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UKSH : Richtfest fürs neue Uni-Klinikum

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Von allen Seiten gab es gestern Lob für das künftige medizinische Zentrum, das in zwei Jahren mit über 600 Betten öffnen soll.

Kein gewöhnliches Richtfest, das gestern in Kiel gefeiert wurde: Der traditionelle Richtspruch mit dem Dank an Architekten und Bauarbeiter wurde nämlich für das größte Klinikbau-Projekt in Nordeuropa gesprochen. Ein Jahr nach der Grundsteinlegung zeichnen sich die enormen Dimensionen dieser 300-Millionen-Euro-Sanierung des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH) deutlich ab. Das künftige Herzstück des UKSH-Campus Kiel wird über 63  000 Quadratmeter Nutzfläche verfügen, das entspricht etwa zehn Fußballfeldern. Mehr als 30 Operationssäle und Stationen für über 600 Betten werden im zentralen Neubau untergebracht, der 2019 bezogen werden soll.

„Wir haben den halben Weg zum UKSH der Zukunft zurückgelegt“, freute sich Klinik-Chef Jens Scholz, als er in Anwesenheit der Handwerker, der Prominenz aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft sowie vieler interessierter Bürger den Festakt eröffnete. Mit der neuen Uni-Klinik im Herzen der Landeshauptstadt entstehe ein einmaliges Zentrum moderner Medizin am Meer. Der Neubau stellt sicher, „dass Kiel auch künftig ein Ort der Spitzenmedizin sowie der innovativen Forschung und Lehre sein wird“, erklärte Oberbürgermeister Ulf Kämpfer. Der Neubau ist für ihn ein gutes Beispiel dafür, dass Großprojekte plan- und fristgerecht umgesetzt werden können. Für Kämpfer ein gutes Signal, weil in den kommenden Jahren in Kiel „so viel gebaut wird wie seit der Olympiade 1972 nicht mehr“. Damit nahm er Bezug auf Großprojekte wie den umstrittenen „Kiel-Kanal“ (Volksmund: „Rathaus-Rinne“) und Neubauten auf dem Gelände des ehemaligen Woolworth-Kaufhauses und der Markthalle. Beide Objekte werden derzeit abgerissen. „Wenn unsere Bauvorhaben genauso reibungslos über die Bühne gehen wie der UKSH-Neubau, wäre ich stolz“, so Kämpfer. Zugleich hob er die oft unterschätzte Bedeutung der Gesundheitswirtschaft für die Region hervor. Es werde immer über Werften, Lokomotivbau und Handel geredet – nur selten über den Klinikbetrieb.

Dass es sich dabei um ein „Schwergewicht“ handelt, verdeutlichen die Zahlen, mit denen Scholz nachwies, dass die Universitätsmedizin Innovationsmotor und Wertschöpfungsfaktor ist. 2015 erwirtschaftete das UKSH eine Bilanzsumme von 1,25 Milliarden Euro mit mehr als 13  000 Mitarbeitern aus 110 Nationen. „Wenn man die Gesamtvergütung des UKSH, die Beschaffung von Wirtschaftsgütern und Dienstleistungen, die Lohn- und Gewerbesteuer addiert, ist das UKSH für eine Wertschöpfung von 600 Millionen Euro pro Jahr gut. Hinzu kommen über 220 Millionen Euro Steuergelder direkt für das Land.“ Heilfroh ist der UKSH-Vorsitzende, dass trotz der „Operation am offenen Herzen“ die Zahl der Patienten nicht rückläufig ist, sondern trotz Baustelle noch wächst. Für jährlich 500  000 Menschen aus dem ganzen Land, die im einzigen Klinikum der Maximalversorgung behandelt werden, soll der Neubau zugleich ein Neuanfang sein: Wege werden kürzer, historisch getrennte Abteilungen wieder zusammengelegt, und die mitunter menschenunwürdige Unterbringung in Gebäuden aus dem vorvorigen Jahrhundert findet ein Ende.

Möglich wird dies nach langem politischem Gezerre um die Finanzierung über eine öffentlich-private Partnerschaft: Den Zuschlag für Planung, Neubau und Sanierung von Bestandsimmobilien hat das private Bauträger-Konsortium Bam/ Vamed erhalten. Das Gesamtprojekt weist über eine Vertragslaufzeit von 30 Jahren ein Volumen von rund 1,7 Milliarden Euro aus und beinhaltet den anschließenden Betrieb und die laufende Instandsetzung der Immobilien in Kiel und Lübeck. Zur Refinanzierung soll eine sogenannte Effizienzrendite beitragen – etwa durch optimierte Betriebsabläufe und durch eine Erhöhung der Patientenzahlen. Gefürchtet wird, dass in diesem Zuge weiter Personal abgebaut wird.

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erstellt am 26.Apr.2017 | 18:44 Uhr

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