Realschullehrer unterrichten an Gesamtschul-Oberstufen

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05. Januar 2015, 15:31 Uhr

Die landesweit 15 Gemeinschaftsschulen mit neuen gymnasialen Oberstufen können den Unterricht auf dem Weg zur allgemeinen Hochschulreife teilweise nur als Provisorium anbieten. Das geht aus der Antwort der Landesregierung auf eine parlamentarische Anfrage der FDP-Schulpolitikerin Anita Klahn hervor.

Lediglich 134 der 204 in diesen Oberstufen eingesetzten Lehrkräfte haben danach die reguläre Lehrbefähigung für die Sekundarstufe II. Die übrigen 69 Lehrkräfte müssen auf einem Niveau unterrichten, für das sie als Realschullehrer gar nicht ausgebildet sind. Lücken füllen diese Lehrkräfte vor allem in Fächern wie Mathematik, Physik, Chemie oder Biologie; hier gibt es seit Jahren einen Mangel an Nachwuchslehrern. Aber auch für Musik, Französisch oder Religion fehlt das Lehrpersonal mit „passender“ Ausbildung für die gymnasiale Oberstufe.

Rechtlich sieht sich das Ministerium mit seiner Praxis auf der sicheren Seite. Nach der „Landesverordnung über die Gestaltung der Oberstufe und der Abiturprüfung an Gymnasien und Gemeinschaftsschulen“ sollen Prüfer im Abitur die Befähigung für die Laufbahn der Studienräte am Gymnasium haben. Aus dieser Soll-Bestimmung ergebe sich, dass auch der Einsatz von Realschullehrkräften in der Oberstufe im begründeten Ausnahmenfällen möglich sei, heißt es offiziell.

Klahn nannte die Informationen aus dem Bildungsministerium „dramatisch“. So gebe es im Kernfach Mathematik lediglich in knapp der Hälfte der Schulen für die gymnasiale Oberstufe ausgebildete Lehrkräfte. „Die Schaffung von allgemeiner Studierfähigkeit und Förderung des Mint-Bereiches sieht anders aus“, sagte die FDP-Abgeordnete. Die Landesregierung unternehme „alles, um das Abitur immer weiter auszuhöhlen und fachliche Standards abzusenken.“


„Bildungsreformen nicht zu Ende gedacht“


Der Philologenverband sah sich in seiner Kritik an der Einrichtung von Mini-Oberstufen an Gemeinschaftsschulen bestätigt. Die von der Küsten-Koalition beschlossenen Bildungsreformen seien „nicht zu Ende gedacht worden“, sagte der Landesvorsitzende Helmut Siegmon. „Kollegiales Mitgefühl“ zeigte Siegmon für die Realschul-Lehrkräfte, die nun „Unterricht auf Gebieten und einem Niveau erteilen müssen, auf dem sie noch nie unterrichtet haben“. Als Beispiel nannte Siegmon die im Lehrplan Mathematik der Oberstufe vorgesehene Stochastik, ein Teilgebiet der Statistik. „Die Realschul-Kollegen will ich sehen, die in der Lage sein werden, das überzeugend zu unterrichten.“ Selbst mancher Mathelehrer mit Universitätsausbildung „bekommt da kalte Füße“.

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