Unikat aus Kiel-Gaarden : „Schorsch“ – der erste Elektro-Trabi in SH

Einmalig in Kiel: Marcel Tribbensee, Kai Schulz (v.r.) und Ziya Özcan (l.) arbeiteten gemeinsam mit Fachlehrer Werner Geppert (2.v.l.) und dem Fachschulleiter  Guido Frevert am E-Trabanten.
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Einmalig in Kiel: Marcel Tribbensee, Kai Schulz (v.r.) und Ziya Özcan (l.) arbeiteten gemeinsam mit Fachlehrer Werner Geppert (2.v.l.) und dem Fachschulleiter Guido Frevert am E-Trabanten.

20 Schüler des RBZ Technik in Kiel-Gaarden machten aus einem Zweitakter ein Elektromobil. Sobald kleine technische Mängel behoben sind, wird der E-Trabant zugelassen. Nur das Knattern fehlt.

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18. März 2014, 05:07 Uhr

Ein Blick unter die Haube verrät: Dieser Trabi ist anders, als seine Zeitgenossen. Dann rollt er davon – ohne das unverkennbare Knattern und den – zumindest bei Ostdeutschen – beliebten Duft. „Schorsch“, wie ihn Guido Frevert liebevoll genannt hat, ist etwas ganz Besonderes: Er ist der einzige Elektro-Trabant in Kiel, vermutlich sogar in ganz Schleswig-Holstein.

Wie kam es dazu? „Schorsch“’s Geschichte beginnt auf einem Zeltplatz an der Mecklenburgischen Kleinseenplatte. Guido Frevert fährt seit Jahren dort hin, um Urlaub zu machen und sah eines Tages den blauen, optisch guterhaltenen Trabi dort stehen. Der Besitzer wollte ihn sich selbst aufbauen, hieß es. Dreimal fragte er in folgenden Urlauben immer wieder nach, denn der Trabi stand auch eineinhalb Jahre später noch unverändert an seinem Fleck, ohne eine sichtbare Veränderung. 2013 war das Glück schließlich auf Freverts Seite: Für einen symbolischen Euro konnte er „Schorsch“ haben. „Als der Besitzer gehört hat, was wir vor haben, war er dazu bereit“, erzählt Frevert. Auf einem Trailer ging es für „Schorsch“ im Juni nach Kiel. Das Besondere: „Er ist 1990 abgemeldet worden und stand seitdem vermutlich trocken in einer Scheune. Der Vorbesitzer hat ihn komplett konserviert.“ So gab es nahezu keinen Rost am Stahlgerippe des Wagens. Und: Frevert bekam den Original-DDR-Fahrzeugbrief, heute ein echtes Unikat.

Ursprünglich wollte Guido Frevert „Schorsch“ privat nutzen aber das Herz des Fachschulleiters für Elektromobilität wusste auch, dass es für die Schule schwierig ist, sich mit Geldern ein E-Auto zu kaufen. Also machte er „Schorsch“ zum Projekt von gut 20 Schülern, die sich in Gruppen um diverse Themen rund um die Vereinbarkeit von Elektromobilität und Trabant kümmerten. Seit Oktober waren sie dabei, mussten „Schorsch“ komplett „ausräumen“, ein Loch im Kotflügel flicken, Ersatzteile wie Gummis bestellen, Spachtelarbeiten ausführen und sich um Sponsoren kümmern, die es möglich machen, das Vorhaben im geförderten Rahmen von 10 000 Euro umzusetzen. Es hat geklappt – es müssen nur noch Kleinigkeiten für die Tüv-Zulassung erledigt werden aber Fahrgenuss ist dank 30 Lithium-Eisen-Phosphat-Zellen, aufgeteilt auf Motor- und Kofferraum, schon jetzt auf dem Parkplatz vor dem RBZ Technik möglich. 50 Kilometer am Stück würde man mit einer Ladung schaffen, doch bis das getestet werden kann, müssen erst die Nummernschilder her. Dann kann der E-Trabi neben der Techniklinie über das Ostufer hinaus publik machen, dass das RBZ Technik eine Vorreiterrolle in Sachen Elektromobilität einnimmt (wir berichteten).

„Am Anfang haben uns alle belächelt und jetzt soll er überall dabei sein“, sagt Frevert stolz. Der „Schorsch“ als Vorzeigetrabant mit Elektromotor. Als nächstes ist noch geplant, die Ladeeinheit rauszulegen – unter den sonstigen Tankdeckel. Und damit auch an der Schule selbst geladen werden kann, soll dort eine Ladesäule gebaut werden.

Außerdem würde sich, da sind sich alle einig, zu dem Info-E-Trabi auch ein Wohmobil gut hinzugesellen. Wer die Schule unterstützen möchte und ein passendes Wohnmobil zum Trabi hat, meldet sich einfach unter redaktion.kiel@shz.de Stichwort RBZ.

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