Wutanfall im Kieler Rathaus : Rücktritt von Grünen-Ratsherr nach Ausraster

Rücktritt: Christoph Krieger (32)
Rücktritt: Christoph Krieger (32)

Christoph Krieger war im Rathaus in Rage geraten, weil sein zerfledderter Ausweis eingezogen werden sollte. Mit der Faust traf er die Hand einer Mitarbeiterin. Die Polizei musste eingreifen.

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13. September 2018, 19:56 Uhr

Kiel | Spektakulärer Rücktritt eines Mitgliedes der Kieler Ratsversammlung: Nach einem Ausraster auf dem städtischen Einwohnermeldeamt, der am Mittwochmorgen in einem Polizei-Einsatz endete, hat der Grünen-Politiker Christoph Krieger (32) am Donnerstag sämtliche politischen Ämter niedergelegt. Der Fraktionsvorstand der Grünen reagierte „mit Bestürzung und tiefer Betroffenheit“.

Was war geschehen? Dem Vernehmen nach war Krieger, der offenbar eine Auslandsreise plante, als Kunde im Einwohnermeldeamt vorstellig geworden. Der Ausweis, den er der Mitarbeiterin vorgelegt haben soll, muss aber derart zerfleddert gewesen sein, dass er sofort einbehalten wurde. Darauf soll der mitunter als sperrig, aber stets als ruhig geltende Krieger unerwartet cholerisch reagiert haben. Wutentbrannt schlug er mit der Faust auf den Behördentresen – wo aber noch die Hand der Mitarbeiterin lag. Die Frau wurde bei der Attacke leicht verletzt, auch eine Kollegin fühlte sich wohl von Kriegers überraschendem Wutausbruch bedroht. Die alarmierte Polizei musste eingreifen.

Weder die städtische Pressestelle noch die Grünen aber mochten diese Details bestätigen. In den Erklärungen war lediglich von einem „Vorfall im Rathaus“ die Rede. Angeblich soll Krieger später die beiden Mitarbeiterinnen um Entschuldigung gebeten haben – offenbar vergeblich. Im Rücktritt sehen Jessica Kordouni, Arne Langniß, Verena Heimann und Arne Stenger von der Grünen-Fraktion im Rat „einen mutigen und konsequenten Schritt“. Sie fügen hinzu: „Egal, wie die Vorgänge abschließend zu bewerten sind – Christoph weiß, dass er sich falsch verhalten hat.“

Krieger gehörte seit der Kommunalwahl im Mai der Kieler Ratsversammlung an. Er war in der Fraktion der Sprecher für Jugend/Kinder, Migration, Senioren und Wohnen. Am Abend schoben die Grünen eine persönliche Erklärung von Christoph Krieger nach. Darin heißt es: „In meinem privaten, politischen und beruflichen Wirken habe ich mich immer für Frieden und Gerechtigkeit eingesetzt. Wer mich kennt, weiß dass ich tiefes Mitgefühl empfinde, wenn anderen Menschen ein Unrecht geschieht.“

Krieger war nach eigenen Angaben an einem Geschehen beteiligt, „in welchem (auch) ich mich möglicherweise nicht angemessen verhalten habe. Nähere Erklärungen zu dem Sachverhalt kann und möchte ich heute auf Rat meines Rechtsanwaltes nicht abgeben. Zunächst trete ich jetzt einen schon länger geplanten Urlaub an. Danach werde ich mich um weitere Klärung der Angelegenheit bemühen.“

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