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Prozess am Landgericht Kiel : Rentnerpaar in Neumünster ausgeraubt: Lange Haftstrafen für Angeklagte

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Das Gericht sah es als erwiesen an, dass zwei der Angeklagten im Sommer 2016 das Ehepaar in ihrem Haus überfallen haben.

Kiel | Bei einem brutalen Überfall auf ein Rentnerehepaar in Neumünster erbeuteten sie wertvollen Schmuck, Uhren und Zehntausende Euro Bargeld - dafür und andere Taten wurden zwei Männer vom Landgericht Kiel zu Haftstrafen von zehn Jahren beziehungsweise neun Jahren und neun Monaten verurteilt. Einem dritten Angeklagten konnte eine Beteiligung auf den Überfall der Rentner nicht nachgewiesen worden. Wegen der anderen angeklagten Taten - darunter versuchte schwere räuberische Erpressung und Diebstahl in zwei Fällen - wurde er am Montag aber zu einer Haftstrafe von vier Jahren verurteilt. Gegen das Urteil kann Revision eingelegt werden.

Der brutale Überfall auf die Eheleute hatte vor gut einem Jahr für Schlagzeilen gesorgt. Die damals 73-jährige Frau hatte gegen ein Uhr nachts auf der Terrasse ihres Hauses nach dem Rechten sehen wollen. Diese Gelegenheit nutzten die Täter, um in das Haus einzudringen und den Ehemann zu überwältigen, der auf dem Sofa saß.

Die Frau wurde dem Polizeibericht von damals zufolge mit Gewalt gezwungen, den Aufbewahrungsort von Wertsachen und Bargeld zu verraten. Dann wurde das Ehepaar gefesselt und in einem Raum des Hauses eingesperrt. Erst mehrere Stunden später gelang es der Frau, sich teilweise zu befreien und um Hilfe zu rufen. Es sei eine „scheußliche Tat“ gewesen, sagte der Vorsitzende Richter.

Die geschädigten Senioren, die als Nebenkläger auftraten, zeigten sich nach der Urteilsverkündung „halbwegs zufrieden“. Sie müsse das nun erst einmal sacken lassen, sagte die Frau. Sie litten immer noch unter der Tat. „So etwas gönne ich meinen allerärgsten Feinden nicht.“ Dass der jüngste der Angeklagten in diesem Fall freigesprochen wurde, ärgert sie ein bisschen. „Ich bin der Meinung, dass er dazu gehört. Es waren ja drei.“ Die drei Angeklagten hatten die anderen angeklagten Taten, darunter Einbruchsdiebstähle, zugegeben, den Überfall auf das Neumünsteraner Ehepaar aber bis zum Schluss bestritten.

Auf die Spur der Angeklagten kamen die Ermittler unter anderem über einen Kassenbon eines Baumarktes über den Kauf von Handschuhen, der auf dem Grundstück des Ehepaares gefunden wurde. Handschuhe dieser Art sind demnach beim Überfall verwendet und von der Ehefrau wiedererkannt worden. Die Videoaufzeichung des Baumarktes zeigte einen der Angeklagten beim Erwerb der Handschuhe. In der Folge wurden er und die beiden anderen Angeklagten observiert und bei den angeklagten Diebstählen beobachtet.

Der Zugriff erfolgte, als sie in das Haus eines älteren Ehepaares eindringen wollten, was vom Gericht als versuchte schwere räuberische Erpressung gewertet wurde. Die Kammer folgte den Einlassungen der Angeklagten nicht, dass sie nur in das Haus einbrechen wollten und nicht wussten, dass die 86 Jahre alten Besitzer anwesend waren. „Es sollte ein Überfall sein.“

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erstellt am 10.Jul.2017 | 14:41 Uhr

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