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BombenDrohung in Kiel : Rätselhafte E-Mail

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Alarm im Stadtteil Schreventeich: Eine Zahnarztpraxis erhält eine Nachricht mit der Androhung einer „Explosion“. Ein stundenlanger Polizeieinsatz mit Spürhunden folgt – ohne Ergebnis.

Was steckt hinter der Bombendrohung, die gestern Morgen in einer Kieler Zahnarztpraxis einging? Im E-Mail-Postfach findet eine Mitarbeiterin die schriftliche Drohung. Der Arzt alarmiert die Polizei. Die nimmt die Nachricht ernst, lässt das betroffene Mehrfamilienhaus und das Nachbarhaus an der Eckernförder Straße räumen. Nach einem fünfstündigen Einsatz mit fünf speziell ausgebildeten Spürhunden ziehen die Beamten wieder ab. Gefunden haben sie nichts. Die Kriminalpolizei ermittelt jetzt.

Es ist Montag Vormittag, kurz vor zehn Uhr. Als die Mitarbeiterin der Zahnarzt-Praxis die Droh-Botschaft öffnet, steht in dem nach Informationen unserer Zeitung in holprigem Englisch verfassten Schreiben etwas von „severe danger“, also einer ernsten Gefahr, und einer unmittelbar bevorstehenden „Explosion“. Wenig später übernimmt die Polizei. Streifenwagen fahren vor. Der Bürgersteig wird durch Flatterband abgesperrt. Die Feuerwehr steht parat. Mit einer Brechstange verschaffen sich die Kräfte Zutritt zu Dachboden und Keller. Die Hundeführer kommen. Der Alltag von sieben Praxis-Mitarbeitern, einiger Patienten und der betroffenen Anwohner ist da bereits aus dem Takt geraten – und wird es für viele Stunden bleiben.

In einem Bus der Kieler Verkehrs-Gesellschaft (KVG), der am Straßenrand platziert worden ist, harren Mitarbeiter und Nachbarn aus. So halten sie sich warm, jemand hat Brötchen und Kaffee aus einem nahe gelegenen Supermarkt organisiert. Die Stimmung ist ruhig. Immer mal wieder steigt einer aus, um sich die Beine zu vertreten.

So wie ein 55-jähriger Mann, der sich eine Zigarette anzündet und erzählt. „Ältere Leute aus der Nachbarschaft haben gesagt – da muss man ja Angst haben. Vor IS etwa. Aber ich habe keine Angst.“ Eher sei er verärgert darüber, stundenlang nichts machen zu können, sagt der Mann aus dem zweiten Stock, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Er hatte gearbeitet, als es an der Tür klingelte – „die Polizei bat uns, relativ zügig das Haus zu verlassen. Es liege eine Bombendrohung vor.“

Erst heißt es offenbar, der Einsatz werde zügig vorbei sein, berichtet ein anderer Beobachter. Doch dann zieht es sich in die Länge. Gegen 14.30 Uhr suchen noch immer Einsatzkräfte mit Spürhunden die Häuser ab. Weil die Tiere nach einer gewissen Zeit erschöpft seien, so wird erzählt, wurden neue Hunde angefordert – auch aus dem Raum Segeberg.

Was weiß die Polizei über den Fall? Die Kieler Polizeidirektion hält sich bedeckt, auch aus ermittlungstaktischen Gründen, wie Sprecher Matthias Arends mitteilt. Lediglich von einer E-Mail, „deren Inhalt Hinweise auf eine mögliche Bombendrohung enthielt“, ist am Nachmittag nach beendetem Einsatz die Rede. „Gegen 15 Uhr wurde Entwarnung gegeben, nachdem keine Hinweise auf eine konkrete Bedrohung entdeckt wurden“, so Arends. Und weiter: „Der Inhalt der Mail wird aus ermittlungstaktischen Gründen nicht bekannt gegeben.“ Kripo-Ermittler wollen nun die Hintergründe der rätselhaften Bombendrohung gegen die Zahnarzt-Praxis aufdecken.

Für deren Mitarbeiter geht der Tag am Ende doch in der Praxis weiter. „Bis viertel nach drei saßen wir im Bus fest, jetzt können wir wieder arbeiten“, berichtet eine Angestellte am späten Nachmittag. „Ein bisschen komisch ist es schon noch. Aber die erste Aufregung ist vorbei.“

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erstellt am 14.Dez.2015 | 18:30 Uhr

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