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Berufsfindung : Schnippeln statt Pauken

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Das erste Kieler „Ich-bin-gut-Camp“ soll Jugendlichen Berufe näher bringen und ihr Selbstbewusstsein stärken. 25 Schüler können sich an drei Tagen in acht Berufsfeldern umsehen und ihre Fähigkeiten austesten.

shz.de von
erstellt am 11.Okt.2017 | 17:27 Uhr

Auf dem Herd köchelt leise die Vanille-Sauce vor sich hin, aus der anderen Ecke kommen stete Schnittgeräusche, und auf der nächsten Arbeitsfläche steht eine große Reibe samt Schale und verarbeiteten Karotten. Mittendrin sind Sabine Lingner, Alina Graepel und Kyra Ziesmann. Die Jugendlichen machen bei Kiels erstem „Ich-bin-gut-Camp“ mit, das von der Arbeitsagentur organisiert wird. Insgesamt 25 Jugendliche können an drei Tagen in acht Berufsfeldern ihre Fähigkeiten austesten und verbessern. Das Programm kostet rund 14  000 Euro, die Hälfte bezahlt das Arbeitsamt, die andere Hälfte wird von verschiedenen Stellen der Stadt Kiel gesponsert.

„Es ist einfach cool zu erfahren, wie das Essen zubereitet wird und was man beachten muss“, sagte Alina Graepel zu ihrem kurzen Aufenthalt in der Küche der Organisation „Perspektive Bildung“ in Gaarden. Der Ausbildungsverbund stellte für das „Ich-bin-gut-Camp“ Räumlichkeiten für die Berufsfelder Hauswirtschaft/Küche, Metall und Farbe zur Verfügung. Die restlichen Felder wurden in Preetz oder dem Schwentinetal angeboten.

Bis zu fünf Jugendliche sind an einem Vormittag in den verschiedenen Bereichen untergebracht. Alle von ihnen leiden an einer Lernbehinderung, viele besuchen die Förderschule. „Ziel des Camps ist es, ihnen zu zeigen, dass sie etwas können, etwas wert sind. Und auch auf dem Arbeitsmarkt gute Chancen haben können“, sagte Sabine Kahl, Standortleiterin des Ausbildungsverbundes Kiel. Dazu schnuppern die Jugendlichen aber nicht nur in Berufe hinein. Nachmittags wartet ein Erlebnispädagoge mit Teamaufgaben auf sie. „Sie sollen lernen, zusammenzuarbeiten und Ängste zu überwinden“, so Sabine Kahl.

Nicht zuletzt sollen ihnen aber Perspektiven und Alternativen näher gebracht werden. Um einen Job zu finden, sei es nicht immer der beste Weg für die betroffenen Schüler, einen ersten allgemeinbildenden Schulabschluss an der Berufsschule zu erlangen. „Für viele reicht das eine Jahr nicht aus, sie schaffen das in so kurzer Zeit nicht“, weiß Hans-Peter Runkler, Berater für Jugendliche mit Förderbedarf bei der Agentur für Arbeit. Er rät oft zu einer Berufsvorbereitung mit anschließender Ausbildung, die theoriereduziert ist. „Nach insgesamt vier Jahren haben die Schüler dann nicht nur eine Berufsausbildung sondern auch den Schulabschluss in der Tasche.“

In den vergangenen Jahren hat die Agentur immer besser ehemalige Förderschüler vermitteln können. Nicht zuletzt aufgrund des Fachkräftemangels. „Es gibt aber gleichzeitig immer mehr Angebote, die den Fokus auf diese Jugendlichen legen“, ergänzte Sarah Harms von der Agentur für Arbeit. „Die Angebote werden individueller gestrickt und an jeden Bewerber angepasst.“

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