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Archäologen : Schatzsuche in der Altstadt

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Während die Baugrube für das Wohnprojekt „Schlossquartier“ vorbereitet wird, legen Schleswiger Forscher eine „Stadt unter der Stadt“ frei.

shz.de von
erstellt am 26.Mär.2016 | 06:01 Uhr

Der Brunnen ist deutlich zu erkennen: Ein Schacht aus roten Backsteinen hebt sich vom dunkleren Grund ab, den die Archäologen schon freigelegt haben. Es sind Überbleibsel aus dem 17. und 18. Jahrhundert – und Spuren der historischen Kieler Altstadt, die hier unter der modernen Landeshauptstadt schlummern.

So wie die Fundamente und Mauerreste von Häusern aus der früheren Fischerstraße, die einst von der Förde direkt in die Stadt führte. Auch die hat das Team um Grabungsleiter Marc Kühlborn (48) vom Archäologischen Landesamt in Schleswig schon mit Schaufel und Pinsel aus dem Untergrund herausgeschält, während daneben Bauarbeiter mit Baggern und anderem schweren Gerät hantieren. Diese „Befunde“, wie die Wissenschaftler die alten Strukturen nennen, sind aber erst der Anfang der Grabungsarbeiten, die seit einigen Tagen auf einer der größten Baustellen der Stadt laufen.

Hier, ganz in der Nähe der alten Nikolaikirche und des Kieler Schlosses, entsteht nicht nur das große Luxus-Wohnprojekt „Schlossquartier“, sondern „liegt eine der Keimzellen der Stadt“, sagt Archäologe Kühlborn. Und je tiefer er und seine zurzeit drei weiteren Kollegen graben, desto älter die Spuren des alten Kiel. Bis zur Stadtgründung – zwischen 1233 und 1242 – könnten die Forscher auf Überreste stoßen. „Uns interessiert alles, was von den Menschen in den letzten 800 Jahren angehäuft worden ist“, erklärt Kühlborn. Bereits bei Ausgrabungen vor dem Bau des abgerissenen Landeskirchenamts in der Eggerstedtstraße in den 90er Jahren buddelten sie Funde aus dem frühen 13. Jahrhundert aus. „Wir hoffen, dass wir auch jetzt darauf stoßen“, sagt Kühlborn. Die Arbeiten sollen bis zum Sommer andauern.

Manchmal sind es die kleinen „Schätze“, die den Archäologen erfreuen. Fundstücke wie die Bierflaschen der „Dornbräu Kiel-Hassee“ und der „Kieler Actien-Brauerei“ sowie eine ohne Titel. Sie könnten bis zu 130 Jahre alt sein: „Das ist Lokalkolorit“, sagt Marc Kühlborn. Auch Teile mittelalterlicher Teller und Töpfe und Scherben einer Mineralwasserflasche aus Steinzeug buddelte das Team aus. Historisch wertvolle Funde werden gesäubert, vermessen, fotografiert, beschrieben, teilweise gezeichnet und restauriert. Denn das, was die Forscher unter der Altstadt entdecken, ist einmalig. Darum liebt Marc Kühlborn seine Arbeit auch so: „Man weiß am Morgen nie, was man am Abend alles gefunden haben wird.“

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