Fenster zugemauert : Schluss mit der Aussicht

Wand im Blick: Karin und Rolf Quedenbaum mit Katze Mäuserich präsentieren fassungslos ihr zugemauertes Wohnzimmerfenster.
1 von 2
Wand im Blick: Karin und Rolf Quedenbaum mit Katze Mäuserich präsentieren fassungslos ihr zugemauertes Wohnzimmerfenster.

Sie kommen aus dem Urlaub zurück – und durch das Wohnzimmerfenster fällt kein Tageslicht mehr. In Schönkirchen bei Kiel blicken zwei Rentner jetzt auf eine massive, unverputzte Steinmauer.

shz.de von
11. November 2013, 00:33 Uhr

Schönkirchen | Fassungslos starrten die Quedenbaums auf das Fenster in ihrem Wohnzimmer. Zumindest auf das, was davon übrig geblieben ist. Als die Eheleute vor Kurzem aus einem dreiwöchigen Urlaub zurück kamen, mussten sie feststellen, dass ihr Fenster schlicht und einfach zugemauert war.

Urheber dieses Missgeschicks ist eine Wurstwaren-Firma, deren Grundstück direkt an das Haus von Karin und Rolf Quedenbaum im Industriegebiet Schönkirchen östlich von Kiel angrenzt. Das Unternehmen expandiert seit Jahren, weshalb entsprechende Baumaßnahmen zur Unterbringung von Präsentations- und Büroräumen in die Wege geleitet wurden – allerdings ohne die Bewohner des Hauses vorher zu informieren, geschweige denn, dass diese ihr Einverständnis geben konnten.

„Wir kamen nach Hause und ich fiel tot um!“, berichtet die 80-jährige Karin Quedenbaum jetzt. „Wir dachten, es kann ja wohl nicht sein, dass ein Mensch so etwas tut. Das ist völlig abwegig.“ Der Sonnenaufgang ist ausgesperrt, die schöne Aussicht auf den Mönckeberger Waldrand ist weg.

Zu allem Unglück ist der Eigentümer der Firma, Herr P., auch gleichzeitig Besitzer und Vermieter des Wohnhauses, in dem die Quedenbaums jetzt seit 27 Jahren leben. Von ihm kam bisher keinerlei Stellungnahme zu dem Vorfall, auch nicht auf eine schriftliche Anfrage des Mieterschutzbundes, den das Ehepaar hinzugezogen hat. Allein der „von Herrn P. autorisierte“ Architekt stattete den beiden einen Besuch ab und machte großzügige Vorschläge: Das Fenster könne herausgenommen und die Wand tapeziert werden, als zusätzliche Lichtquelle würde im Zuge der Dachsanierung in den nächsten Jahren eine Lichtkuppel in die Decke eingelassen werden. Allerdings „sage er Ihnen eines gleich – an der Mauer ließe sich nichts ändern“.

„Und dann hängen wir noch ein Porträt von Herrn P. dahin, dann können wir ihn immer sehen und uns bei ihm bedanken“, bemerkt der 79-jährige Herr Quedenbaum kopfschüttelnd.

Wie es jetzt weitergehen soll? „Rechtlich dagegen vorzugehen, lohnt sich nicht – dem fühlen wir uns auch nicht gewachsen. Wir müssen auf eine Antwort des Mieterschutzbundes warten, beziehungsweise darauf, dass sich der Vermieter zu Wort meldet.“

Ob er das tun wird, ist allerdings unklar. Er scheine genau zu wissen, dass er als Hausbesitzer und Firmenchef die besseren Karten hat und gebe sich somit schweigsam, hoffe vielleicht auf Resignation, so die Quedenbaums. Im Grunde genommen habe er allerdings keine Argumente. „Es ist ein grober Verstoß gegen das Mietrecht!“ Laut Baurecht wäre die Mauer sogar zulässig, für den Anbau hatte der Kreis Plön eine Genehmigung erteilt, jedoch ohne zu prüfen, ob sich die Wohnqualität verändert. Das Mietrecht erfordert ein explizites Einverständnis der Bewohner für derartige Baumaßnahmen – und das gestaltet sich schwierig, wenn sie im Vorfeld nicht informiert wurden. „Das einzige, was wir jetzt noch machen können, ist, die Miete zu vermindern.“

Sie hätten keine Rachegelüste, sagt Frau Quedenbaum. „Es würde uns ja ohnehin nichts nützen.“ Aber sie wolle mit dem Sachverhalt an die Öffentlichkeit gehen, um aufzuzeigen „wie Vermieter heutzutage mit ihren Mietern umgehen“. Dabei geht es nicht nur um diesen Einzelfall. Für die Eheleute Quedenbaum bleibt nur zu hoffen, dass ihr Vermieter Stellung bezieht und sie zumindest angemessen entschädigt werden, denn die Mauer wird stehenbleiben.

zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen