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KiWo-Programm 2017 : Selbstversuch „House Running“: Die Kieler Woche aus einer anderen Perspektive

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

„House Running“ am Atlantic-Hotel: Andrea Lange wagt den Selbstversuch und läuft die 25 Meter hohe Fassade herunter.

shz.de von
erstellt am 19.Jun.2017 | 10:20 Uhr

„Oh Gott, oh Gott!!!“ – Die verzweifelten Schreie der jungen Frau sind das Erste, was mich begrüßt, als ich das Atlantic-Hotel erreiche. „Ich will hier runter!“ höre ich. Beim Blick gen Himmel erkenne ich die missliche Lage: An einem Seil hängt oder vielmehr steht die junge Frau an der Fassade des Hotels – in schwindelerregender Höhe, noch dazu mit dem Gesicht Richtung Backsteinpflaster unter ihr. Mit wackeligen Beinen arbeitet sie sich Schritt für Schritt weiter nach unten. Es ist ein Kampf für sie, bis sie wieder festen Boden unter den Füßen hat und ihr die Erleichterung ins Gesicht geschrieben steht.

Langsam wird auch mir mulmig zumute. Dabei klang das „House Running“, wie es der Veranstalter – der Hochseilgarten Eckernförde – zur Kieler Woche anbietet, eigentlich recht amüsant. Umso mehr frage ich mich, ob das eine gute Entscheidung war. Sebastian Borowski, der am Ende der Halteleine für die Absicherung am Boden zuständig war, begrüßt mich mit breitem Lächeln und geleitet mich mit dem Fahrstuhl in den siebten Stock des Hotels – auf die Dachterrasse mit Blick auf den Hauptbahnhof und die Zelte und Buden der Kieler Woche.

Von hier oben aus soll ich in wenigen Minuten wie Tom Cruise in Mission Impossible an der 25 Meter hohen Außenwand hinabgehen, Aug' in Aug' mit dem schier endlosen Abgrund.

Henning Rohweder als Inhaber des Hochseilgartens kümmert sich gemeinsam mit Mitarbeiter Franz Potreck um meine Verzurrung in das Klettergeschirr. Ich bin am Rücken über mehrere Karabinerhaken und Seile mit beiden Männern und einem zusätzlichen Sicherungsmechanismus verbunden. „Du bestimmst allein das Tempo, es kann nichts passieren“, versuchen sie meine Nervosität zu mildern. Leider ohne Erfolg, denn der Blick hinab in die Tiefe wenige Sekunden zuvor war ausgesprochen eindrücklich.

<p><span class=Kiel | Bevor es ernst wird, gibt es eine Trockenübung.

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Bevor es ernst wird, gibt es eine Trockenübung.

Foto: Andrea Lange
 

Nach einer Trockenübung mit festem Boden unter den Füßen, bei der ich Vertrauen zum Geschirr aufbauen soll, geht’s los. Während ich über die Balustrade der Dachterrasse steige und die Menschen im Miniformat unter mir erblicke, versuche ich gedanklich durchzuspielen, bis zu welcher Höhe ich es schaffen muss, um bei einem Absturz noch glimpflich, also mit ein paar harmlosen Knochenbrüchen, davonzukommen. Die Antworten in meinem Kopf gefielen mir ganz und gar nicht.

Henning steht neben mir auf der schmalen Dachkante und versichert mir nochmals, dass nichts schiefgehen kann. Also fasse ich Vertrauen, schalte für einen Moment meinen Kopf aus und lasse mich – während ich mich an mein Halteseil klammere wie an den allerletzten Strohhalm – ganz langsam nach vorne kippen, während mir das Herz bis zum Hals schlägt. Ich spüre ich den Zug des Geschirrs in meinem Rücken und an den Beinen, der verhindert, dass ich unkontrolliert nach vorne falle. Dieses Gefühl gibt mir Sicherheit, also verlagere ich meinen Schwerpunkt weiter nach vorn: Mein Blick wandert vom strahlend blauen Himmel über die Uhr am Portal des Hauptbahnhofs, auf die parkenden Taxis und die Bühne, die Straße.

<p>Schritt für Schritt geht es bergab.</p>

Schritt für Schritt geht es bergab.

Foto: Andrea Lange
 

Und plötzlich sehe ich die winzig kleinen Menschen, die fassungslos zu mir heraufblicken. Ich stehe außen an der Hausfassade im siebten Stock! Ich höre Henning hinter mir. Er erklärt mir, was ich tun muss, um die Fassade hinabzugehen. Also löse ich den Griff am Halteseil, mein Oberkörper gleitet automatisch langsam ein Stückchen abwärts. Dann einen Fuß nachziehen. Der erste Schritt ist gemacht. Wieder den Griff lösen, ich kippe ein Stück weiter abwärts, einen Schritt nach vorn. Ich gewöhne h mich an das Prinzip. Die Menschen unter mir werden Schritt für Schritt größer, ganz langsam macht das House Running richtig Spaß. Ich wage auf meinem Weg nach unten sogar ein paar kleine Hüpfer. Als ich wieder festen Boden unter den Füßen habe, bin ich stolz: Das Atlantic-Hotel ist bezwungen!

<p>Geschafft: Andrea Lange hat wieder festen Boden unter den Füßen.</p>

Geschafft: Andrea Lange hat wieder festen Boden unter den Füßen.

Foto: Andrea Lange
 

Wer Lust auf das House Running hat, kann von Donnerstag, 22. Juni, bis Sonntag, 25. Juni, jeweils 12 bis 16 Uhr mitmachen. Der Lauf kostet 54 Euro pro Person, 8 Euro vom Startgeld kommen dem Verein „Inka – Kieler Initiative gegen Kinderarmut“ zu Gute. Anmeldung unter Tel. 04351/667 333.

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