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Barrierefrei auf dem Bahnhof : Rollifahrer an der Bahnsteigkante

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Sechs Auszubildende der Deutschen Bahn erklären mit ihrem selbst produzierten Video den Mobilitätsservice auf deutschen Bahnhöfen.

shz.de von
erstellt am 01.Aug.2017 | 15:12 Uhr

Junge Menschen bringen oft frischen Wind in ein Unternehmen. Das dachte sich wohl auch die Deutsche Bahn, als sie im Jahr 2015 das Programm für ihre Bahnhöfe „Management erlebt und gestaltet durch Azubis“ (Mega) für die eigenen Auszubildenden ins Leben rief. Dabei hospitieren die angehenden Kaufleute für Verkehrsservice nicht nur in fünf verschiedenen Bereichen eines Bahnhofsmanagements, sondern stellen auch ein eigenes Projekt auf die Beine. Mit „Mobil mit Handicap – Wir lassen Sie nicht im Regen stehen“ widmeten sich die sechs Nachwuchs-Verkehrskauffrauen und -männer im zweiten Ausbildungsjahr jetzt dem Mobilitätsservice des Unternehmens.

„Das Thema hat uns gleich gefallen“, sagt Leja Stojcic, „Das hat sehr viel mit unserer täglichen Arbeit zu tun.“ Zudem sei der Service, den die Deutsche Bahn ihren mobilitätseingeschränkten Fahrgästen anbietet, gemäß einer Umfrage des Unternehmens weitestgehend unbekannt. Darum produzierten die 18- bis 25-Jährigen auf eigene Faust einen Image-Film zum Thema. Das Projektziel, erklärt Niklas Schwennesen, war es, die „Kunden mit Handicap darüber zu informieren, dass wir Hilfe beim Ein-, Aus- sowie Umsteigen anbieten.“

Der sechsminütige Film erklärt die Nutzung des Mobilitätsservices vom ersten bis zum letzten Schritt. Als Schauspieler fungierten die Auszubildenden selbst – und Rollstuhlfahrer Michael Ecker. So begleitete das „Kamerateam“ den 61-Jährigen beim Kauf eines Bahntickets und der Buchung des Mobilitätsservices am Bahnhofsschalter sowie beim begleiteten Einstieg in und Ausstieg aus dem Zug. Die vorherige Anmeldung, betont Dirk Teubler, Leiter des Bahnhofsmanagments Schleswig-Holstein, sei nicht nur für den Reisenden eine Entlastung, sondern auch für den Bahnangestellten.

Der Service, bei dem ein Bahnmitarbeiter den Reisenden zum Zug begleitet und – wie am Beispiel von Michael Ecker im Film gezeigt – eine Rollstuhlrampe am Zug anbringt, dauert immerhin etwa 22 Minuten, bedarf also der Planung. „Es ist eine enorme Arbeitsentlastung, wenn mobilitätseingeschränkte Kunden sich vorher bei der Zentrale anmelden“, bestätigt auch Auszubildende Eva Deine in der Präsentation der Arbeit.

Michael Ecker unternimmt drei bis vier größere Reisen pro Jahr mit der Bahn und nutzt dabei stets den Mobilitätsservice auf den Abfahrts- und Ziel-Bahnhöfen. „Man kann sich natürlich nicht überlegen, morgen spontan zu fahren. Aber wenn man den Service rechtzeitig bucht, ist das Reisen auch entspannt“, sagt der 61-Jährige. Das Projekt der Azubis habe er darum sehr gern unterstützt, um auf das Angebot für Menschen mit Bewegungseinschränkung aufmerksam zu machen. Denn: „Viele Rolli-Fahrer reisen nicht, weil sie nicht wissen, wie sie in den Zug kommen.“

Mit ihrem mit einer Spiegelreflexkamera gedrehten Film nehmen die sechs Bahn-Auszubildenden aus Hamburg, Lübeck und Kiel am Projektwettbewerb der Deutschen Bahn teil. Der Sieger unter den 26 eingereichten Projektarbeiten wird am 28. September bei der Preisverleihung in Hannover gekürt.

Für Dirk Teubler ist das Ergebnis schon jetzt ein Gewinn: „Sie haben genau den richtigen Punkt getroffen“, wandte er sich an die Auszubildenden. „Das haben Sie toll gemacht.“ Das Projekt der Nachwuchskräfte soll nun als Vorlage für einen professionell produzierten Imagefilm des Unternehmens dienen.

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