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Kurioser Strassenname : „Schröpfecke“ führte zum Finanzamt

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

1964 erhielt die Zufahrtstraße diesen umstrittenen Namen - der Vorschlag ging auf eine Idee des damaligen Amtsleiters zurück.

shz.de von
erstellt am 30.Mär.2016 | 06:04 Uhr

Ist es lustig, eine Zufahrtstraße zum Finanzamt „Schröpfecke“ zu nennen? Einige Ratsleute in Kiel sahen die humorvolle Seite dieses Namens, der laut Kieler Straßenlexikon im Volksmund entstanden ist – ähnlich wie die „Beamtenlaufbahn“. Andere Kommunalpolitiker wiederum fanden den Namen unangemessen. Übrigens dieselben Ratsleute, die auch schon gegen die „Verunglimpfung des Beamtentums“ gewettert hatten. Da es die „Schröpfecke“ heute noch nahe Hauptbahnhof gibt, ist klar, wer am 22. Oktober 1964 in der Ratsversammlung gewonnen hat: Die humorvollen Ratsleute hatten die Mehrheit.

Aus der Straßenbenennungsakte geht die Entwicklung des umstrittenen Straßennamens hervor. Ende August 1964 befand die Kieler Stadtverwaltung die Notwendigkeit einer Bezeichnung für die Straße. Der nüchterne Vorschlag: „Lehmbrook“, eine alte Flurbezeichnung. „Der Vorschlag fand keinen Anklang“, heißt es dazu in der Akte. Stattdessen sollte der Leiter des Finanzamtes und Ratsherr Sichelschmidt Vorschläge für Namen unterbreiten – mit Bezug zum Finanz- und Steuerwesen. Seine Idee: „Schröpfweg“.

In einer Besprechung am 30. September 1964 sprachen sich die Ratsherren Heinz Lüdemann (SPD) und Jacob Schäfer (CDU) dafür aus, die Straße „Schröpfecke“ zu nennen. Im Bauausschuss kurz danach wurde dies einstimmig beschlossen. Protest gab es laut Protokoll in der Magistratssitzung vom 14. Oktober: „Stadtrat (Günther) Schubert und Stadtrat (Reinhold) Borchert halten die Bezeichnung nicht für sehr angebracht, da man Humor nicht auf Kosten anderer betreiben sollte“. Die Ratsversammlung stimmte für die Straßenbenennung.

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