Akustische Sanierung : Schallschutz für gestresste Ohren

So sieht es aus: Eckhard Mews (l.) und Robert Liedtke von Paul Lühr Holzbau befestigen die „Sauerkraut-Platten“ an den abgehängten Alu-Leisten. Sie sorgen gemeinsam mit einer Luftschicht und einer Lage Mineralwolle für deutlich bessere Akustik.  Fotos: Carstens
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So sieht es aus: Eckhard Mews (l.) und Robert Liedtke von Paul Lühr Holzbau befestigen die „Sauerkraut-Platten“ an den abgehängten Alu-Leisten. Sie sorgen gemeinsam mit einer Luftschicht und einer Lage Mineralwolle für deutlich bessere Akustik. Fotos: Carstens

Als erste Schule in der Landeshauptstadt erhält die Klaus-Groth-Gemeinschaftsschule eine akustische Sanierung in allen Räumen. Das kostet knapp 150 000 Euro. Insgesamt gibt die Stadt in diesem Jahr 600 000 Euro für die Lärmverringerung aus.

shz.de von
12. Juli 2018, 18:54 Uhr



Dieses Problem teilt die Klaus-Groth-Schule in Kiel mit vielen älteren Schulen in der Stadt und im ganzen Land: Es ist laut – in den Klassenräumen, auf dem Flur, in der schul-eigenen Mensa. Nun ist der Nachwuchs an dieser Gemeinschaftsschule keinesfalls verhaltensauffälliger als anderswo. Verantwortlich für den Lärm sind vielmehr die schlechten Akustikwerte im Hause. Für knapp 150 000 Euro erhält die Groth-Schule deshalb in den Sommerferien einen Schallschutz in sämtlichen Unterrichtsräumen – weitere Schulen werden folgen.

Ohne eine gute Akustik nützt das beste Lernen nichts, sagt Bildungsdezernentin Renate Treutel: „Ein hoher Geräuschpegel sorgt für Unruhe, zerrt an den Nerven, fördert Stress und Ermüdung.“ Nach den Worten von Schulleiter Christian Bornhalm war die Lautstärke jahrelang Thema im Kollegium. Die Untersuchungen der Unfallkasse Nord bestätigten das Empfinden von Lehrern, Kindern und Eltern. Der sogenannte „Nachhallwert“ lag laut Bornhalm mit 220 Prozent weit über dem pädagogisch angemessenen Level.

Dass Schulen, insbesondere die Altbauten mit den hohen Wänden, über schlechte Akustikeigenschaften verfügen, ist wahrlich keine neue Erkenntnis. Doch wie Iris Diekelmann sagt, die Leiterin des städtischen Amtes für Schule, Kinder- und Jugendeinrichtungen, hat sich die Situation in den letzten Jahren verschärft. Mit dem Ganztagsunterricht, mit dem Mittagessen in der neuen Mensa, mit der Nachmittagsbetreuung – immer mehr kleine wie große Menschen sind immer länger in der Schule. Und bei den Daz-Klassen (Deutsch als Zweitsprache) werde in akustisch schlechten Räumen das Sprachverständnis erschwert.

Die Groth-Schule ist kein Einzelfall. Iris Diekelmann lässt den Bedarf an akustischer Sanierung in Kiel zurzeit ermitteln. Renate Treutel hat in diesem Jahr vorsorglich 600 000 Euro zur Verfügung. Ein knappes Viertel der Summe wird gegenwärtig für die sogenannten „Sauerkraut-Decken“ der Klaus-Groth-Schule verbaut. Die wellige Struktur der Platten, die an abgehängten Aluminium-Profilen angebracht werden, hat zu diesem Namen geführt.

Die Arbeiten begannen bereits vier Wochen vor den großen Ferien. Die Erfolge sind in den fertiggestellten Klassenräumen bereits hörbar, sagt Christian Bornhalm. Das hätten ihm Lehrer und Eltern beim letzten Schulfest bestätigt. Renate Treutel und Iris Diekelmann verweisen jetzt aber auf ein ganz anderes Problem: die starke Konjunktur in der Bauwirtschaft. „Wir haben die Gelder für die Sanierung, der politische Wille ist vorhanden“, sagen sie. „Aber uns fehlen die Firmen.“

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