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Raubserie in Kiel-Schilksee : Prozess um Tod einer 82-Jährigen: Angeklagte bestreiten Anschuldigungen

vom

Eine Seniorin stirbt bei einem Überfall an einem Asthmaanfall. Der Fall beschäftigt das Kieler Landgericht erneut.

shz.de von
erstellt am 05.Okt.2015 | 16:08 Uhr

Kiel | Der Tod einer 82-Jährigen bei einer Raubserie in Kiel-Schilksee beschäftigt zum dritten Mal in drei Jahren das Kieler Landgericht. Die deswegen angeklagten beiden Brüder bestritten am Montag zum Prozessauftakt erneut, dass sie bei ihrem fünften und letzten Raubzug der alten Dame minutenlang die Nutzung ihres Inhalationsgerätes verweigert hätten.

Die Seniorin starb bei dem Überfall im Februar 2011 qualvoll an einem Asthmaanfall in ihrer Wohnung. Ihr gefesselter Mann hatte die Räuber zuvor mehrfach vergebens angefleht, sie das Atemgerät benutzen zu lassen und den Notarzt zu alarmieren.

Die Männer wurden erst Monate nach dem Überfall durch den bis dahin größten Massen-Gentest in Schleswig-Holstein aufgespürt. Seither sitzen sie in Untersuchungshaft. Ihre Beute sollen sie unter anderem im Casino verprasst haben.

In der Neuauflage des Prozesses geht es um die Frage, ob die Tat als Raub mit Todesfolge - wie im ersten Urteil - oder als Raub mit fahrlässiger Tötung - wie beim zweiten Richterspruch - zu werten ist. In beiden Fällen waren die Männer 2013 und 2014 zu langjährigen Haftstrafen verurteilt worden. Der Bundesgerichtshof (BGH) hob aber beide Urteile mit unterschiedlicher Begründung auf.

Das erste Mal war demnach das Gericht fehlerhaft besetzt. Das zweite Mal war dem BGH die Frage nicht genügend geklärt, ob die Angeklagten die akute Lebensgefahr, in der die alte Dame schwebte, hätten erkennen können und leichtfertig beziehungsweise gleichgültig darüber hinweg gingen.

Die ansonsten geständigen Brüder betonten auch im dritten Anlauf, sie hätten bei dem Raubzug in der Wohnung des Ehepaares keine Anzeichen für die akute Atemnot der asthmakranken Seniorin erkannt.

Vielmehr habe er, als ihr Ehemann fragte, sofort erlaubt, dass sie das Inhalationsgerät benutzen dürfe, sagte der ältere Angeklagte. Er bestritt auch, „Erst Geld, dann Inhalationsgerät“ und „Erst Geld, dann Arzt“ gerufen zu haben. 

Das Geschehen spielte sich innerhalb weniger Minuten ab, sagten die Brüder. Als die Frau reglos zu Boden rutschte, flohen sie demnach in Panik. Weder Sanitäter noch Notarzt konnten das Opfer wiederbeleben.

Die Raubserie hatte ältere Menschen von August 2010 bis Februar 2011 monatelang in Angst und Schrecken versetzt. Witwer und Sohn sind Nebenkläger und auch im dritten Durchgang im Gerichtssaal. Der Witwer soll am 16. Oktober erneut aussagen. Beide fühlen sich nach Angaben ihres Anwalts verpflichtet, „den Tod der Ehefrau und Mutter mit einem als gerecht empfundenen Urteil zu Ende zu bringen“.

Das Urteil wird Anfang November erwartet. Wegen der Belastungen durch die lange Verfahrensdauer und die Untersuchungshaft könnte das Strafmaß milder ausfallen als die vorherigen.

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