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Maritime Wirtschaft : Scharfer Streit ums MFG-5-Gelände

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die IHK wirft der Stadt Industriefeindlichkeit vor, weil sie auf die Kaikante verzichten will, ohne die kein Hafenumschlag möglich wäre. Die Stadt wiederum geht laut Gutachten davon aus, dass auch die Anlieferung vollständig über die Straße läuft. Wohnbebauung genießt Vorrang, weil die Rentabilität des MFG-5-Geländes höher ausfällt.

shz.de von
erstellt am 11.Apr.2016 | 21:07 Uhr

Harte Vorwürfe der Industrie- und Handelskammer Kiel in Richtung Rathaus: „Mit ihrer Haltung gefährdet die Verwaltung die Zukunftsfähigkeit der Stadt“, erklärte gestern IHK-Präsident Klaus-Hinrich Vater. Er bemängelt, dass die städtischen Planer – gegen vorherige Absprache – die verbliebenen 150 Meter Kaikante auf dem MFG-5-Gelände aufgeben wollen. „Für den privaten Hafenumschlag ist künftig keine Platz mehr“, befürchtet auch Martin Kruse, bei der IHK für Standortpolitik und Maritime Wirtschaft zuständig.

Industrie-Ansiedlung sei unter diesen Umständen nicht möglich und von der Stadt auch nicht erwünscht. „Schöner Wohnen geht vor Wirtschaft“, urteilt Vater. Die Kritik der IHK-Spitze richtet sich ausdrücklich nicht gegen Oberbürgermeister Ulf Kämpfer, der stets ein klares Bekenntnis pro Industrie abgelegt habe. „Aber ihm wird in die Parade gefahren“, sagt der IHK-Präsident. Er macht vielmehr den Bau-Dezernenten und Bürgermeister Peter Todeskino für die „industriefeindlichen Planungen“ verantwortlich. Von Kämpfer erwartet die IHK jetzt eine klare Stellungnahme.

Die städtische Planung zu dem 80 Hektar großen Gelände MFG-5-Areal im Norden der Stadt sieht auch die Verlagerung des Tonnenhofes vor (wir berichteten). Die Umzugspläne hat die IHK „mit knirschender Zustimmung“ begleitet. Wenn die Stadt dem Tonnenhof jetzt aber auch noch die bewusste Kaikante zuspricht, ist für Vater das Maß des Erträglichen überschritten. Denkbare alternative Standorte gebe es durchaus: Der Tonnenhof könnte nach seinen Worten etwa am Kraftwerksgelände auf dem Ostufer, auf dem weitgehend geräumten Gelände des Marine-Arsenals oder auch in Teilen der Lindenau-Werft unterkommen.

In Übereinstimmung mit der IHK forderte gestern auch der DGB „klaren Kurs für Kiel“. Die Stadt würde nach den Worten des DGB-Kern-Vorsitzenden Frank Hornschu mit ihrem aktuellen Konzept auf Chancen und Perspektiven verzichten. „Ohne Kaikante keine Anbindung an den gesamten Ostseeraum, keine Anbindung an den Kieler Hafen, an den Nord-Ostsee-Kanal, an die Maritime Wirtschaft“, heißt es in der Erklärung.

Die Stadt verwies gestern darauf, dass laut einem Gutachten „nahezu alle ansiedelnden Unternehmen den Verkehrsträger Straße nutzen werden“. Soll heißen: Die Kaikante wird gar nicht benötigt. Falls aber doch ein konkreter Ansiedlungswunsch samt Güterumschlag an der Mole vorliegen sollte, könnte man eine neue Kaikante nördlich des Tonnenhafens erstellen. Geschätzte Kosten: zehn Millionen Euro.

Über diese Gutachten und die aktuelle Planung sei mehrfach im Planungsbeirat gesprochen worden. „Die Anwesenheit eines Vertreters der IHK bei diesen Sitzungen ist nicht bekannt“, konterte die städtische Pressestelle gestern die Attacke von Vater. Und auch den Vorwurf der Industriefeindlichkeit weist das Rathaus zurück. Ein Unternehmen wie Vossloh (Maschinenbau  /  Lokomotiven) könne auch in einem Gewerbegebiet produzieren. Allerdings: In einem reinen Industriegebiet mit strengeren Auflagen müsste eine größere Schutzzone eingerichtet werden, das geht auf Kosten des Wohnanteils. Dann aber wäre die Rentabilität des Projektes geringer – und der Eigenanteil der Landeshauptstadt deutlich höher.  

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