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Prozessbeginn am Mittwoch : Schießerei vor Therme in Kaltenkirchen: Hells-Angel vor Gericht

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Fünf Schüsse peitschen über den Parkplatz der Therme. Die Täter fliehen unerkannt, das Opfer bleibt schwer verletzt liegen. Der Mann ist bis heute erwerbsunfähig. Der mutmaßliche Drahtzieher steht vor Gericht.

Kaltenkirchen/Kiel | Die Tat liegt mehr als sechseinhalb Jahre zurück. Doch erst von diesem Mittwoch an muss sich ein Rocker der inzwischen verbotenen Kieler Hells Angels vor dem Landgericht für eine Schießerei vor einer Therme in Kaltenkirchen (Kreis Segeberg) verantworten. Er gilt als Drahtzieher des Verbrechens, bei dem sein früherer Freund in den Hinterhalt gelockt und schwer verletzt wurde.

Zu Prozessbeginn ordnete das Gericht umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen mit Einlass- und Personenkontrollen an. Ein Prozessstart vor 14 Tagen war wegen der Verhinderung eines Richters verschoben worden.

Um das Opfer Ende Januar 2009 in die Falle zu locken, soll der 42-jährige Angeklagte auch seine damalige Freundin und heutige Ehefrau eingespannt haben. Die deswegen rechtskräftig verurteilte junge Frau machte dem Mann Avancen und fuhr ihn in den Hinterhalt - einen durch Hecken und einen Erdwall sichtgeschützten Parkplatz der Therme.

Dort warteten schon die maskierten Schützen. Sie wurden laut Staatsanwaltschaft entweder vom Angeklagten selbst oder mit dessen Wissen von weiteren unbekannten Mittätern gedungen. Die Männer feuerten fünfmal und flohen unerkannt. Eine Kugel traf den Oberschenkel ihres Opfers. Die Folgen für den damals 33-Jährigen: Monatelange Krankenhausaufenthalte und eine Vielzahl von Operationen. Der Mann ist nun Nebenkläger in dem Verfahren.

Die damals 19-Jährige raste in ihrem Wagen davon, als die Schüsse fielen. Sie wurde zu 150 Arbeitsstunden und 400 Euro Geldstrafe verurteilt. Ihr Mann und das Opfer sollen sich seit Kindertagen kennen - sie wurden Intimfeinde. Laut Anklage kam es immer wieder zu Auseinandersetzungen, auch mit Waffengewalt.

Der Prozess gegen den 42-Jährigen ließ auf sich warten. Er musste sich zunächst wegen einer Messerattacke auf zwei mutmaßliche Bandidos vor einem Kieler Fitnessstudio gerichtlich verantworten. Für die Tat vom März 2010 kam er Ende 2012 ins Gefängnis. Inzwischen ist er auf Bewährung frei.

Der Angeklagte war im Zuge der Auseinandersetzungen von Hells Angels mit verfeindeten Gruppen zweimal Ziel lebensbedrohlicher Messerattacken. Die Übergriffe waren Teil einer Serie von Gewalttätigkeiten zwischen den Rockerclubs um Macht, Geld und Einfluss im Rotlicht- und Drogenmilieu. Sie führten zum Verbot der Hells Angels in Flensburg und der Bandidos in Neumünster, später auch zum Verbot der Hells Angels in Kiel. 

Gefährliche und schwere Körperverletzung können mit bis zu zehn Jahren Gefängnis geahndet werden. Die Kammer wies aber darauf hin, dass der Angeklagte auch nur wegen Beihilfe bestraft werden könnte.

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erstellt am 21.Sep.2015 | 11:12 Uhr

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