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Saison-Ende : Schnäppchen-Tour für Enkel Lukas

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Tausende von Besuchern nutzten den letzten Flohmarkt der Freiluftsaison auf dem Kieler Rathausmarkt für preiswerte Einkäufe. Die Stadt zieht eine positive Bilanz, ihr Konzept hat sich bewährt. So sind Neuwaren prinzipiell verboten.

shz.de von
erstellt am 27.Sep.2015 | 14:11 Uhr

Bei strahlendem Himmel und angenehmen Temperaturen haben Sylvia Kluwetasch (57) aus Altenholz und ihre Mutter Irmgard Schwarzlos (79) aus Suchsdorf gestern mit ihren Weihnachtskäufen begonnen. Für ihren (Ur-)Enkel Lukas suchten sie die Stände auf dem Rathaus-Flohmarkt nach gebrauchten, aber brauchbaren Spielsachen ab. Sie wurden fündig: Für ein paar Euro erstanden sie ein Geduldsspiel mit bunten Steinchen und eine gut erhaltene Kugelbahn. Nun ist zwar Lukas erst sieben Monate alt und noch mit dem eigenen Krabbeln beschäftigt. Aber kluge Frauen sorgen eben vor – Lukas’ Zeit mit Kugeln und Steinen kommt mit Sicherheit.

Gutes Spielzeug gehört zu den Rennern auf dem Flohmarkt, das wissen auch Susen Pilarski und ihre 16-jährige Tochter Rabea. Hölzerne Steckspiele hat das erfahrene Verkäufer-Duo im Angebot, kleine Legofiguren und auch einen bunten Tierpark mit den beliebten Schleich-Figuren. Handeln gehört für die beiden Pilarskis zum Geschäft, über allzu vorlaute Passanten aber, die sich für einen Euro am liebsten ihre Plastiktüte füllen würden, ärgern sie sich. Doch für Dauer-Frist bleibt keine Zeit, eine Kundin zückt bereits die vereinbarten 7 Euro für das hölzerne Steckspiel.

Ingo Frieböse und seine Freundin Verena Nemitz sind auf ganz andere Waren aus. Sie suchen Schallplatten, und sie sind nicht die einzigen. Der Handel mit den alten schwarzen Scheiben findet, so scheint’s, ständig neue Liebhaber, viele lassen die CD-Silberlinge strikt links liegen. Von nostalgischen Gefühlen spricht Frieböse. Seine Plattensammlung umfasst etwa 600 LP’s. Er freut sich, dass er jetzt eine „Halloween“-Scheibe für 6,50 Euro ergattern konnte – im Internet sollte sie 20 Euro kosten.

Der Flensburger Arno Schmidt bot gestern, weil’s der letzte Flohmarkt der Saison war, seine Rundlinge zum halben Preis an. Seine Einschätzung: Die Hippie-Zeit mit ihrer musikalischen Experimentierfreude feiert ein Comeback.

Keine Tiere, keine Pornographie, keine Neuwaren – das sind die Regeln. Das städtische Flohmarktkonzept hat sich bestens bewährt. Hinzu kommt ein kompetentes Personal, das Streits (meist um die Stellflächen) schnell schlichtet und (im Sinne der Anwohner) streng darauf achtet, dass kein unnötiger Müll zurückbleibt. Der sommerliche Rekord von 3600 Metern an Verkaufsfront zeugt von wachsender Beliebtheit.

Das kann auch Dagmar Nickel nur unterstreichen. Gürtel und Vasen, Spiegel und weiße Kissen, Porzellantassen und Duschköpfe – bei ihrem „Rentnerhobby“ verkauft die 70-Jährige meist die Reste von Haushaltsauflösungen. „Bloß nicht spezialisieren“ ist ihre Devise. Immerhin: Mit den Erlösen vom Flohmarkt bezahlt sie demnächst eine „Aida“-Kreuzfahrt mit Mann und Enkel. Und natürlich bereitete sich gestern Nachmittag, als sie ihren Stand abbaute, bereits auf die nächste Saison vor: Auf dem Rathausmarkt wird am 3. April wieder gefeilscht.  

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