terror-Übung : Retter mit blauen Gewehren

Der Beobachter in der roten Weste hält fest, wie die Polizisten die beiden bewaffneten Terroristen außer Gefecht setzen.
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Der Beobachter in der roten Weste hält fest, wie die Polizisten die beiden bewaffneten Terroristen außer Gefecht setzen.

Vom ersten aufgeregten Anruf in der Leitstelle über das Anpirschen und die Bergung von Verletzten bis zur endgültigen Entwarnung: Die Kieler Polizei übte gestern auf dem Gelände des Marine-Arsenals das Vorgehen bei lebensbedrohlichen Einsatzlagen.

shz.de von
06. Juni 2018, 17:22 Uhr



So könnte es losgehen. In einem Gebäude sind laute Rufe „Allahu akbar“ zu hören, es fallen Schüsse. Anwohner alarmieren die Polizei. Die Leitstelle schickt die erste Erkundungstruppe zum Ort des Geschehens, die Polizisten werden von einem zweiten Täter außerhalb des Hauses unter Feuer genommen. Dieses Szenario spielte gestern die Polizeidirektion Kiel auf dem Gelände des früheren Marine-Arsenals in Ellerbek durch.

Das „Vorgehen bei lebensbedrohlichen Einsatzlagen“ wird regelmäßig trainiert. Der Zufall wollte es, dass just drei Tage zuvor ein ähnlicher Einsatz an der Gablenzbrücke für stundenlange Sperrungen und Staus gesorgt hatte. Doch der bärtige Mann, der am Montag Passanten angepöbelt und vom nahen Paradies gesprochen hatte, war „nur“ ein Verwirrter. Auch der verdächtige Rucksack erwies sich glücklicherweise als harmlos.

Doch was passiert, wenn es ernst werden sollte? Kiels Polizeichef Thomas Bauchrowitz und sein Vize Frank Matthiesen wollten mit der gestrigen Übung vor allem das Verhalten und die Anweisungen der Dienstgruppenleiter mit ihren zehn, zwölf Untergebenen trainieren. Denn der erste Trupp, den die Leitstelle zum Tatort schickt, legt die Einsatzstrukturen fest, ist quasi die Keimzelle der gesamten späteren Operation.

Die Übung lief so realistisch wie möglich ab. Trotz des sommerlichen Wetters hatten die 40 beteiligten Polizisten in den dicken Schutzanzug zu schlüpfen. 20 Kilo wiegt ihre Ausrüstung – kein Vergnügen beim Sturm auf das Arsenalgebäude. In der Hand trugen sie originalgetreue Pistolen, allein das blaue Aussehen zeigt an, dass es sich nicht um scharfe Geräte, sondern um sogenannte MX-Waffen mit Farbmunition handelt.

Bauchrowitz und Matthiesen hatten gestern offenbar nicht viel auszusetzen an der Übung. Schon wenige Minuten nach dem Alarmanruf pirschten sich die Bewaffneten an das Haus heran, Unbeteiligte konnten befreit, Verletzte zügig zu Rettungswagen außerhalb der „roten Zone“ gebracht werden. Die Trainer und Beobachter – zu erkennen an den farbigen Westen – sahen, dass die Täter schnell außer Gefecht gesetzt wurden. Nach einer knappen Stunde war die Übung vorbei – die „lebensbedrohliche Einsatzlage“ war abgewendet.

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