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Asyl-Pläne in Suchsdorf : Raum für die Sorgen der Anwohner

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Sporthalle war restlos belegt, viele Gäste mussten stehen: 1200 Zuhörer waren zur Info-Veranstaltung über die geplante Flüchtlingsunterkunft in Suchsdorf gkommen. Trotz einzelner Beschimpfungen: Moderate Töne bestimmten die Debatte.

shz.de von
erstellt am 08.Feb.2016 | 14:02 Uhr

Die wichtigste Botschaft vorweg: Gemessen an den Befürchtungen, die von Krawall ausgingen und von lautstarken Protesten, blieb es demokratisch-friedlich bei der städtischen Info-Veranstaltung über eine neue Asylbewerber-Unterkunft in Suchsdorf. Vor kurzem musste das erste Treffen abgesagt werden, weil die Räumlichkeiten förmlich gesprengt wurden. Jetzt, beim zweiten Anlauf, war das Interesse wieder riesig. Etwa 1200 Besucher fanden sich in der Sporthalle ein, um sich die Pläne anzuhören, aber auch, um Ängste und Sorgen kundzutun.

Am Rande einer Neubausiedlung soll an der Au in Kiel-Suchsdorf ein kleines Dorf mit 100 Containern entstehen, in denen voraussichtlich rund 170 Personen leben werden. Angesichts von 10  000 Menschen im Stadtteil hält Stadtrat Gerwin Stöcken diese Größenordnung für vertretbar. „Wir werden Sie nicht überfordern“, lautete seine Botschaft an die Suchsdorfer. Stücken geht es darum, eine Ghettobildung in Kiel zu vermeiden. Die meisten Flüchtlinge werden gegenwärtig in Wohnungen in Mettenhof und Gaarden untergebracht – das aber müsse sich ändern. Auch die Kapazitäten in den Bundeswehrliegenschaften etwa in der Wik oder in Friedrichsort reichen fürs laufende Jahr wohl nicht mehr aus.

Einzelne Zwischenrufe sprachen von unglaubwürdigen Zahlen und davon, dass man „belogen und betrogen“ werde. Ein Anwalt malte sogar das Gespenst der Enteignung an die Wand, das Stöcken nur kopfschüttelnd kommentierte. Der Mehrheit der Menschen, die sich zu Wort meldeten, ging es aber um konkrete (oder gefühlte) Alltagsängste. Um weibliche Teenager, um Schulkinder auf winterlich-dunklen Straßen, um Frauen, die sich allein nicht arabischen Männern gegenübersehen möchten.

Kai Born, Leiter des örtlichen Polizeireviers, hielt diesen Befürchtungen die nüchterne Statistik entgegen: „Der Flüchtling ist nicht krimineller als der Ureinwohner in Suchsdorf.“ In der Erstaufnahme am Nordmarksportfeld – die ebenfalls zu Borns Beritt gehört – tendiere die Kriminalität gen Null. Mit Blick auf unaufgeklärte Sex-Straftaten im Nachbarstadtteil Wik erklärte Stöcken: „Die allermeisten Flüchtlinge schämen sich in Grund und Boden, dass einige aus ihren Reihen so etwas tun.“ Der Stadtrat fügte hinzu: „Sitzen Sie nicht allen Gerüchten auf!“

Das war auch das Anliegen einer Frau, die regelmäßig Kurse am „Norder“ anbietet und noch nie sexuelle Belästigung erfahren hat. Und eine junge Lehrerin in den Daz-Klassen (Deutsch als Zweitsprache) warb ausdrücklich für das gemeinsame Kennenlernen, für die Begegnung. Diesen Gedanken nahmen Stöcken und seine Verwaltungsriege im Übrigen mit ins Rathaus zurück: am Rande des Containerdorfes vielleicht eine kleine Begegnungsstätte für den gesamten Stadtteil einzurichten. Müssen es überhaupt Container sein, fragte eine weitere Zuhörerin. Mit Überlegungen, stattdessen preiswerte feste Wohnungen nach dem Kieler Modell zu errichten, hat sich die Verwaltung offenbar schon beschäftigt. Stöcken versprach: „Wenn wir’s hinkriegen, machen wir’s!“  

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