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Naturschutz in Schleswig-Holstein : Robert Habeck: „Niemand will Kitesurfen verbieten“

vom
Aus der Onlineredaktion

Umweltminister Habeck will Kitesurfen im Wattenmeer und Naturschutz besser unter einen Hut bringen. Ein Gespräch mit Naturschützern und Sportvertretern stimmt ihn optimistisch.

shz.de von
erstellt am 08.Feb.2016 | 11:23 Uhr

Kiel | Im Konflikt um die Zukunft des Kitesurfens im Nationalpark Wattenmeer zeigt sich Umweltminister Robert Habeck nach einem Gespräch mit regionalen Vertretern von Surfschulen, Naturschutz, Nordsee-Gemeinden und Tourismus optimistisch. „Das Treffen war konstruktiv und hat gezeigt, dass die Region gemeinsame Ziele verfolgt“, erklärte der Grünen-Politiker am Montag nach der Begegnung in Husum. „Kiten soll als naturnaher Sport weiterhin in großem Umfang erlaubt sein, sensible Naturflächen sollen aber Ruhezonen sein können“, sagte Habeck. „Niemand will Kiten verbieten, und niemand will der Natur schaden.“

Um das Kitesurfen in Schleswig-Holstein ist ein Streit entbrannt. Umweltschützer sorgen sich um den Nationalpark Wattenmeer und Vertreter des Sports und des Tourismus um die Zukunft des Sports. Kitesurfen zieht eine besondere Zielgruppe von Touristen nach Schleswig-Holstein. Wenn die Trendsportart eingeschränkt wird, könnten die Sportler sich andere Ziele suchen. Die Vielfalt der Schleswig-Holstein-Besucher würde abnehmen.

Über die Kulisse für Kitegebiete und für Naturräume an der Westküste sei im Wesentlichen Einverständnis erzielt worden, sagte Habeck. „Das ist eine sehr, sehr gute Grundlage und war so auch nicht unbedingt zu erwarten.“ Debattiert wurde laut Habeck noch die Frage, auf welchem Weg Kite- und Naturgebiete formell umgesetzt werden sollen. „Wir wollen beides gleichgewichtig ermöglichen; Ausnahmen sollen nicht als eine Art Gnadenakt empfunden werden“, äußerte der Minister. „Kitegebiete sollen ihre eigene Berechtigung haben.“

„Wir sollten uns nicht im Streit über Symbole verhaken, sondern einen Weg finden, der praktikabel ist und allen Seiten Planungssicherheit gibt“, sagte Habeck. Er wird am Mittwoch ein weiteres Gespräch mit überregionalen Vertretern des Kitesports führen, zu dem auch Kite-Profi Mario Rodwald erwartet wird. „Ich hoffe sehr, dass wir einen gemeinsamen Weg finden, der einen fairen Interessensausgleich darstellt.“

Das ist der aktuelle Stand der Diskussion:

  • Nach einer Unterschriftenaktion mit 22.000 Unterzeichnern gegen das geplante Surf-Verbot an der schleswig-holsteinischen Westküste signalisierte Umweltminister Robert Habeck (Grüne) den Kitesurfern im vergangenen Dezember Gesprächsbereitschaft.
  • Zuvor hatten Naturschützer darauf hingewiesen, dass in einigen Gebieten des Nationalparks Wattenmeer Brut- und Rastvögel durch die Kiter gestört werden sollten. Von den Tieren werde der Drachen der Kitesurfer als ein gefährlicher Greifvogel identifiziert, der eine starke Scheuchwirkung habe. Ein Beispiel sei das Gebiet um St. Peter-Ording und Westerhever
  • Die Delegierten des Seglertages sind sich sicher, dass ein generelles Verbot die noch junge Sportart Kitesurfen stark gefährde – und das, obwohl sie nach der jüngsten Entscheidung der International Sailing Federation ab 2018 zur olympischen Disziplin wird.
  • Das Kiten soll nicht verboten werden. Stattdessen sollen Ruhezonen zum Schutz für sensible Naturflächen und Brutstätten eingeführt werden, damit Kite-und Naturgebiete gleichgewichtig ermöglicht werden.
  • Das Ministerium wird jetzt prüfen, wie sich die juristischen Mittel zu einem Antrag auf Änderung der Befahrensverordnung darstellen lassen.

Das sagen die Beteiligten

Hintergrund des Streits ist ein Vorstoß der Landesregierung, das Kitesurfen im Nationalpark vom Bund beschränken zu lassen, da dies in vogelreichen Gebieten zu Störungen führen könne. „Die Frage ist, ob die Kiter in jedem Winkel des Nationalparks surfen müssen, oder ob es auch Gebiete geben kann, in denen die Vögel in Ruhe fressen oder sich ausruhen können“, sagt dazu Minister Habeck. Die Umweltverbände Nabu, Bund und WWF fordern ebenfalls Beschränkungen beziehungsweise weitreichende Verbote. Insgesamt nutzen Millionen Vögel das Wattenmeer der Nordsee als Brut-, Rast- oder Überwinterungsgebiet.

Jörgen Vogt, Geschäftsführer der Global Kitesports Association, fürchtet derweil ein generelles Kiteverbot an der Nordseeküste des Landes. „Der Sport an sich würde erst mal kriminalisiert“, sagt Vogt. Künftig könnte es dann alle paar Jahre von der Erlaubnis einzelner Mitarbeiter in den Nationalparkverwaltungen abhängen, ob Genehmigungen für Surf-Zonen wieder erteilt werden. Dies könnte Auswirkungen auf den Tourismus haben sowie auf die Bereitschaft von Surfschulen, an der Nordseeküste zu investieren.

Vogt hatte gemeinsam mit anderen Kitesurfern zuletzt knapp 22 000 Unterschriften gegen ein pauschales Verbot gesammelt. Ende Januar übergaben sie diese dem Bundesverkehrsministerium, das für die Wasserstraßen im Nationalpark Wattenmeer zuständig ist. Die CDU-Abgeordneten Johannes Callsen und Heiner Rickers hatten zudem gefordert, Schleswig-Holsteins Tourismusminister Reinhard Meyer (SPD) zu dem Thema hören zu wollen.

Dabei stand nach Angaben des Ministeriums zunächst noch nicht fest, ob die Landesregierung tatsächlich beim Bund beantragen will, ein weitreichendes Verbot zu erlassen, um anschließend Kitezonen auszuweisen - oder ob die Landesregierung bloß beantragt, einzelne Zonen mit einem Kiteverbot zu belegen. Darüber hinaus sollten etwa die großen Strände vor den Inseln oder in St. Peter-Ording so oder so weiterhin Kite-Reviere bleiben.

Minister Habeck erklärt: „Es ist eine faszinierende Sportart. Auch weil ich selber surfe, weiß ich, dass Surfen und Natur zusammen gehören.“ Das Problem sei, beides zusammen zu organisieren. Da sich die Schutzgebiete mit dem Wandern von Robben und Vögeln veränderten, sei die Reform der Schutzzonen nötig. Vogt wiederum betonte, auch die Kiter seien sehr naturverbunden und würden Verbote dort akzeptieren, „wo es nachgewiesenermaßen Störungen der Natur gibt“.

 

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