Radfahrer prallt gegen Auto : Schock-Therapie mit Unfall-Stunt in Kronshagen

Stuntfahrer Mario Eichendorf knallt gegen eine geöffnete Autotür.
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Stuntfahrer Mario Eichendorf knallt gegen eine geöffnete Autotür.

Welche Auswirkungen hat ein Unfall für Radler ohne Helm? Ein Stuntman zeigte es staunenden Lehrern und Schülern in Kronshagen. Die Unfallkasse Nord hatte es dort auf einer Fachtagung krachen lassen.

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08. November 2013, 06:50 Uhr

Kronshagen | Nüchterner geht's nicht: „Fachtagung Mobilitäts- und Verkehrserziehung für die Sekundarstufe I.“ So hieß der Titel des Seminars für Lehrer und Kreisbeauftragte aus ganz Schleswig-Holstein am Donnerstag am Gymnasium Kronshagen bei Kiel. Doch die Unfallkasse Nord, Ausrichter der Tagung, beließ es nicht bei grauer Theorie. Sie ließ es richtig krachen. Im Wortsinn: Ein Stuntman führte auf dem Schulhof vor, was es bedeutet, als Radfahrer auf ein Auto zu prallen – und wie ein Helm schützen kann. Etliche Male ließ er sich auf einen schwarzen Fiat knallen. Eine Premiere mit vielen Dellen im Blech. Und mit nachdenklichen Schülern.

Die Siebtklässler mussten einige Minuten Vortrag aushalten, bevor Mario Eichendorf (52) aus Wismar endlich zeigte, was er drauf hat. „Das heute ist real“, bereitete der Stuntman seine jungen Zuschauer vor. „Solche Unfälle im Straßenverkehr kommen vor.“ Oft mit schwerwiegenden Folgen. Nach Angaben der Unfallkasse Nord, Trägerin der gesetzlichen Schüler-Unfallversicherung, sind Kinder ab zehn Jahren im Straßenverkehr gefährdet. Und zwar besonders dann, wenn sie mit dem Rad unterwegs sind. 2012 wurden der Kasse im Norden 3400 Unfälle auf dem Schulweg gemeldet. Die Hälfte der Schüler war auf dem Rad unterwegs gewesen.

Ein Helm kann schlimme Kopfverletzungen vermeiden. Der Helm, mahnte darum der Stuntman mit dem Pferdeschwanz, sei „die einzige Knautschzone, die ich als Radfahrer habe.“ Und dann ging's zur Sache. Mal gemütlich, mal mit Tempo und mal mit Puppe auf dem Gepäckträger – so radelte Eichendorf auf den Fiat zu. Es rummste, es knallte, Eichendorf flog durch die Luft – und fiel. Erst über die Motorhaube. Dann gegen die Windschutzscheibe. Schließlich rollte er zu Boden. „Das hat gut gescheppert“, sagte Stuntman Eichendorf, als er wieder stand. Ein paar Mädchen hatten da schon erschrocken die Hand vor den Mund geschlagen. Ihre Mitschüler gaben sich cooler, mit Händen in den Hosentaschen verfolgten sie die Vorführung. Folge des simulierten Crashs: „Brüche und Prellungen“, klärte der Stuntman sein Publikum auf. Durch den Helm habe er sich jedoch schützen können, auch vor feinen Glassplittern aus der Scheibe.

Sind die Schüler nun eher bereit, einen Helm zu tragen? Jean-Christoph hat ihn oft dabei, wenn er die fünf Minuten zur Schule radelt. „Aber der hängt dann am Lenker“, verpetzten ihn seine Klassenkameraden. War er beeindruckt? „Nö, aber das ist schon 'ne Warnung für mich“, meinte der 12-Jährige. Armando (12) ging einen Schritt weiter: „Ich glaube, ich ziehe demnächst den Helm auf. Vorher hat man am Auto keine Dellen gesehen, jetzt schon.“ Die Mädchen waren noch aufgeschlossener – ganz so, wie Stuntman Eichendorf es oft erlebt. Enid (12) berichtete von einem „Kumpel, der trotz Helm fast bei einem Fahrradunfall gestorben wäre. „Auch deswegen trage ich einen Helm.“ Sie hat einen sogenannten Nut-Case-Helm – und den findet Enid cool.

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