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Anerkennung für Engagement : Schleswig-Holstein – Das Land der Orden

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Es gibt 15 verschiedene Auszeichnungen. Der Ministerpräsident will da nun aufräumen, zumindest Gesetze, Verordnungen und Erlasse ein wenig entrümpeln.

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erstellt am 15.Aug.2015 | 09:00 Uhr

Kiel | Es gibt Ehrenurkunden und Verdienstorden, die Rettungsmedaille oder die Ehrengabe. Und wer sich „herausragende Verdienste“ um Schleswig-Holstein erworben hat, dem kann der Ministerpräsident die „ranghöchste Auszeichnung“ des Landes verleihen – die Ehrenbürgerschaft.

Die Idee, die hinter all den Orden, Titeln, Plaketten und Urkunden steht, ist ebenso einfach wie einleuchtend: „Engagement braucht Anerkennung.“ Was von Experten der Protokollabteilung in der Staatskanzlei abgesehen aber nur wenige wissen dürften: Das Repertoire der Auszeichnungen für Bürger oder Organisationen des Landes umfasst 15 unterschiedliche Exemplare.

Geregelt ist die Vergabe der Auszeichnungen bisher in sage und schreibe zwei Gesetzen, neun veröffentlichten Erlassen und vier nicht veröffentlichten Regelungen. Das soll, geht es nach der Regierung, nun übersichtlicher werden. Die Gesetze will der Ministerpräsident vom Parlament aufheben lassen, alle bisherigen Regelungen in einem einzigen Erlass zusammenfassen. Keine einzige Auszeichnung gehe damit über Bord.

So gibt es etwa die Freiherr-vom-Stein-Medaille für verdiente Kommunalpolitiker. Für „herausragende Erfolge oder Verdienste im Sport“ gibt es die Sportplakette; sind die Verdienste „nur“ als „besonders“ eingestuft, gibt es die Sportverdienstnadel. Zu den ältesten Auszeichnungen des Landes gehört die 1954 gestiftete Rettungsmedaille; die gibt es „für die unter Einsatz des eigenen Lebens ausgeführte erfolgreiche Rettung aus Lebensgefahr oder die Abwendung einer der Allgemeinheit drohenden erheblichen Gefahr“. Der Innenminister verleiht das „Brandschutzehrenzeichen“. Überhaupt die Feuerwehr: Fast 60.000 Mitglieder in knapp 1400 freiwilligen Feuerwehren gibt es. Für besondere und langjährige Verdienste gibt es das Ehrenzeichen. Ist eine Wehr 100, 125 oder 150 Jahre alt, gibt es die „Ehrengabe“ – eine Glocke in Bronze, versilbert oder vergoldet. Auch ein „Blaues Band“ gibt es – für Verdienste im Wassersport. Das „Fahnenband“ in mit einer Goldkordel eingefassten Landesfarben geht an Truppenteile. Und wer sich über lange Zeit „außerordentliche Verdienste“ im kulturellen Bereich erworben hat, dem kann der Ministerpräsident den Professorentitel verleihen – und zwar ohne Zusatz wie „h.c.“ oder „eh“.

Inflationär geht Schleswig-Holstein allerdings nicht mit seinem Verdienstorden um. Seit 2008 gibt es die – nach der Ehrenbürgerschaft – höchste Auszeichnung des Landes. Verliehen wurde sie bisher 54 Mal – für „hervorragende Leistungen von vorwiegend landesbezogener Bedeutung“. Noch sparsamer ging die Landesregierung mit der im Jahr 1998 gestifteten Ehrenbürgerschaft selbst um. Zu den sechs Empfängern gehören die früheren Ministerpräsidenten Gerhard Stoltenberg (CDU) und Heide Simonis (SPD) sowie Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD), der langjährige FDP-Bundestagsabgeordnete Uwe Ronneburger sowie der Schriftsteller Siegfried Lenz und der Künstler Armin Mueller-Stahl.

Verliehen und überreicht werden die Auszeichnungen in aller Regel durch den Ministerpräsidenten. Die Recherchen, ob ein Nordlicht wirklich „ehr-würdig“ ist, treibt seit Anfang der 80er Jahre Peter Schümann voran. Der Beamte ist im Protokoll der Staatskanzlei zuständig für Orden und Ehrenzeichen. 15 davon hat das Land. Darunter ist sogar eine Glückwunschurkunde für Altersjubilare, die das 90. oder 100. oder jedes weitere Lebensjahr vollendet haben.

Nur eines funktionierte in der Vergangenheit gar nicht, weiß Schümann. Als der Ministerpräsident vor Jahren ein verdientes Landeskind aus dem Kreis Stormarn auszeichnen wollte, blitzte der Regierungschef ab. Der Mann stand als Beamter in Diensten des Hamburger Senats. Und der legte sein Veto gegen die vorgesehene Ehrung im Nachbarland ein. Begründung an der Elbe: Ein Hamburger nehme nun mal keine Orden an.

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