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Kiel : Schlepper „Stein“: Die unendliche Geschichte

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Warum ein Schiff für die Kieler Schlepp- und Fährgesellschaft auch 18 Monate nach dem Kauf noch immer nicht im Einsatz ist.

shz.de von
erstellt am 07.Nov.2014 | 10:20 Uhr

Kiel | Die Kojen zu kurz, die Elektronik marode, und jetzt fehlen auch noch wichtige Zeugnisse der Zulassungsbehörden. 18 Monate nach dem Kauf in Spanien ist der Schlepper „Stein“ immer noch nicht einsatzfähig. Die Schlepp- und Fährgesellschaft Kiel (SFK), ein Eigenbetrieb der Landeshauptstadt, hüllt sich in Schweigen, was das neue Schiff in ihrer Flotte angeht. Weder zu den Kosten des Desasters – allein für den Kauf soll ein zweistelliger Millionenbetrag fällig geworden sein – will man sich äußern, noch zu einem möglichen Fertigstellungstermin. Den musste man in der Vergangenheit – ähnlich wie beim Flughafenbau in Berlin Brandenburg und bei der Elbphilharmonie – schon mehrfach verschieben.

Angesichts des langwierigen Umbaus stellt sich jetzt die Frage, warum die Stadt den Schlepper überhaupt gekauft hat. „Vermissen tut ihn offenbar niemand“, stellt der Chef des Steuerzahlerbundes Rainer Kersten gestern fest. Zuvor hatte die Sprecherin der Stadt erklärt, die Verzögerungen seien zwar ärgerlich, „glücklicherweise konnten aber die anderen Schlepper der SFK alle Aufträge erledigen, so dass keine Einnahmeausfälle entstanden sind.“ Ganz im Gegenteil, die SFK habe einen höheren Umsatz in der Sparte Schleppschifffahrt erzielt als in der Vergleichsperiode des Vorjahres. Das – meint Kersten – spreche eindeutig dafür, „dass der Ankauf des Schleppers nicht notwendig, zumindest aber übereilt war. “

Die Verantwortlichen der Schlepp- und Fährgesellschaft hatten das in der Vergangenheit ganz anders dargestellt. Man benötige den 3600 PS starken spanischen Kraftprotz dringend, um großen Pötten beim Einlaufen in die Kanalschleusen Assistenz leisten zu können. Alle anderen Schlepper in der SFK–Flotte seien zu schwach, um die immer größer werden Schiffe so zu bändigen, dass sie in den engen Schleusenkammern nicht gegen Tore oder Pier rammen.

„Statt einen Schlepper zu kaufen, der jetzt seit Monaten an der Leine liegt, hätte die Stadt sich besser nach einem Schiff umsehen sollen, das den Anforderungen für den Einsatz in Deutschland besser entspricht“, meint Kersten. Auch in Schifffahrtskreisen rätselt man, wie sich die Verantwortlichen bezüglich des Umbauaufwandes so verschätzen konnten. Ursprünglich hatte SFK-Chef Andreas Schulz von maximal einem Monat gesprochen. Doch sein ursprünglicher Plan, nur den Schornstein auf die neuen Kieler Farben umzustreichen und einen neuen Fäkalientank einzubauen, ist längst Makulatur. Und ein Ende ist nicht abzusehen.

Leider habe „die renommierte Innenausbaufirma“ – welche unter anderem die für kleine Spanier konzipierten Betten auf norddeutsches Gardemaß verlängerte – „noch ein erhebliches Pensum an Nacharbeiten zu bewältigen“, teilte die Stadt-Sprecherin mit. Erst danach könnten die noch fehlenden Genehmigungen, etwa beim Germanischen Lloyd und der Berufsgenossenschaft, eingeholt werden.

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