Moderne Operation : Roboter und Landkarten vom Körper

Begeistert von der Technologie: (v. l.) Norbert Frey, ärztlicher Direktor des UKSH, Jens Scholz als UKSH-Vorstandschef, Peter Vullinghs von Philips, Wissenschaftsministerin Karin Prien sowie GMSH-Geschäftsführer Frank Eisoldt bei der Schlüsselübergabe.
Begeistert von der Technologie: (v. l.) Norbert Frey, ärztlicher Direktor des UKSH, Jens Scholz als UKSH-Vorstandschef, Peter Vullinghs von Philips, Wissenschaftsministerin Karin Prien sowie GMSH-Geschäftsführer Frank Eisoldt bei der Schlüsselübergabe.

Das Kieler Uni-Klinikum weiht sechs hochmoderne OP-Säle ein. Technologie-Weltneuheiten sollen Operationen präziser für den Chirurgen und weniger schmerzvoll für den Patienten machen.

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21. Dezember 2017, 17:54 Uhr

„Der erste chirurgische Eingriff, bei dem der Patient überlebte, gelang vor 50000 Jahren. Seitdem hat sich zum Glück einiges verändert“, sagte Jens Scholz, Vorstandsvorsitzender des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein, bei der gestrigen symbolischen Schlüsselübergabe in den neuen OP-Sälen des Kieler Klinikums. Welche Möglichkeiten die Medizin inzwischen ausgelotet hat, wird in den sechs neuen Operationssälen des UKSH deutlich. In drei Jahren entstanden die Säle während des laufenden Betriebs im Operativen Zentrum am Campus Kiel. Die Baumaßnahmen verschlangen 27,5 Millionen Euro. Für diese Summe kam das Land auf.

Bei nun insgesamt 15 OP-Sälen ist für das UKSH in Kiel aber noch nicht Schluss. In den nächsten Jahren sollen, zum Beispiel durch die Eingliederung der Kinderchirurgie in das Zentrum, 30 Säle entstehen, in denen die Frauen und Männer in Weiß Leben retten können. Karin Prien, Ministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur, beschrieb die Ausstattung der neuen Säle als „Medizintechnik der absoluten Spritzenklasse.“

Die neuen Operationssäle sind alle um die 50 Quadratmeter groß, um auch komplizierten Eingriffen genügend Raum zu bieten. Drei von ihnen sollen einen herzchirurgischen Schwerpunkt erhalten, in zwei der neuen Säle kann mit dem „da-Vinci“-Chirurgie-System gearbeitet werden. Der Roboter unterstützt die Chirurgen bei minimalinvasiven Operationen, bei Eingriffen also, die durch kleinste Körperöffnungen gemeistert werden. Beispielsweise kann so durch die Leiste am Herzen operiert werden. Das bedeutet für die Patienten weniger Schmerzen und einen kürzeren Krankenhausaufenthalt.

Das Herzstück des Zentrums sind die beiden Hybrid-OP-Säle. Einer wurde bereits 2013 in Betrieb genommen, ein zweiter wurde gestern eingeweiht. Der neue 76 Quadratmeter große Saal wurde mit modernster Technik der Firma Philips ausgestattet: der Angiographie/ Radiologie-Anlage „Azurion“. Die neue Anlage liefert Bilder vom Innenleben des Patienten in höchster Auflösung und wird hauptsächlich in der Kardiologie sowie der Herz- und Gefäßchirurgie genutzt. Im älteren Hybrid-OP von 2013 fand eine zweite Weltneuheit ihren Platz. Das Gerät, das erst vor wenigen Monaten im OP installiert wurde, ermöglicht es den Ärzten während eines minimalinvasiven Eingriffs an Wirbelsäule oder Becken, auf einem Bildschirm genau nachzuverfolgen, was im Inneren des Patienten passiert.

Die Navigationstechnologie basiert auf dem System der „Augmented Reality“ und liefert eine „Echtzeit-Landkarte“ des Körpers, die es den Ärzten erlaubt, „die Instrumente noch einfacher zu navigieren, die Implantationsgenauigkeit zu verbessern und die Eingriffszeit zu reduzieren“, wie Andreas Seekamp erklärte, der Direktor der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie am UKSH Kiel. Dank der detailgenauen Anzeige auf dem Bildschirm operieren die Chirurgen nicht mehr mit dem Blick auf den Patienten, sondern richten ihre Augen auf die übertragenen Bilder. Außerdem kann das Ergebnis der Operation noch im Saal kontrolliert werden. Eine Computer-Tomographie (CT) lässt sich mit der neuen Technologie noch während der Narkose erstellen. Der direkte Nutzen: weniger Strahlenbelastung für den Patienten.

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