Restaurierung : Rettung historischer Bücher

Im Keller-Archiv der Uni-Bibliothek lagert auch dieses Werk des römischen Historikers Cornelius Nepos, das Klàra Erdai Staatssekretär Rolf Fischer zeigt.
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Im Keller-Archiv der Uni-Bibliothek lagert auch dieses Werk des römischen Historikers Cornelius Nepos, das Klàra Erdai Staatssekretär Rolf Fischer zeigt.

Das Land zeigt sich generös: Mit 96 000 Euro wird der Erhalt wertvoller literarischer Werke unterstützt. Das einzigartige Archiv der Universitätsbibliothek reicht viele Jahrhunderte zurück. Zum Bestand gehören sogar Bücher aus ferner Zeit, als Gutenberg noch nicht geboren und der Buchdruck noch nicht erfunden war.

shz.de von
23. Juli 2015, 10:14 Uhr

Für Rolf Fischer war es ein Heimspiel. Der heutige Staatssekretär im Wissenschaftsministerium ist nämlich gelernter Bibliothekar, in Göttingen hatte er einst den beruflichen Umgang mit Büchern erlernt. Umso mehr Freude hatte er gestern in der Kieler Universitätsbibliothek (UB). In seiner Aktentasche befand sich die Zusage der Landesregierung für eine kräftige finanzielle Hilfe. Mit 96  000 Euro unterstützt das Land die Rettung historischer Bücher. Dr. Klàra Erdai, zuständig für die Abteilung Altbestände, ließ es sich nicht nehmen, dem prominenten Gast einige kostbare Raritäten zu zeigen.

Zu den wertvollen Exemplaren gehört etwa die 1481 in Nürnberg erschienene Bibel-Ausgabe „Postilla super totam Bibliam“ von Nicolaus de Lyra, eine der frühesten Druckschriften überhaupt. Bekanntlich hatte Johannes Gutenberg um 1450 mit der Verwendung beweglicher Lettern den modernen Buchdruck erfunden. Aber die Geschichte des geschriebenen, oft von Mönchshänden kopierten Buches ist natürlich viel älter. Aus der einstmals gerühmten Bibliothek des Ungarn-Königs Matthias Corvinus etwa stammt ein kleines, auf Pergament verfasstes „Stundenbuch“ mit eindrucksvollen Illustrationen. Fast 2500 Werke soll Matthias’ Sammlung umfasst haben, sie war im 15. Jahrhundert nach der Vatikanbibliothek die größte Bücherei ihrer Zeit. 207 sogenannte „Corvinen“ sind erhalten, eines befindet sich im kühlen UB-Archivkeller. Noch nicht vollständig erforscht sind die 800 Orient-Werke, darunter auch die Seefahrerkarte des osmanischen Admirals und Gelehrten Piri Reis. Arabische Kommentare ergänzen seine frühen geographischen Skizzen vom Mittelmeer.

All diese historischen Unikate müssen vor Beschädigung und Zerfall bewahrt werden. Zum fünften Mal bereits hilft das Land der Universität bei der Buchrestaurierung, in diesem Jahr ist der Scheck mit 96 000 Euro so hoch ausgefallen wie noch nie. Nach den Worten von UB-Chefin Dr. Else Wischermann gehören die „Entsäuerung“ der Skandinavistik-Abteilung mit ihren 20  000, oft auf schlechtem Papier gedruckten Bänden und die Bewahrung der „Libris menoris cimbrici“, der Schriften aus dem 18. Jahrhundert, zu den wichtigsten aktuellen Projekten. Ebenso wie Uni-Vizepräsidentin Prof. Anja Pistor-Hatam dankte sie dem Land für die Finanzspritze: „Aus eigener Kraft wäre es uns nie möglich gewesen.“

Fischer sprach mit Blick auf das Archiv der Bibliothek vom „Familienschmuck des Landes“, den man pflegen müsse, um die Identität zu bewahren. Viele historische Werke sind mittlerweile digitalisiert. Damit ist zweierlei erreicht. Die alten Werke sind geschützt, in ihrer modernen E-Variante aber gleichzeitig öffentlich zugänglich. Das streng geschützte Keller-Archiv hätten die Nutzer jedenfalls nie betreten dürfen.
 

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