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Nach der Krise : Schiffbauer der Region im Auftrieb

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Werften in Rendsburg und Kiel berichten von guter Auslastung: Neu- und Umbauten sowie Reparaturen füllen die Auftragsbücher.

Nachdem die Werften in den vergangenen Jahren häufig über mangelnde Auslastung klagten und eine tiefgreifende Strukturkrise durchmachten, kommen jetzt von den Schiffbauern in Schleswig-Holstein gute Nachrichten. Die Nobiskrug Werft in Rendsburg und ihre Schwesterwerften German Naval Yards in Kiel (vormals HDW-Gaarden) und Lindenau (Kiel-Friedrichsort) haben gut zu tun. So wird in der Landeshauptstadt derzeit ein Schleusentor im Auftrag des Wasser- und Schifffahrtsamtes generalüberholt und in Rendsburg dockte vor wenigen Tagen eine 80 Meter-Yacht ein. Eine zweite wird heute erwartet. „Beide Luxusyachten werden für Refit-Arbeiten den Winter über auf der Traditionswerft verbleiben“, teilte Holger Kahl, Geschäftsführer des Werftenverbunds, gestern mit. Anfang Dezember wird dann die Korvette „Magdeburg“ für Instandsetzungsarbeiten Rendsburg anlaufen und mehrere Monate bleiben.

Zu vollenden ist zudem der Neubau Nr. 787 – „White Pearl“ – der sich nach Firmenangaben derzeit auf See-Erprobung befindet und demnächst „in die finale Ausrüstungsphase“ geht. Restarbeiten werden auch an der Offshore-Wohnplattform für den Windpark DanTysk erledigt, die kürzlich in die Nordsee verlegt wurde (wir berichteten) und auf ihren Einsatz wartet.

„Sowohl Neubauten sowie diverse Umbau- oder Reparaturaufträge – ob für Yachten oder die öffentliche Hand – stellen unser breit gefächertes Portfolio und Know-how eindrucksvoll unter Beweis“, betont Kahl. Mit der Rendsburger Traditionswerft Nobiskrug habe man sich auf die Konstruktion und den Bau individuell angefertigter Luxusyachten ab einer Länge von 60 Metern spezialisiert. „Damit zählt die Werft zu einem der weltweit führenden Anbieter“, so Kahl. Zu den jüngst abgelieferten Neubauten zählen unter anderem die preisgekrönten Superyachten „Mogambo” und „Odessa II“.

Mit der gemeinsamen Verwaltung nutze die deutsche Werftengruppe die Infrastruktur der drei benachbarten Werftstandorte und bündelt die Kompetenzen der rund 1000 Mitarbeiter. Eigentümer des Werftenverbundes ist der Libanese Iskandar Safa, der sich mit seiner Holding „Privinvest“ innerhalb weniger Jahre zu einem mächtigen Player auf dem Schiffbaumarkt gemausert hat. 2007 stieg Safa bei Abu Dhabi Mar ein, kurz darauf begann die internationale Shopping-Tour der Holding. 2009 wurde Nobiskrug übernommen, 2010 HDW-Gaarden von Thyssen-Krupp sowie die ehemalige HDW-Tochter Hellenic Shipyards. 2011 folgte der zivile Teil der Kieler HDW. Schon 1992 hatte Safa die französische Werft CMN übernommen.

Bereits kurz nach dem Einstieg der Araber in der Landeshauptstadt fand der gemeinsame Weg sein Ende. Privinvest blieb Eigentümer der Werft, die Holding Abu Dhabi Mar nur Namensgeber. In Kiel wurden jüngst die letzten Erinnerungen an Abu Dhabi Mar beseitigt. Die Zweckgesellschaft „Abu Dhabi Mar Europe“ wurde liquidiert – Safas Geschäft mit den deutschen Werften wird seitdem unter dem Titel „German Naval Yards Holding“ gebündelt. Auch der Schriftzug auf dem großen Kieler Portalkran wurde überpinselt. Inzwischen ist die Kieler Werft – teilweise in Kooperation mit Thyssen Krupp – auch im Marineschiffbau stark engagiert, zum Beispiel mit dem Bau von zwei Fregatten für eine ausländische Marine.

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erstellt am 15.Okt.2015 | 06:21 Uhr

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