Kiel: Alter Botanischer Garten : Schritt für Schritt zum neuen Topfhaus

Kämpfen gemeinsam für das Topfhaus: (v.li.) Günter Horstmann, Winfried Rusch, Klaus Ripken,Florian Blömer, Edda Hinrichsen und Dirk Salehi-Jens.
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Kämpfen gemeinsam für das Topfhaus: (v.li.) Günter Horstmann, Winfried Rusch, Klaus Ripken,Florian Blömer, Edda Hinrichsen und Dirk Salehi-Jens.

Das kaiserzeitliche Gebäude war fast vergessen. 25 000 Euro von Nordwestlotto ermöglichen jetzt weitere Sanierungsmaßnahmen.

shz.de von
20. Juni 2017, 12:48 Uhr

Das Topfhaus im Alten Botanischen Garten nimmt langsam Gestalt an. Nachdem seit dem vergangenen Jahr große Flächen des Sichtmauerwerks des Gebäudes ebenso wie das gesamte Dach, die Fenster und die Kasematten erneuert wurden, ging es in den vergangenen Monaten Hausschwamm, Nagekäfer und Schimmelpilzen an den Kragen. „Um das Haus hat sich zehn Jahre lang niemand gekümmert“, erklärt Architekt Dirk Salehi-Jens. Die Folge: „Durch das kaputte Dach regnete es permanent herein, sodass sich der Hausschwamm überall ins Mauerwerk gefressen hat.“ Mit dem neuen Dach und dem Einsatz von Schwammsperrmittel hat der Pilz nun keine Chance mehr.

Mit Fördermitteln der Denkmalpflege und des Kultur-Ministeriums des Landes finanzierte die mittlerweile gegründete „Topfhaus-Stiftung“ die Sanierung und denkmalgerechte Wiederherstellung des 1885 errichteten Topfhauses mit bisher 430  000 Euro. Dank 50  000 Euro aus Eigenmitteln, weiteren 50  000 Euro vom Landesamt für Denkmalpflege und 25  000 Euro von Nordwestlotto Schleswig-Holstein verbleiben 125  000 Euro für den aktuellen Sanierungsabschnitt.

„Ich habe einen hervorragenden Eindruck“, sagte Florian Blömer von Nordwestlotto jetzt bei der Scheckübergabe und einem Rundgang durch das kaiserzeitliche Bauwerk. „Es geht gut voran, aber es ist noch viel zu tun, die Stiftung braucht dringend mehr Geld“, so Blömer.

Der aktuelle Bauabschnitt umfasst unter anderem die Sanierung des Schornsteins und des Umtopfraumes. Dieser ist für Architekt Salehi-Jens „historisch besonders wertvoll“ dank seiner Galerie-Ebene und dem gut erhaltenen historischen Ziegelboden. Dieser soll neu verfugt und geölt künftig für den besonderen Glanz im Raum sorgen. „Es wird hier sehr stimmungsvoll werden.“ Aber auch der Schornstein des Topfhauses ist für Salehi-Jens bemerkenswert, handele es sich dabei doch um eine kunstvolle Ziegel-Reliefarbeit, die sich nach oben zu einem Achteck verjüngt. „Da steckt richtig Arbeit drin.“ Mit dem denkmalgeschützten Pavillon – der schmiedeeisernen „Krone“ Kiels – in direkter Nachbarschaft zum Topfhaus steht aus Sicht des Architekten „hier die Maurer- und dort die Schmiedekunst. Es ist toll“.

Wann die Arbeiten am Gebäude beendet sein werden, ist nicht absehbar, sagte Winfried Rusch von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz: . „Wir müssen gucken, dass wir von Jahr zu Jahr neue Mittel akquirieren.“ Edda Hinrichsen vom Verein zur Erhaltung und Förderung des Alten Botanischen Gartens ist zuversichtlich: „Wir schaffen das.“ Zukünftig soll das Topfhaus den Kielern zugute kommen. „Wir wollen eine vernünftige Nutzung“, so Hinrichsen. Bis dahin gilt es allerdings, betont Grünflächenamtschef Günter Horstmann, noch einige formale – bauordnungsrechtliche – Hürden zu überwinden.

Das Topfhaus war ursprünglich Teil einer großen Gewächshausanlage und diente nicht nur den Umtopfungen für den Botanischen Garten, sondern auch dem Bewässern und Beheizen der angegliederten Gewächshäuser. Später nutzte die Universität das Haus als Nebengebäude, in den 80er Jahren sollen hier Tierversuche durchgeführt worden sein. Nachdem das Topfhaus anschließend jahrelang leer stand, erwarb der Verein zur Erhaltung und Förderung des Alten Botanischen Gartens das Grundstück inklusive Bauwerk für einen Euro und kämpft seit fast zwei Jahren für dessen Instandsetzung. „Wenn man den Verfall der letzten Jahre betrachtet, wäre es nur eine Frage der Zeit gewesen bis das Topfhaus von der Uni weggeschoben worden wäre“, ist Vereinsmitglied Klaus Ripken überzeugt.

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