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Workshop für Mädchen : Rap mit Rhythmusgefühl und Respekt

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Mädchen aus Kiel nahmen an zweitägigem Hip Hop-Workshop in Gaarden teil. Sie guckten sich Tricks von der Berlinerin MC Ladykay ab. Zum Abschluss gab es einen Auftritt im Park.

Michèle (18) kann schon rappen. Am Kickertisch spricht sie vor sich hin. Sie ist die einzige mit ein wenig Erfahrung. Doch in der Gruppe wird sie still, wirkt fast schüchtern. Vielleicht muss Michèle erst auftauen, schließlich hat sie den ersten Tag des Rap-Workshops verpasst. Rein optisch passt sie aber gut in die Gruppe des Gaardener Mädchentreffs: Mütze auf dem Kopf, Hose in den Kniekehlen, Turnschuhe an den Füßen und fette Kreuzkette um den Hals. Insgesamt acht Mädchen zwischen zwölf und 18 Jahren probieren an diesen zwei Tagen etwas aus, das Mut braucht: Eigene Songtexte schreiben, Taktgefühl trainieren, den Sprech-Gesang proben, ins Mikro singen. Am Ende dieses Tages wartet sogar ein Auftritt im Park. Angeleitet werden die Workshop-Teilnehmerinnen von einer jungen Frau, die selbst oft als Musikerin auf der Bühne steht: Die Künstlerin Kaye (31), bürgerlich Katrin Ernst.

Dass Hip Hop auch ohne Goldketten, Gangster-Attitüde und frauenfeindliche, rassistische oder homophobe Texte funktioniert, das will die Berlinerin in dem Workshop vermitteln. Sie nennt sich auch MC Ladykay, hat derzeit zwei eigene Band-Projekte, rappt seit dem Jahr 2000 und hat Psychologie studiert. In Brandenburg hat sie nach eigener Aussage schon mit vielen Schülern seminarweise gerappt. In Kiel leitet sie nun ihren ersten reinen Mädchen-Kurs und ist begeistert, wie sehr die Teilnehmerinnen aus sich herausgehen: „Die haben’s drauf.“ In gemischten Workshops seien sonst Jungen in der Überzahl – „aber hier haben sich gleich zehn angemeldet“, sagt Kaye alias Katrin.

Zur Einstimmung erzählt Kaye, die selbst mit Kapuzenpulli und umgedrehtem Cap in Tarnfarben einen Rapper-Look wie aus dem Bilderbuch pflegt, ihren Schützlingen viel von der Geschichte des Hip Hop. Zum Einfühlen machen sie eine Klatsch-Übung, „die wie Kinderzeugs wirkt, aber total wichtig für das Rhythmusgefühl ist“, wirbt Kaye. Eins, zwei, drei, vier – es piept monoton, die Mädchen klatschen, während ein einzelnes zu einem anderen Takt klatscht. „Jeder hat seinen eigenen Groove. Das ist auch in Ordnung“, sagt Workshop-Leiterin Kaye in die Runde. Michèle lächelt, ist inzwischen locker geworden.

Neben Michèle und den anderen Mädchen, die aus unterschiedlichen Stadtteilen kommen, ist auch die 13-jährige Rida dabei. Sie mag die Musikrichtung, sie mag es, sich selbst auszudrücken: „Das macht sehr viel Spaß“, sagt die Tochter zweier Togoer, die in Hassee wohnt, ein bisschen schüchtern. In ihrer Strophe des gemeinsamens Songs aber traut sie sich, ihre Meinung zu sagen. Darin heißt es: „Respekt heißt für mich – beleidigt mich nicht“. Warum sie das geschrieben hat? „Das habe ich für meinen jüngeren Bruder gemacht“, erklärt Rida. „Er wird manchmal beleidigt. Ich beschütze ihn einfach.“ Er weiß nichts von dem Text. Für ihn soll der Auftritt der Mädchen am Abend eine Überraschung sein.



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erstellt am 14.Aug.2014 | 06:52 Uhr

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