbote in Kiel ist auch SCA Logistics nicht entgangen. Offiziell hieß es gestern: „Bahnseitig fühlt sich SCA in Kiel gut aufgestellt. Das Terminal auf dem Gelände ist eine Stärke für die Zukunft.“

Das empfindet Oberbürgermeister Ulf Kämpfer ähnlich. „So wünschen es sich die Logistiker: Die Autobahn ist fertig. Und die Schleusen werden fertig.“ Kämpfer fügte mit Blick auf die voraussichtliche Wiederherstellung der Kleinen Schleusen im Jahre 2030 listig hinzu: „Wir brauchen nur noch etwas Geduld.“ Für ihn selbst war die Enthüllung des SCA-Krans eine persönliche Genugtuung, standen doch die „Geheimgespräche“ um den geplanten SCA-Umzug nach Kiel gleich am Anfang seiner Amtszeit als Oberbürgermeister im Frühjahr 2014. Gemeinsam mit Jörn Grage, dem SCA-Präsidenten Magnus Svensson sowie Hafenchef Dirk Claus entfaltete er mit Hilfe zweiter langen Leinen die neue Aufschrift am Kaikran. „SCA Terminal Kiel“ ist seit dort gestern 15 Uhr zu lesen.

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