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Erlebbare Historie : Sanierungsfall Festung Friedrichsort

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Stadt Kiel will die von den Dänen vor 400 Jahren angelegte Anlage endlich wieder erkennbar und begehbar machen. Der Zeitpunkt ist günstig: Mit der Städtebauförderung locken lukrative Zuschüsse. Die Stadt muss sich nur zu einem Drittel an der millionenschweren Sanierung beteiligen.

Die historische Festung Friedrichsort könnte schon bald aus ihrem Dornröschenschlaf erwachen. Einstimmig bewilligte die Ratsversammlung 100  000 Euro für erste solide Untersuchungen bewilligte. Denn bislang kann der Sanierungsbedarf für die Festung und die umliegende Siedlung Alt-Friedrichsort mit knapp 23 Millionen Euro nur grob geschätzt werden. Das Projekt ist für die Stadt durchaus lukrativ. Denn sollte das Areal wie gewünscht in die offizielle Städtebauförderung aufgenommen werden, müsste die Stadt nur ein Drittel der Kosten tragen, Land und Bund übernehmen gleich hohe Anteile.

Wulf Dau-Schmidt, Vorsitzender im Verein der Freunde der Festung, zeigt sich hoch erfreut über die neue Aufmerksamkeit, die der Festung zuteil wird: „Ich habe das Gefühl, dass wir noch nie so weit waren wie augenblicklich.“ Er und seine Freunde klagten seit Jahren über die Vernachlässigung des historischen Erbes. Ziel des Vereins war und ist es, „die Festung wieder erkennbar machen“. So drückt es Axel Dubitscher aus, der für Besucher gelegentliche Führungen über das historische Gelände organisiert.

Die Anlage geht zurück auf die von den Dänen 1637 – mitten im Dreißigjährigen Krieg – angelegte „Festung Christianspries“. Unter dem späteren Dänenkönig Friedrich erhielt das Areal eine grundlegende militärische Erweiterung mit Wassergraben, wehrhaften Inseln und fünf starken Ecktürmen, den „Bastionen“. Die Festung diente dann lange Zeit als Munitionsdepot, als Kaserne und auch als Gefängnis. Jens Lornsen, der Vorkämpfer für ein geeintes Schleswig-Holstein, saß hier wegen Hochverrats ein.

1864 ging die Festung in preußischen Besitz über, es wurden die heute noch vorhandenen, niedrigen Kasematten angelegt. Als Unterkunft für Flüchtlingsfamilien, als Kindererholungsheim, als Außenstelle der Bundeswehr und sogar als Obachlosenquartier wird die Festung genutzt. Heute gehört das Areal drei Privatpersonen und der Kieler Wirtschaftsförderungsgesellschaft Kiwi. Teile der historischen Anlage sind zudem von industriellen Nachbarn wie Vossloh oder Caterpillar eingezäunt.

Dau-Schmidt hat den Eindruck, dass gegenwärtig alle Beteiligten an einem Strang ziehen. „Die Eigentümer unterstützen das Projekt“, sagt der Vereinsvorsitzende. Die Festung ist heute nur von der Strandseite aus zu erreichen und für die Öffentlichkeit so gut wie nicht zugänglich. Das Eisentor auf der einzigen Zugangsstraße ist verschlossen, die für Touristen gedachte Info-Tafel zerkratzt und kaum noch lesbar.

Die Stadt ist sich der gegenwärtigen Missstände bewusst und geht von einer millionenschweren Sanierung aus. Das Konzept soll auch klären, ob die Festung Friedrichsort als Standort für die geplante Landeswassergartenschau in Frage kommt. Bekanntlich will Kiel mit seinen Nachbarn in der Förderegion im Jahre 2020 diese Großveranstaltung ausrichten. Ob allerdings in nur fünf Jahren die Festung für diese Zwecke hergerichtet sein kann, ist noch unklar. Es existierten bis vor kurzem offenbar nicht einmal verlässliche Geländekarten. Das stellte sich heraus, als das Landesamt für Denkmalpflege die Festung vermessen wollte. Mangels aktuellen Materials mussten sich die Experten an uralte Pläne aus dem Jahre 1770 halten. „Das waren die einzigen vernünftigen Unterlagen“, erklärt Wulf Dau-Schmidt.  

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erstellt am 06.Feb.2015 | 12:55 Uhr

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