zur Navigation springen

Kieler Woche : Raab macht Plakat zur Lachnummer

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Spott für das Pixel-Design bei „TV Total“: Stefan Raab hat sich in seiner Sendung über die blauen Rechtecke lustig gemacht. Die Stadt nimmt es leicht. Doch einer der Designer nimmt sich die anhaltende Debatte zu Herzen – und äußert sich zu seiner Sicht auf das Plakat.

shz.de von
erstellt am 12.Sep.2014 | 04:39 Uhr

Dreißig Rechtecke. Unterschiedliche Schattierungen von Blau. Das kann nur die Kieler Woche sein. Oder etwa nicht? Ja, das neue Plakat hat schon hohe Wellen geschlagen, weil es unter anderem viel Freiraum für Interpretationen lässt (wir berichteten). Jetzt ist es bundesweit zur Lachnummer geworden. Am Mittwochabend nutzte Stefan Raab in seiner Pro 7-Sendung „TV Total“ den Sieger-Entwurf des Wettbewerbs als Steilvorlage für seine Standup-Comedy-Begrüßung.

Auf bekannt hämische Art kommentiert Raab das umstrittene Plakat eines Berliner Grafik-Duos, von dem er im Schleswig-Holstein-Magazins (NDR) gehört hatte. Auch dort warnte ein Moderator die Zuschauer: „Und jetzt bitte nicht erschrecken. Das was jetzt kommt, ist keine Bildstörung.“ Gemeint waren besagte Rechtecke in Dunkelblau, Hellblau, Grünblau, Graublau... und Blaublau. Stefan Raab fragt ins Publikum: „Super, oder? Wenn Sie da vorbeigehen, sagen Sie – och komm, da gehen wir hin. Das scheint ja interessant zu werden.“ Raab reibt sich fast die Hände, als er die angeblichen anderen neun Entwürfe zeigt, die es nicht geschafft haben (aber eigentlich aus seiner Redaktion stammen): Rechteck-Varianten in Gelb, Grün, Rot, Lila und anderen Farben des Regenbogens. Am Ende des gut zweiminütigen Beitrags präsentiert sogar Raab einen Neuentwurf des eigenen Plakats für den Bundesvision-Songcontest, der bald ansteht: 30 Rechtecke in Braun- und Beigetönen. „Das alte erschien uns nicht mehr zeitgemäß, nachdem wir das Kieler-Woche-Plakat gesehen haben. Wir haben sofort reagiert, das scheint im Trend zu sein. Das ist doch viel geiler. Da weiß doch jeder – einschalten“, spottet der Moderator. Und schiebt noch einen hämischen Kommentar hinterher: „Falls Sie jetzt nichts erkennen können, dann ist Ihr Fernseher kaputt.“

Super PR oder PR-Super-GAU? Die Stadtverwaltung nimmt’s offenbar gelassen und mit Humor. Der Leiter des städtischen Wirtschaftsamts, Tim Holborn, hat den Hinweis auf Raabs Sendung gestern gleich via Twitter und Facebook verbreitet. Sein Kommentar: „Das Kieler-Woche-Plakat hat es zu TV Total "geschafft".“ Und weiter schreibt er: „Das ist nur Comedy, das müssen wir nicht ernst nehmen.“

Einer der beiden Gestalter des Plakats, der Berliner Designer Stefan Guzy, nimmt sich die anhaltende Diskussion um den Entwurf indes zu Herzen. Er möchte gern in die kontroverse Debatte einsteigen und seine persönliche Sicht als Plakatgestalter auf die Dinge darlegen. Unter anderem schreibt er in einem Beitrag, welcher der Redaktion vorliegt: „Es (Das Plakat, d. Red.) darf und soll laut sein (oder flüstern), es muss stören, berühren, verführen und irritieren. Und es soll vor allem Aufmerksamkeit erregen“, findet Guzy. Letzteres hat es in jedem Fall geschafft.

Guzy endet seinen Beitrag so: „Bleibt noch die Frage, was dreißig unterschiedlich blaue Rechtecke auf dem Plakat zu suchen haben.“

Seine Antwort darauf: „Nun... ich mag die See. Nicht das Am-Strand-Liegen und der Norden ist mir auch lieber als der Süden (zum Mißfallen meiner Frau). Mich faszinieren – und da bin ich nicht allein – die hundert Facetten des Meeres: der große Spannungsraum zwischen spiegelglatter See und tosender Gischt, zwischen glitzernd klaren Strandnächten und einem nebeligen Hafenmorgen, das Farbspiel von hunderten von Booten im Regattafeld. Genau das erzählt unser Entwurf. Nicht mehr und nicht weniger.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert