Amtsgericht Kiel : Rentner abgezockt: Bewährungsstrafe für Prostituierte

75.000 Euro gab ein 80-Jähriger einer 29-jährigen Prostituierten - offenbar aus Liebe. Er glaubte fadenscheinigste Geschichten.

shz.de von
23. Januar 2015, 15:35 Uhr

Kiel | Für die Abzocke ihres 80-jährigen Freiers ist eine 29-Jährige zu fünf Monaten Haft verurteilt worden. Die Strafe setzte das Amtsgericht Kiel am Freitag nach mehrstündiger Verhandlung auf drei Jahre zur Bewährung aus. Laut Anklage erleichterte die Frau den offenbar liebesblinden Senior von Oktober 2011 bis Juni 2012 um mindestens 75.000 Euro. Er selbst sprach sogar von 115.000 Euro.

Doch nur für die ersten 14.000 Euro legte die Angeklagte nach mehrstündiger Verhandlung ein Geständnis ab. Für diesen Betrag hatte sich der Hausmeister und Witwer von ihr einen Schuldschein unterzeichnen lassen. Danach entlockte sie ihm immer wieder weitere Zahlungen mit der Zusicherung, sie würde ihm alles aus einer angeblichen Erbschaft in Bulgarien zurückzahlen.

Der 80-Jährige „wusste im Grunde seines Herzens, dass er das Geld nicht mehr wiedersehen wird“, stellte die Amtsrichterin fest.

Doch trotz zunehmender Zweifel zahlte er weiter - und glaubte selbst fadenscheinigste Geschichten, sagte die Richterin. Noch zu Prozessbeginn hatte die Angeklagte behauptet, rund 58.000 Euro in bar seien nur für ihre Liebesdienste geflossen. Der Mann habe oft mehrfach täglich Sex mit ihr gehabt. Der Betrogene sprach dagegen von nur von wenigen Malen. Er sei wohl nur „immer der zahlende Depp“ gewesen. Für die Prostituierte verbrauchte er seine Altersvorsorge und nahm noch Schulden auf. Um den Mann zum Zahlen zu bewegen, erfand die Frau immer neue Gründe.

Mal waren es angebliche Operationen, dann Kautionen für einen ihrer Brüder, dann wiederum Geld für eine vermeintliche Rechtsanwältin, die in Bulgarien noch Papiere für die Erbschaft zu beschaffen hätte. Er ignorierte selbst Warnungen der Reisebank, weiterhin Geld nach Bulgarien zu überweisen und transferierte insgesamt 17.400 Euro. Zuvor hatte er der Frau Beträge zwischen 1000 und 8000 Euro jeweils bar zugesteckt. Insgesamt waren 18 Fälle angeklagt. Doch nur ein Fall lasse sich mit der erforderlichen Sicherheit nachweisen, sagte die Amtsrichterin.

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