Deutscher Vorausscheid des „Jessup“-Wettbewerbs : Prozess wie in Den Haag im Kieler Ratssaal

Der Internationale Gerichtshof: Wie hier in Den Haag werden auch in Kiel Juristen von Rang und Namen den Prozess leiten.
Der Internationale Gerichtshof: Wie hier in Den Haag werden auch in Kiel Juristen von Rang und Namen den Prozess leiten.

In dieser Woche messen sich Jura-Studenten von 19 deutschen Universitäten in Kiel an einem fiktiven Fall. Interessierte können mitfiebern

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28. Februar 2018, 11:30 Uhr

Wer immer schon wissen wollte, wie ein Prozess vor dem Internationalen Gerichtshof abläuft, der bekommt von Donnerstag bis Sonnabend einen kleinen Eindruck von Den Haag im Landeshaus sowie im Rathaus. Denn in diesem Jahr richtet die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) – genauer: das Walther-Schücking-Institut für Internationales Recht – den weltweiten Wettbewerb „Philip C. Jessup International Law Moot Court Competition“ aus. Hinter dem komplizierten Namen steht ein Wettstreit, in dem Jura-Studenten weltweit eine fiktive Gerichtsverhandlung zwischen zwei ebenso fiktiven Staaten bestreiten – genau so wie vor dem Internationalen Gerichtshof im niederländischen Den Haag. Das Ziel der Teilnehmer: Die Endrunde in Washington D.C. zu erreichen.

Die deutsche Qualifikationsrunde kann die Öffentlichkeit von Donnerstag bis Sonnabend in Kiel live miterleben. „Die ganze Atmosphäre vor Ort muss man einfach spüren, es ist größtenteils Spannung“, verspricht Organisator Jens Kaiser vom Walther-Schücking-Institut.

Denn in diesem Jahr finden die Qualifikationsrunden der deutschen Teilnehmer Donnerstag und Freitag ganztags von 8 bis 18 Uhr im Kieler Landeshaus und Sonnabend ab 15 Uhr im Rathaus statt. „Die Studenten bereiten sich ein ganzes Semester auf den Wettbewerb vor“, erklärt Kaiser. Jede der 19 teilnehmenden Universitäten – darunter Heidelberg, München, Hamburg und Kiel – schickt ein Team mit je fünf Studenten ins Rennen des „Jessup International Law Moot Court Competition“.

„Seit September bereiten sich alle Studenten auf den Fall vor.“ Darin streiten sich zwei fiktive Staaten vor dem Internationalen Gerichtshof. „Bis zum Januar erarbeiten die Teilnehmer schriftliche Argumente für die Klägerseite und die des Angeklagten“, so Kaiser. Im diesjährigen Prozess geht es unter anderem um ein Schiff, das im Küstengewässer eines anderen Staates von diesem aufgegriffen und nicht wieder zurück gegeben wurde.

Die Teams erarbeiten dann ihre mündlichen Plädoyers für die „Verhandlung“ in Kiel. Kaiser: „Sie bereiten sich so vor, dass sie sowohl den einen als auch den anderen Staat verteidigen könnten.“

Und nicht nur das: Ingesamt 32 namhafte internationale Juristen aus Wissenschaft und Praxis werden die Verhandlungen als Richter leiten – darunter Jin-Hyun Paik, Präsident des Internationalen Seegerichtshofes, Prof. Dr. Matthew Happold von der Universität Luxemburg, Richter Johannes Fuchs aus Hamburg und Dr. Anna Beke-Martos, Anwältin aus Budapest. „Die Studenten müssen auch auf Zwischenfragen der Richter jederzeit reagieren können“, sagt Jens Kaiser. Jeweils zwei Teams treten gegeneinander an, jedes hat 45 Minuten Zeit, seine Argumente vorzutragen. Und alles in englischer Sprache.

In den Vorrunden tritt jedes Team im Landeshaus vier Mal an. Am Sonnabend findet dann das Finale des Wettbewerbs im Ratssaal des Kieler Rathauses statt. „Man bekommt als Zuschauer eine kleine Einführung in das Thema“, erklärt Jens Kaiser, „aber man sollte nicht erwarten, den Fall zu verstehen.“

Das sei aber auch gar nicht entscheidend. „Es geht um die Atmosphäre dort – darum, diese gewaltige Energie im Raum zu spüren.“ Der deutsche Vorentscheid des „Philip C. Jessup International Law Moot Court Competition“ werde zum größten Teil von ehrenamtlichen Helfern bestritten, erklärt der wissenschaftliche Mitarbeiter des Walther-Schücking-Institutes. „Das sind Leute, die den Wettbewerb von Herzen lieben und alle aufgeregt sind, dass es endlich los geht.“ Vor allem für die Studenten hat der Wettbewerb besondere Tragweite: „Es ist eine unglaubliche fachliche Bereicherung, denn sie lernen, unter Druck zu arbeiten, zu reden und zu präsentieren“, sagt Jens Kaiser.

Der deutsche Vorausscheid ist eines der größten Qualifikationsturniere weltweit. Die beiden Final-Teams aus Kiel fliegen im April zur internationalen Endrunde nach Washington D.C.

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