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Gift wird Pflicht : Rattenplage in Kiel: Stadt ruft Notstand in Mettenhof aus

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Das Rathaus ordnete jetzt als „Notstandsmaßnahme“ die Bekämpfung an. Grundstückseigentümer müssen die Köder allerdings vom Fachmann auslegen lassen.

Kiel | Ratten-Alarm in Kiel: Im Stadtteil Mettenhof, der an den Kreis Rendsburg-Eckernförde grenzt, muss ein Rattenrudel ausgerottet werden. Das hat die Stadt jetzt verfügt. Alle Grundstückseigentümer in Mettenhof müssen die kleinen grauen Nagetiere, die Krankheiten übertragen können, beseitigen – auf eigene Kosten. In dem betroffenen Gebiet sind 19.300 Personen in 8610 Haushalten gemeldet. Die Anordnung erfolgte als eine sogenannte „Notstandsmaßnahme zur Beseitigung einer dringenden Gefahr für Gesundheit und Eigentum der Bevölkerung“, teilte am Donnerstag Joachim Kläschen aus dem Presseamt des Rathauses mit.

Seit Jahrhunderten bekämpfen die Menschen die Ratten, ohne wirklichen Erfolg. Ratten können mehr als 70 Krankheiten übertragen, darunter Salmonellen, Rattenbandwurm, Borreliose und das Hantavirus. Und Ratten können multiresistente Keime tragen, die gefürchtet sind, weil viele Antibiotika gegen sie nicht mehr wirken.

In den vergangenen Wochen waren an verschiedenen Stellen in dem sozial schwachen Stadtteil Ratten gesichtet worden. Auch auf mehreren Grundstücken wurde ein Rattenbefall festgestellt, so Kläschen. Er erklärte: „Ausgehend von ihren Bauten kann das Habitat eines Rattenrudels, je nach Nahrungsangebot und Umweltbedingungen, mehrere hundert Meter betragen.“

Die letzte pauschale Rattenbekämpfungswoche für den gesamten Stadtbereich gab es im Jahr 2012. „So große Einzelaktionen wie in Mettenhof mussten bisher nicht angeordnet werden“, sagte Kläschen. Anordnungen in Einzelfällen gehörten allerdings zum „Tagesgeschäft“ in allen Stadtteilen.

Der Kampf gegen die Rattenplage in Mettenhof beginnt am 9. November für mindestens zwei Wochen. Bis um 10 Uhr morgens müssen am Starttag Giftköder ausgelegt werden, hieß es. „Damit die Bekämpfung wirksam ist, muss ein Rattenbekämpfungsmittel mit blutgerinnungshemmenden Wirkstoffen der zweiten Generation eingesetzt werden“, so schreibt es das städtische Ordnungsamt vor. Durch diese Wirkstoffe verbluten die Nagetiere innerlich. Empfohlen werden demnach Mittel mit dem Wirkstoff Difenacoum, die auch die Stadtverwaltung bei eigenen Aktionen verwendet.

Doch nach neuer Gesetzgebung können Bürger nicht mehr selbst zu Rattengift greifen. Der Umgang mit den empfohlenen Rattenködern ist nur „sachkundigen Verwendern“ erlaubt – etwa ausgebildeten Schädlingsbekämpfern. Das Auslegen der Köder in Mettenhof muss daher ein Fachmann vornehmen. Und damit ist es nicht getan. Während der Aktion müssen die Köder ergänzt und erneuert werden, „bis über einen Zeitraum von 14 Tagen kein Abfraß der Köder mehr festzustellen ist“, teilte die Stadt mit.

Die betroffenen Grundstückseigentümer haben übrigens keine Wahl. „Die Teilnahme an der Aktion ist verpflichtend und Zuwiderhandlungen können mit einer Geldbuße geahndet werden“, droht die Verwaltung schon jetzt. Möglich wären laut Kläschen bis zu 25.000 Euro. Je nach Fall geht er aber bei einem Erstverstoß von einem Betrag im Verwarngeld-Bereich aus – fünf bis 55 Euro.

Den auffälligen Rattenbefall in dem Stadtteil erklärt die Verwaltung mit „falschem Kompostieren, achtlos weggeworfenem Müll und in der Toilette entsorgten Essensresten“. Joachim Kläschen: „Auch werden nicht alle Bürgerinnen und Bürger selbsttätig aktiv, sondern viele erst auf Anordnung der Behörde tätig.“

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erstellt am 30.Okt.2015 | 06:03 Uhr

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