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Trauma-Ambulanz : Rettungsanker für verwundete Seelen im UKSH

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Aus der Redaktion der Landeszeitung

Sie haben Fürchterliches erlebt und mitunter am eigenen Körper erlitten: Viele Flüchtlinge stehen psychisch am Rande der Belastbarkeit. Für sie ist die neue Trauma-Ambulanz zuständig. Gleich zur Einweihung bedankte sich eine albanische Familie für die Hilfe.

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erstellt am 24.Apr.2017 | 12:13 Uhr

Sie erhalten Verpflegung und Kleidung, wenn sie in Kiel stranden. Nach oft wochenlanger Odyssee freuen sich die Flüchtlinge auch über eine verlässliche Schlafstätte und ein festes Dach über dem Kopf. So weit, so gut. Doch viele Menschen, die vor Krieg, Gewalt und Terror in ihren Heimatländern nach Westeuropa flohen, bringen seelische Verletzungen mit. Sie brauchen dringend eine therapeutische Betreuung, um die alten Wunden zu heilen und sich in der neuen Gesellschaft zurechtzufinden. Dafür sorgt jetzt das Uni-Klinikum Schleswig-Holstein (UKSH) mit einer eigenen „Trauma-Ambulanz“. Gestern war Einweihung am Niemannsweg.

Das Besondere an dieser Spezialeinrichtung für Flüchtlinge: Die Gespräche finden nicht, wie sonst üblich, unter vier Augen statt, sondern unter sechs. Es ist stets ein Dolmetscher dabei. Albanisch und Armenisch, Kurdisch und Kroatisch, Arabisch und das in Afghanistan gesprochene Farsi gehören zu den vielen Sprachen der Ambulanz. Da erweist es sich als Vorteil, dass Kiel eine Universitätsstadt ist und versierte Übersetzer vorweisen kann, wie UKSH-Vorstandschef Jens Scholz in seiner kleinen Rede betonte.

Die Erfahrung zeigt, dass sich die verwundete Seele oft erst bemerkbar macht, wenn der Mensch zur Ruhe kommt. Das erklärt die steigenden Fallzahlen, obwohl die Zahl der Flüchtlinge sinkt. 803 Fälle wurden 2016 registriert, 285 Hilferufe kamen von Frauen. Bislang wurde die Unterstützung im Rahmen der medizinischen Regelversorgung geleistet. Doch finanziell wie räumlich war’s eng. Jetzt hat die Landesregierung den Zuschuss auf 300  000 Euro erhöht, zudem wartet die neue Ambulanz mit hellen freundlichen Räumen auf. „Hier sind die Menschen in allerbesten Händen“, lobte Gesundheits-Staatssekretärin Anette Langner.

Nach den Worten von Dr. Sibylle Wilms, der Leiterin des Kieler Ambulanzzentrums, muss Hilfe schnell erfolgen. Andernfalls stehen Traumatisierung und Entwurzelung, verbunden mit dem Erlernen einer neuen Sprache und Kultur, der erfolgreichen Integration im Wege. Schätzungsweise jeder zweite Flüchtling ist psychisch so stark angeschlagen, dass er ärztliche Hilfe benötigt. Jeder fünfte weist Symptome einer Post-Traumatischen Belastungsstörung (PTBS) auf, wie man sie auch von schwergeprüften Soldaten kennt.

Astrit und Mimoza Piperi aus Albanien haben mit ihrem Sohn Ervis (18) die Beratung der Trauma-Ambulanz in Anspruch genommen. Albträume und akute Angst-Attacken sind spürbar seltener geworden und können zudem besser angegangen werden. Im Namen seiner Familie erklärte Ervis: „Wir danken dem deutschen Land für diese Hilfe.“  

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