Versteigerung : Schatzkiste oder doch nur Schrott?

Auf Autosuche für ihren Benjamin: Drei Generationen der Familie May begutachten den Opel Agila, der später 250 Euro einbrachte.
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Auf Autosuche für ihren Benjamin: Drei Generationen der Familie May begutachten den Opel Agila, der später 250 Euro einbrachte.

Die Autobastler und Autokenner waren am Mittwochmorgen ganz unter sich: Das Ordnungsamt versteigerte gestern herrenlose Fahrzeuge. Es gab weder Garantie noch ein Rückgaberecht – dafür waren die Preise niedrig.

shz.de von
11. Juli 2018, 18:40 Uhr

Die entscheidende Frage lautet: Wer kauft ein Auto, das monatelang verlassen am Straßenrand gestanden hat, das noch nicht mal einen Schlüssel besitzt? Dessen Alter und technische Verfasssung man nicht kennt, für das es aber keinerlei Garantie oder Rückgaberecht gibt? Die Antwort: Autobastler auf dem Hinterhof oder professionelle Autoverwerter wittern ihre Chance, für kleines Geld an Fahrzeuge zu kommen, die sie mit viel Eigenhilfe wieder flott machen wollen.

Das Ordnungsamt versteigerte gestern erstmals sogenannte „herrenlose Fahrzeuge“: Autos, Anhänger, Motorräder, die zumeist von ihren Besitzern irgendwo zurückgelassen wurden, manchmal auch aus Hinterlassenschaften stammen, falls keine Erben ausfindig gemacht wurden. Bislang hat das Amt die jährlich knapp 150 Fahrzeuge an Schrotthändler und Autoverwertungen abgegeben, wie Lennart Wille als Leiter des Bereichs Verkehrsüberwachung sagt.

Die Regeln sind klar: Gekauft wird wie besehen, es wird bar bezahlt, Rückgabe ist nicht möglich, der Wagen muss binnen drei Tagen vom Grundstück am Tonberg abgeholt werden, der Inhalt wird mit verkauft. „Da kann er ja gleich Pfand abholen“, witzelte ein Mann über den Bieter, der für läppische zehn Euro einen vollgemüllten, verschrammten Fiat Ducato mit kaputten Reifen ersteigerte. Auf dem Beifahrersitz lag eine Colaflasche.

Alexander May schaute sich einen Opel Agila an, den er unter Umständen für seinen Sohn Lehan (16) herrichten wollte. Doch als das Gebot für den Kleinwagen von 100 auf 250 Euro kletterte, stieg Autokenner May aus. Der Sohnemann hatte ohnehin vom BMW M 3 Alpina geträumt, dem Schmuckstück im Fuhrpark herrenloser Fahrzeuge. Wahrscheinlich hätte das Fahrzeug seine 4000 Euro eingebracht – doch in letzter Minute meldete sich der Altbesitzer. Er ist jetzt bereit, Strafgebühren plus 2,35 Euro an täglichen Standgebühren zu bezahlen. Der BMW kam nicht unter den Hammer.

Die höchste Einnahme verbuchte ein vergleichsweise gut erhaltener Opel Corsa. Die Auktion begann mit 500 Euro und endete bei 2000 Euro. Den Zuschlag erhielt Markus Koch, der für seinen Autohof in Klausdorf gleich ein halbes Dutzend Autos ersteigerte. Den Corsa will er wieder herrüsten und verkaufen, den fleckigen VW Bora (50 Euro) wohl eher ausschlachten und in die Schrottpresse geben.

Das gleiche Schicksal dürfte auch dem verrosteten „Hühner-Golf“ (30 Euro) blühen, ganz zu schweigen vom verräucherten fauligen Mini-Wohnwagen (5 Euro). Ein silberner Seat Ibiza brachte 160 Euro ein, der Audi mit den platten Reifen kam auf 200 Euro, ein älterer VW Passat mit Anhängerkupplung spülte 330 Euro in die Kasse. 210 Euro gab ein Bieter aus dem Schleswiger Raum für den Mercedes C 230 Kompressor aus. Dem Mann ist das Fahrzeug ziemlich schnuppe – die Ledersitze haben es ihm angetan.

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